Psychotraumatologie 2002; 3(2): 33
DOI: 10.1055/s-2002-31548
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Zerstört fehlende soziale Verantwortung das Gefühl der Eigenverantwortung?

Eine Analyse der Wirkung von Arbeitslosigkeit anhand psychotraumatogischer KonzepteRosmarie Barwinski Fäh
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Autor:

Dr. phil. Rosmarie Barwinski Fäh

Im Raindörfli 19

8038 Zürich /Schweiz

Phone: Tel.: 00411/2627490

Email: [email protected]

Publication History

Publication Date:
16 June 2002 (online)

 
Table of Contents #

Übersicht

Der Artikel beginnt mit einem kurzem Überblick über die seelischen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Es wird gezeigt, dass die beschriebene Symptomatik als Ausdruck einer kumulativ traumatisierenden Wirkung von Arbeitslosigkeit verstanden werden kann, die das Gefühl der Eigenverantwortung schädigt. Anhand eines Beispiels wird verdeutlicht, welche seelischen Einstellungen gefördert werden müssen und welche gesellschaftlichen Bedingungen notwendig wären, um die mit Erwerbslosigkeit einhergehenden destruktiven intrapsychischen Prozesse verhindern oder zumindest in ihren Folgen mildern zu können.

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Does deficient social responsibility destroy self-resposibility?

First of all, the article summarises the psychological effects of long-term unemployment. It is shown that the described symptoms can be unterstood as an expression of the cumulative traumatising effect of unemployment. The feeling of self-responsibility is severely damaged. Secondly, sociological interviews are analysed to illustrate the psychological capacities and the social conditions which determine the prevention of destructive intrapsychic processes and harmful consequences of long-term unemployment.

Erwerbslose sollen kreativ sein - ein eigenes Unternehmen gründen, ihre Lebenssituation in die Hand nehmen, Arbeitslosigkeit als Chance nutzen. Aber das Gegenteil ist häufig der Fall. Viele Arbeitslose zeigen Mühe mit Eigeninitiative und -verantwortung. In meinen folgenden Überlegungen gehe ich von folgender Hypothese aus: Die Zerstörung bestimmter gesellschaftlicher Werte führt zu einer tiefen Erschütterung des Vertrauens in sich und andere Menschen, was das Gefühl der Eigenverantwortung, d. h. sich als handelnde Person, die sich zutraut, Verantwortung für ihre Lebenssituation zu übernehmen, untergräbt. Um das Gefühl der Eigenverantwortung aufrecht erhalten zu können, braucht es einen sozialen Rahmen, der Sicherheit und Anerkennung gewährleistet - beides ist unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen nicht der Fall.

In einem ersten Teil meiner Ausführungen gebe ich einen kurzen Überblick über die seelischen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Ich zeige auf, dass Arbeitslosigkeit eine kumulativ traumatisierende Wirkung haben kann, die das Gefühl der Eigenverantwortung schädigt. Anschließend zeige ich anhand eines Beispiels, welche seelischen Einstellungen gefördert werden müssen und welche gesellschaftlichen Bedingungen notwendig wären, um die mit Erwerbslosigkeit einhergehenden destruktiven intrapsychischen Prozesse verhindern oder zumindest in ihren Folgen mildern zu können.

In meinen Überlegungen werde ich mich zwar auf die Situation von Erwerbslosen beziehen, doch die seelischen Probleme und destruktiven Anpassungsstrategien, die Erwerbslose zur seelischen Stabilisierung und Bewältigung ihrer sozialen Situation benutzen - aber auch die von mir vorgeschlagenen Lösungswege - sind durchaus übertragbar auf Menschen, die kurzfristig ihre Stelle verlieren oder in der ständigen Unsicherheit leben, dass eine Kündigung jederzeit möglich wäre - ein Zustand, der für einen Großteil der in einem Anstellungsverhältnis stehenden Berufstätigen heute zur Normalität geworden ist.

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1. Die seelischen Folgen der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit führt generell zu einer Beeinträchtigung des physischen und psychischen Wohlbefindens. Viele arbeitslose Menschen erleben massive Einbrüche im Selbstwertgefühl, die bis hin zu schweren Depressionen führen können. Lebensfreude und Selbstzufriedenheit schwinden. Arbeitslose berichten über Unsicherheit, innere Spannungen und Erschöpfungszustände [1]. Die Ergebnisse einer eigenen Studie [2 5] legen nahe, dass vor allem der Bereich der Selbstgefühle -Identität, Kompetenz- und Verantwortungsbewusstsein - durch die Arbeitslosigkeit beeinträchtigt wird: Das sichere und stabile Bewusstsein einer eigenen Identität kann durch Arbeitslosigkeit stark geschädigt werden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nimmt ab. Der Glaube an die eigene Veränderungsfähigkeit wird ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie das Gefühl, Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Lebenssituation ausüben zu können. Die von mir gefragten Erwerbslosen erlebten sich nicht als handlungsfähige Personen, sondern als Opfer - hilflos ihrer Situation ausgeliefert, aber gleichzeitig erdrückt von ungerechtfertigten Schuld- und Verantwortungsgefühlen.

Nach längerer Arbeitslosigkeit berichteten alle in meiner Studie befragten Erwerbslosen, dass sie immer gleichgültiger und apathischer würden, sie eigentlich an nichts mehr Interesse hätten.

Irgendwann während ihrer Arbeitslosigkeit litten alle Befragten an Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen.

Bei den Befragten der eigenen Studie zeigte sich auch ein typischer Verlauf der seelischen Verarbeitung der Arbeitslosigkeit [6] [7]:

Am Anfang kann Arbeitslosigkeit effektiv als Erleichterung erlebt werden, weil man sich z. B. nicht mehr den belastenden Bedingungen am Arbeitsplatz aussetzen muss, aber nach wenigen Monaten ändert sich oft das Befinden. Es folgt eine Phase der Auflehnung, in der Gefühle der Ohnmacht, Depression und Wut abwechseln: Wut, dass alle Bemühungen nichts nutzen, zwecklos bleiben. In der dritten Phase macht sich allmählich Verzweiflung breit, und die Betroffenen gleiten in die vierte Phase der Apathie, in der ihnen alles gleichgültig zu werden scheint. Die Dauer der einzelnen Abschnitte und die Intensität der beschriebenen Gefühle sind von Person zu Person recht unterschiedlich.

Der mehr oder weniger typische Verlauf und die mehrheitlich ähnlichen Beschwerden sprechen dafür, dass Arbeitslosigkeit auf alle Betroffenen eine schädigende Wirkung hat. Warum das so ist, lässt sich am ehesten verstehen, wenn man die geschilderte Symptomatik als Ausdruck eines seelischen Traumas auffasst. In meiner Studie [2] [8] habe ich gezeigt, dass die beschriebenen Beschwerden - wenn auch in abgemilderter Form -, den Symptomen entsprechen, die als Folge schwerer Traumatisierungen betrachtet werden.

Mit dem Begriff Trauma werden im Alltagsverständnis schwere äußere Eingriffe wie z. B. Gewaltverbrechen oder Kriegserlebnissen verknüpft. Arbeitslosigkeit ist kein solch massives einmaliges Schocktrauma [9]. Arbeitslosigkeit ist ein kumulatives Trauma [10], das dadurch gekennzeichnet ist, dass über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder belastende Erfahrungen gemacht werden, die in ihrer Wiederholung, in ihrer Summation traumatisierend wirken. Täglich erleben Arbeitslose sogenannte „Mikro-Traumen” in Form von Zurückweisung, Kränkungen, Misstrauen und Entwertungen, die langsam den psychischen Boden, das Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in andere Menschen zerstören können.

Wie beeinflussen traumatische Erfahrungen das Gefühl der Eigenverantwortung? Eigenverantwortung heißt, Verantwortung für die eigene Lebenssituation zu übernehmen. Um dies leisten zu können, ist Voraussetzung, dass man sich zutraut, die eigene soziale Situation und das eigene psychische Befinden beeinflussen zu können. Aus der Traumaforschung ist bekannt, dass eine typische Folge von Traumata gerade der Verlust des Gefühls ist, sich als handelnde Person wahrzunehmen [11] . Traumatisierte Menschen erleben sich als hilflose Opfer, hoffnungslos einer sie schädigenden Umwelt ausgeliefert. Ausdruck dieser Sinn- und Hoffnungslosigkeit ist eine apathische Grundstimmung, die häufig mit Depression verwechselt wird. Negative Endphase des beschriebenen Verlaufs der seelischen Verarbeitung der Arbeitslosigkeit ist - wie ich zuvor ausgeführt habe - tiefe Apathie und Gleichgültigkeit.

Um das Gefühl der Eigenverantwortung aufrecht erhalten zu können, müssen bestimmte intrapsychische Bedingungen erfüllt sein: Vorstellungen, deren Grundlagen auf die frühe Mutter-Kind-Beziehung zurückgehen. Aufgrund der Erfahrung, angenommen, geliebt und verstanden zu werden, bilden sich unbewusste Grundüberzeugungen: die Überzeugung, in ausweglos erscheinenden Situationen Hilfe von einem mächtigen Beschützer zu erhalten und der Glaube daran, sich selbst auch in schwierigen Situation helfen zu können. Bei diesen als Gefühl der Sicherheit spürbaren narzisstischen Phantasien unterscheidet Kohut [12] zwischen „idealisierten Elternimago” (z. B. die Überzeugung, einen mächtigen Beschützer im Hintergrund zu haben oder eins mit einer machtvollen Person zu sein) und Größenselbstvorstellungen, wie z. B. die Phantasie, einzigartige Attribute oder besondere Kräfte zu haben [12]. Diese beiden Formen narzisstischer Phantasien bilden sich im Laufe der ersten Lebensjahre, müssen im Verlauf der Entwicklung modifiziert und altersentsprechend in die Persönlichkeit integriert werden. Sie sind die Grundlage für ein gesundes Selbstvertrauen, d. h. die Vorraussetzung dafür, dass sich ein solches entwickeln kann.

Die soziale Situation von Arbeitslosen erschwert es den Betroffenen oder macht es sogar auf die Dauer unmöglich, ihr Vertrauen in sich und andere wahren zu können, weil die Realität von Erwerbslosen grundlegende, lebensnotwendige narzisstische Phantasien in Frage stellt. Für diese Annahme sprechen folgende Gründe:

  • Die Erfahrung immer wiederkehrender Hilflosigkeit und nicht zu leugnender Abhängigkeit erschweren die Aufrechterhaltung des Grundvertrauens in die eigenen Fähigkeiten und die soziale Umwelt. Wie hilflos und abhängig sich die Befragten meiner Studie [2] gegenüber ihrer Situation fühlten, zeigt u. a. der Befund, dass nach 6 Monaten Erwerbslosigkeit alle Studienteilnehmer angaben, den Erfolg bei der Stellensuche nicht von ihren Bemühungen abhängig zu sehen.

  • Nicht mehr am Staat bzw. den Politikern die Illusion festmachen zu können, dass es doch noch die „guten” Eltern gibt, die auch in ausweglos erscheinenden Situationen für Recht und Hilfe sorgen, stellt idealisierte Elternimagines überhaupt in Frage. Alle in meiner Studie [2] Befragten äußerten sich z. B. enttäuscht über den Staat und die Politiker und fühlten sich verraten. Sie sahen durch die Erfahrungen der Arbeitslosigkeit ihre persönlichen Werte und Ideale in Frage gestellt. Ein Studienteilnehmer, Herr E., drückte die Erfahrung trotz Fleiß, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit gekündigt worden zu sein, wie folgt aus: „Da schaffst du ein halbes Leben lang, und dann bist du einfach nichts.” Er „verstand” die Entlassung nicht. Die Werte, die sein bisheriges Leben prägten, galten plötzlich nichts mehr. Auch nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit beschäftigte ihn die Diskrepanz zwischen den mit der Erwerbslosigkeit verknüpften Erlebnissen und eigenen Normvorstellungen. Er beschuldigte z. B. seinen ehemaligen Chef der Unehrlichkeit und kritisierte die Entwicklung unserer Gesellschaft, in der Werte wie Erfahrung und Verlässlichkeit nichts mehr gelten.

  • Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Weller [13], der in seiner Studie das Verhältnis von Erwerbslosen zum Arbeitsamt untersuchte. Weller erwähnt die Übertragung elterlicher Omnipotenz auf das Arbeitsamt und die entsprechenden Enttäuschungsreaktionen: „Man stellt verblüfft fest, daß man jahrelang kein Stellenangebot zugesendet oder mitgeteilt bekommt, was eine große Enttäuschung bzgl. der erwarteten elterlichen Omnipotenz der vermeintlichen Vermittler darstellt. Das kann in die triumphierend-bittere Erkenntnis kippen, daß verloren und verlassen ist, wer sich auf das Arbeitsamt verlässt” (S. 23), [13].

Was geschieht, wenn die Realitätserfahrung den eigenen Werten widerspricht? Wenn die Diskrepanz zwischen Vorstellungen und Realitätswahrnehmung offensichtlich wird?

Dem Angriff auf das Grundvertrauen begegneten die von mir gefragten Erwerbslosen, indem sie eine Regression auf eine Position zeigten, in der man sich von übermächtigen Mächten abhängig fühlt.

Regression bedeutet Rückfall auf „kindliche” Einstellungen: Man gibt die Kontrolle anderen ab, die in der eigenen Vorstellung mit großer Macht ausgestattet werden. Z.B. äußerte ein von mir befragter Erwerbsloser die Überzeugung, sein Vorgesetzter hätte die Macht gehabt, die Kündigung zu verhindern, obwohl er wusste, dass die eigene Stelle wegen strukturellen Veränderungen wegrationalisiert wurde.

Abgabe von Verantwortung kann als Bewältigungsversuch verstanden werden, um Hilflosigkeit und Unsicherheit zu meistern, indem man sich innerlich in die Position eines Kindes versetzt, dass nur durch die Hilfe Erwachsener aus einer überfordernden Situation „gerettet” werden kann.

Wie können traumatisierte Menschen wieder zum Gefühl der Eigenverantwortung finden und Hoffnung und Zuversicht angesichts einer unsicheren Zukunft entwickeln?

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2. Konstruktive Einstellungen zur Arbeitslosigkeit und soziale Rahmenbedingungen, die diese Haltungen begünstigen

Um zu verdeutlichen, welche psychischen Mechanismen eine konstruktive Verarbeitung der Arbeitslosigkeit ermöglichen und welcher gesellschaftliche Rahmen geeignet ist, um die mit Erwerbslosigkeit einhergehenden schädigenden intrapsychischen Prozesse mildern zu können, möchte ich ein Beispiel voranstellen, das der Soziologe Richard Sennett in seinem Buch „Der flexible Mensch” [14] ausführlich darstellt. Sennetts soziologischer Interpretation des von ihm beobachteten Gruppenverhaltens möchte ich Ergänzungen aus psychoanalytischer Sicht hinzufügen, um die durch Arbeitslosigkeit verursachten destruktiven Prozesse zu illustrieren.

Sennett führte über ein Jahr hinweg Gespräche mit einer Gruppe von Programmierern mittleren Alters, die von IBM 1993 entlassen worden waren. Als die Gesellschaft aufgrund einer Fehleinschätzung des Marktpotentials von Personal Computers in den 80er-Jahren Probleme bekam, erwies sich die schwerfällige Firmenhierarchie als verheerend. Die Gesellschaft begann sich in eine schlanke, flexible Firma umzustrukturieren. In den ersten 6 Monaten des Jahres 1993 wurde ein Drittel der Angestellten in den 3 Produktionsstätten der IBM in Hudson Valley gekündigt.

Sennett wollte mehr über diese Umwandlung einer Weltfirma wissen, zum Teil auch, weil viele der entlassenen Manager und Ingenieure mittleren Alters seine Nachbarn auf dem Lande im Staate New York waren. Bevor sie ihre Arbeitsstelle verloren, hatten sie fest an die langfristige Entfaltung ihrer Berufskarriere geglaubt. Als Programmierer galten sie eigentlich als die Vorhut einer neuen wissenschaftlichen Berufsgruppe.

Im „River Winds Café”, nicht weit von den ehemaligen Firmenbüros, trafen sich 5 bis 7 der entlassenen Programmierer regelmäßig. Hier sprach Sennett mit diesen Männern, die immer noch weiße Hemden mit dunklen Krawatten trugen und langsam ihre Tasse Kaffee tranken, während sie aufmerksam wie auf einer Geschäftskonferenz ihren persönlichen Fall zu klären versuchten. Sennett begann 1994 immer wieder ein paar Stunden des späten Nachmittags mit ihnen zu verbringen - also ein Jahr, nachdem sie entlassen worden waren.

Der Versuch der Programmierer, dem, was ihnen zugestoßen war, einen Sinn zu geben, zerfiel nach Sennett in drei Phasen:

Als Sennett begann, sich an den Diskussionen zu beteiligen, empfanden sich die Männer als passive Opfer der Firmenpolitik. Sie hatten das Gefühl, von der Firma hereingelegt worden zu sein. In dieser Phase wollten die Betroffenen nachweisen, dass ihre Vorgesetzten sie bewusst in die Irre geführt hätten, sie suchten Beweise, die ihren Zorn rechtfertigten.

Aus psychoanalytischer Sicht betrachtet, idealisierten sie ihre Vorgesetzten, d. h. sie versuchten ihnen mehr Macht zuzuschreiben, als diese in Wirklichkeit hatten. Sie konnten sich nicht wirklich vorstellen, dass diese nicht die Macht besaßen, um ihnen zu helfen. Bis zur Mitte der 80er-Jahre praktizierte IBM einen ausgesprochenen paternalistischen Führungsstil. Für die Programmierer blieben Vorgesetzte mächtige Väter, die ihren Einfluss missbraucht hatten - eine Vorstellung die bei den Programmierern vermutlich dazu diente, eigene Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit abzuwehren. Die Realität durfte nicht anerkannt werden, weil sonst eine zur Aufrechterhaltung des seelischen Gleichgewichts notwendige Idealvorstellung in Frage gestellt worden wäre.

Wie Sennett ausführt, hielt diese erste Reaktionen im River Winds Café nur wenige Monate vor. Die Programmierer kamen allmählich zu dem Schluss, dass ein bewusster Betrug von Seiten der Firmenleitung logisch keinen Sinn machte. Einerseits wurden viele der Vorgesetzten, von denen sie in den ersten Phasen der Umstrukturierung entlassen worden waren, später selbst gekündigt. Zum anderen war nicht zu leugnen, dass es IBM in den frühen 90er-Jahren sehr schlecht gegangen war. Diese unangenehmen Tatsachen waren in großer Deutlichkeit an den Jahresbilanzen abzulesen.

In der zweiten Phase konzentrierten sie sich in ihrer Deutung der Vorgänge auf äußere Kräfte und Tendenzen, denen man die Schuld geben konnte. Im River Winds Café erschien nun die „globale Wirtschaft” als die eigentliche Unheilsquelle, vor allem weil sie dafür sorgte, dass Arbeit in der ganzen Welt verteilt wurde. IBM hatte mit dem „outsourcing” eines Teils der Programmierarbeit begonnen, weil Programmierer in Indien nur einen Bruchteil des Gehaltes bekamen, das in Amerika für solche Arbeiten bezahlt wurde. Diese Tatsache wurde nun als Grund dafür zitiert, dass sie entlassen worden waren.

Ich hatte den Eindruck, dass die von Sennett beschriebenen Programmierer begannen, die hinter dem Vorwurf des Betrugs steckende Idealisierung der IBM-Vorgesetzten in Frage zu stellen. Die Firma versagte in ihren Augen als idealisierte Instanz, die in schwierigen Situationen für sie sorgen und sie beschützen würde. Sie begann an Macht zu verlieren.

Doch sie kreierten eine noch mächtigere Instanz im Hintergrund: Die „globale Wirtschaft”. Mit dieser Erklärung versuchten sie das Verhalten ihrer ehemaligen Vorgesetzten zu entschuldigen: Sie konnten nicht anders handeln. Doch indem sie sie als gute Instanz innerlich neu erschufen, tauchte auch die Enttäuschung wieder auf. Dies spiegelte sich in dem Vorwurf der Programmierer, dass sich IBM mehr um Ausländer kümmere, aber die eigenen Leute vernachlässige. Die Inder bekamen Arbeit von IBM, sie nicht!

Die Begründung, dass ihre Arbeitslosigkeit durch die Tücke der indischen Konkurrenten verursacht sei, hatte eine weitere psychische Funktion: Droht von allen Seiten Identitätsschwund, bekommt die nationale Identität überragende Bedeutung. Fremdenfeindlichkeit wird zum identitätsstützenden Bewältigungsversuch, der ein differenziertes Nachdenken über die wirklichen Ursachen ihrer Entlassung unmöglich macht. Informationen werden nicht dazu benutzt, um die Realität adäquat einschätzen zu können, sondern die Gedanken bleiben auf eine irrationale Begründung fixiert: Eine Begründung, die die Entwicklung von adäquaten Plänen zur Bewältigung der Situation verhinderte. Denn die Konzentration auf äußere Feinde gab den Programmierern selbst kein professionelles Prestige. Ihre Erklärungen bezogen sich nur auf das Handeln anderer, die sie nicht kannten. Sie waren den globalen Mächten passiv ausgeliefert.

Der Wendepunkt kam, als die Männer begannen, über ihre eigenen Karrieren zu diskutieren, besonders über ihre professionellen Wertvorstellungen. Als Wissenschaftler glaubten die Programmierer an die Vorteile technischer Entwicklungen wie der digitalen, globalen Kommunikation. Und sie erkannten auch die Qualität der Arbeit an, die aus Indien kam. Wie Sennett betont, war diese Anerkennung mehr als eine abstrakte Verbeugung vor professionellen Standards. In der dritten Phase erinnerten sich diese Männer daran, dass sie ihre Arbeitszeit bei IBM ja nicht einfach nur abgesessen hatten, sondern ihre Arbeit geliebt hatten. Jetzt konzentrierte sich das Gespräch auf die Geschichte der High-Tech-Arbeit, ihr kürzliches enormes Wachstum, die technischen Voraussetzungen, die man brauchte, um mit den neuen industriellen und wissenschaftlichen Herausforderungen fertig zu werden. Es passierte etwas mit der Stimmung der Männer, die in dem Cafè miteinander sprachen, als sie sich von der Besessenheit, mit der sie ihre Opferrolle diskutiert hatten, lösten und das Gefühl ihrer Integrität als Programmierer wiederfanden.

Sennett beschreibt, das die Programmierer darüber zu reden begannen, was sie persönlich zu einem früheren Zeitpunkt ihrer Karriere hätten tun können und sollen, um ihre gegenwärtige Notlage zu verhindern. Sie machten sich keine Selbstvorwürfe, sondern diskutierten die rasante Entwicklung technologischer Möglichkeiten. Jetzt erzählten sie vom Erfolg der Leute, die vor 10 Jahren in den PC-Sektor eingestiegen waren, in kleine riskante Unternehmen, welche die Möglichkeiten des Internet voraussahen. Heute waren sie sich darüber einig, dass sie das Risiko hätten auf sich nehmen sollen, der Firma den Rücken zu kehren.

Ich vermute, dass sie mit der gemeinsamen Verarbeitung ihrer Enttäuschung von IBM auf sich selbst zurückgeworfen wurden: Sie konnten sich wieder als verantwortliche Akteure ihres eigenen Handelns erkennen - eine gleichzeitig ernüchternde, aber auch befreiende Erkenntnis.

Indem sie ihren Teil der Verantwortung übernehmen konnten und die Gründe für ihre aktuelle Erwerbslosensituation kognitiv und emotional realisieren konnten, wurde es den Programmierern möglich, wie Sennett es ausdrückt - „sich ihrem Scheitern zu stellen”. Ihre Bemühungen um Interpretation dessen, was geschehen war, entsprach dem Versuch, Veränderungen nicht länger blind und passiv zu erdulden. Sie handelten, indem sie über ein Tabu - das Scheitern - sprachen, sie brachten es an die Oberfläche.

Sie konnten aber erst über ihr Scheitern sprechen, nachdem sie sich aus der passiven Opferrolle lösen und sich selber aktiver sehen konnten. Sie konnten die Erwartung aufgeben, dass die Firma für sie Verantwortung trage - eine Vorstellung, die jahrelang von IBM vertreten wurde. Sie gewannen eine neue Einstellung zu sich und ihrer Umwelt: Niemand beschützt sie, sie müssen selbst handeln und haben auch Ressourcen dazu. Diese Entidealisierung hatte eine „Ich”-stärkende Wirkung: Sie erinnerten sich an ihre Kompetenzen und ihr Fachwissen. Sie bezogen sich als handelnde Personen mit ein und ihre Überlegungen führten zu einer gutkonstruierten Handlung: „Ich hätte mein Leben in die eigenen Hände nehmen sollen.”

Bezüglich der Ausgangsfrage, welche Rahmenbedingungen und seelischen Einstellungen Arbeitslose brauchen, um Eigenverantwortung übernehmen zu können, können aufgrund des geschilderten Beispiel folgende Punkte festgehalten werden:

  1. Die Voraussetzung dafür, dass traumatisierende Erfahrungen verarbeitet werden können, ist, dass Betroffene über ihre Situation, ihre Gefühle und Erklärungen ihrer Erwerbslosigkeit ohne Schuld und Scham sprechen können, dass sie nicht allein sind, dass andere dieses Schicksal mit ihnen teilen.

  2. Um Eigenverantwortung übernehmen zu können, müssen Betroffene sich aus ihrer passiven Opferrolle lösen und sich selber aktiver sehen. Diese Veränderung im Selbsterleben wird durch eine realistische Sicht der Umstände, die zur Entlassung führten und eine adäquate Einschätzung des eigenen Einflusses auf die soziale Situation gefördert.

  3. Das persönliche und soziale Identitätsgefühl muss gefestigt sein. Denn arbeitslos zu sein, heißt nicht nur die am Arbeitsplatz und im Beruf gefundene Identität in Frage stellen zu müssen. Arbeitslosigkeit bietet kein alternatives Identitätskonzept.[1] Im Beispiel entwickelten die Programmierer in ihren Gesprächen über fachliche Probleme und gemeinsame Erfahrungen ein „Wir”-Gefühl, das ihnen ein Stück persönlicher Berufsidentität wiedergab. Was sie nicht fanden, war eine neue soziale Identität - eine neue Rolle in der Gesellschaft, über die sie sich definieren konnten. Sennets Programmierer zogen sich aus ihrem aktiven Engagement in ihrer Gemeinde zurück und besuchten häufiger den Gottesdienst.

Ich hatte den Eindruck, dass die ehemals in der Gemeindearbeit aktiven Programmierer ihren Gemeinschaftssinn verloren hatten: Sie hatten nicht das Gefühl für die Gesellschaft nützlich und wichtig zu sein. Und sie hatten nicht das Gefühl, dass sich die Gesellschaft für sie verantwortlich fühlte. Sie waren immer noch arbeitslos, während die Nachbarn Arbeit „bekamen”. Warum sollten sie sich für eine Gemeinschaft einsetzen, in der sie benachteiligt waren? Ich vermute, dass eine Art innerer Boykott aus dem Gefühl tiefer Ungerechtigkeit heraus ihrem sozialen Rückzug zugrunde lag. Für diese Männer brach eine Welt zusammen, ihre Werte, für die sie gelebt hatten und die ihnen Sicherheit gaben, galten plötzlich nichts mehr. Das Gefühl tiefer Ungerechtigkeit ließ sie auf einer anderen Ebene nach Gerechtigkeit suchen: Bei Gott - eine Lösung, die ihnen erlaubte, ihre „Prinzipien”, ihre Grundwerte, aufrecht zu erhalten, denn bei ihm, in einer anderen Welt, galten ihre Werte weiterhin.

Subjektive Gefühle wie Gemeinschaftssinn, Verantwortungsgefühl und Sicherheit werden wesentlich durch soziale Faktoren mitbestimmt. Diese Gefühl vermittelt die heutige postmoderne Gesellschaft ihren Mitgliedern nicht. Angewiesenheit und Verantwortung sind Begriffe ohne gelebten Inhalt, beschwörende Leerformeln geworden. Menschen werden behandelt, als wären sie problemlos ersetzbar oder überflüssig. „Solche Praktiken vermindern für alle sichtbar und brutal das Gefühl persönlicher Bedeutung, das Gefühl, für andere notwendig zu sein”, stellt Sennett zur heutigen gesellschaftlichen Situation fest [14] (S.202).

Sicherheit gibt es nicht mehr. Der Soziologie Zygmunt Baumann charakterisiert die heutige Gesellschaft dadurch, dass Sicherheit im Sinne von Verlässlichkeit und Gewissheit verloren gegangen ist. Wohlverhalten im Sinne, dass die Erfüllung sozialer Werte gesellschaftliche Sicherheit garantiert, ist sinnlos geworden. An welchen Werten soll man sich orientieren? Soll man konformistisch oder unkonventionell sein? Die Gewissheit zu haben, zukünftige Entwicklung voraussehen zu können, ist nicht möglich.

In diesem Sinne habe ich am Beispiel der Arbeitslosigkeit ein Problem illustriert, das längst nicht mehr nur das Problem der Arbeitslosen ist. Die Unsicherheit ist bei uns allen. Die von Sennett beschriebenen Programmierer machten eine Wendung nach „innen”, bewältigen ihre belastende Situation in einem für sie persönlich konstruktiven Sinne, aber verloren ihren Gemeinschaftssinn. Ihre Form der Bewältigung ist eine Möglichkeit, wie auch wir mit der Unsicherheit umgehen könnten. Doch was ist mit dem Gemeinschaftssinn?

Damit bin ich beim vierten und letzten Punkt der Bedingungen angelangt, die Eigenverantwortung fördern.

  1. Um Eigenverantwortung entwickeln zu können, braucht es einen sozialen Kontext, der Sicherheit bietet, der seinen Mitgliedern das Gefühl vermittelt, grundlegend in einer Gemeinschaft verankert zu sein, die sie braucht und sich auch für sie verantwortlich fühlt. Dieser soziale Kontext kann nicht auf der individuellen Ebene geschaffen werden.

Es müsste ein Wertewandel stattfinden, der die heutige gesellschaftliche Realität als Realität akzeptiert. Normvorstellungen, die z. T. im Widerspruch zu den heutigen Anforderungen an Berufstätige stehen, müssen aufgegeben werden, wie z. B. die Vorstellung, das eine Ausbildung fürs Leben sei und eine geradlinige Karriere auf Dauer sichere. Dies ist heute eher die Ausnahme als die Regel. Trotzdem erleben Erwerbslose - auch jene, die nur kurzfristig aus dem Erwerbsprozess herausfallen - soziale Diskriminierung.

Es braucht für den individuellen „inneren” Wertewandel einen sozialen Raum, der sich dadurch auszeichnet, dass kontinuierliche Gespräche mit anderen Betroffenen möglich sind und kein Handlungsdruck besteht. Für Arbeitslose wären z. B. geschützte Zeitabschnitte möglich, in Form von Kursen oder 1 - 2mal stattfindenden wöchentlichen Treffen. In diesen Zeiten können sich Gespräche entwickeln, die eventuell neue mögliche berufliche Perspektiven aufzeigen. Z.B. in einem Arbeitslosenzentrum in Basel stellten die einzelnen Teilnehmer eines 14tägigen Kurses den anderen Gruppenmitgliedern ihre Hobbys oder Interessen vor. Ihre Gespräche wurden von einer Fachperson begleitet, die auch in Einzelgesprächen individuelle Schwierigkeiten klärte.

Auf gesellschaftlicher Ebene könnten sich z. B. Branchen entwickeln, die die gesellschaftliche Entwicklung vorantreiben. Es wäre z. B. möglich, dass Firmen und Politiker Task Forces einsetzten, deren Aufgabe es wäre, gesellschaftliche Prozesse sichtbar zu machen und Konzepte zu erarbeiten, wie eine gesellschaftliche Desintegration verhindert werden könnte. Es muss eine Besinnung auf grundlegende Werte stattfinden, und deren Umlagerung auf die heutigen sozialen Verhältnisse vorangetrieben werden, damit die Menschen sich noch an die raschen gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen können.

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Literatur:

  • 1 Schober-Brinkmann K, Lemineur R, Rodriguez L C, Arve B, Udris I, Zammit E L. Die Studie des Europarates zur Arbeitslosigkeit. Strasbourg.(Council of Europe) 1987
  • 2 Barwinski Fäh R. Die seelische Verarbeitung von Arbeitslosigkeit. Eine qualitative Längsschnittstudie mit älteren Arbeitslosen. München; 1990
  • 3 Barwinski Fäh R. Arbeitslosigkeit macht krank. Seelische Bewältigungsmuster der Arbeitslosigkeit. Schriftenreihe der Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana 16: 56-67
  • 4 Barwinski Fäh R. Ein Blick auf den Satz „Ich leiste, also bin ich” vom Rand einer leistungsorientierten Gesellschaft. Schritte ins Offene. Zeitschrift für Emanzipation, Glaube, Kulturkritik Baden; 1996 3: 2-6
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  • 7 Kirchler E. Arbeitslosigkeit und Alltagsbefinden. Eine sozial-psychologische Studie über die subjektiven Folgen von Arbeitslosigkeit. Trauner Linz; 1984
  • 8 Barwinski Fäh R. Wie die Umwelt die Seele schädigen kann. Tagungsband zur Tagung: Zwischen Utopie und Spardruck. Sozialpsychiatrie und Psychotherapie im gesellschaftlichen Wandel. 2. Nov. 1996 in Basel. Schweizerische Gesellschaft für ein soziales Gesundheitswesen (SGSG) und SM Soziale Medizin 1996
  • 9 Solnit A J, Kris M. Trauma and infantil experience. Furst, S.S Basic Books New York; Psychic trauma 1967: 175-220
  • 10 Khan M R. Das kumulative Trauma. Khan, M.R Kindler München; Selbsterfahrung in der Therapie 1963: 50-70
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  • 12 Kohut H. The analysis of the self. Int. Univ. Press New York; 1971
  • 13 Weller D. Arbeitslosigkeit als Gegenstand psychotraumatologisch fundierter Institutsberatung (in Vorbereitung). 2001
  • 14 Sennett R. Der flexible Mensch. Verlag Hamburg, Berlin; 1998
  • 15 Barwinski Fäh R. Arbeitslosigkeit: Trauma oder Konfliktreaktivierung?.  Forum Psychoanal. 1992;  8 311-326
  • 16 Fish-Murray E dD, Koby E V, van der Kolk B. Evolving Ideas: The Effect of Abuse on Children’s Thought. Bessel van der Kolk Psychological Trauma 1987
  • 17 De Marty P & M’Uzan M. La pensée opératoire. Revue Française de Psychanalyse 1963 27: 345-356

1 Weller [13] kommentiert hierzu aus seiner Untersuchung: „Der Status der Arbeitslosigkeit schwebt mit ständigem Aufforderungscharakter über den Gesprächen (mit den erwerbslosen Studienteilnehmern, Anmerkung R.B.). Es wird eine gewisse oft richtungslose Grund-Angestrengtheit spürbar allein aus dem Ringen mit dem aktuellen Un-Status heraus. Die aktuelle Unbehandelbarkeit der Situation drückt sich in der Interviewdynamik auch darin aus, dass eine Tendenz besteht, wortreich und detailliert von früheren Arbeitserfahrungen zu erzählen, in diesen Erinnerungen einigen Halt zu finden...” (S.11), [13].

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Autor:

Dr. phil. Rosmarie Barwinski Fäh

Im Raindörfli 19

8038 Zürich /Schweiz

Phone: Tel.: 00411/2627490

Email: [email protected]

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Literatur:

  • 1 Schober-Brinkmann K, Lemineur R, Rodriguez L C, Arve B, Udris I, Zammit E L. Die Studie des Europarates zur Arbeitslosigkeit. Strasbourg.(Council of Europe) 1987
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  • 15 Barwinski Fäh R. Arbeitslosigkeit: Trauma oder Konfliktreaktivierung?.  Forum Psychoanal. 1992;  8 311-326
  • 16 Fish-Murray E dD, Koby E V, van der Kolk B. Evolving Ideas: The Effect of Abuse on Children’s Thought. Bessel van der Kolk Psychological Trauma 1987
  • 17 De Marty P & M’Uzan M. La pensée opératoire. Revue Française de Psychanalyse 1963 27: 345-356

1 Weller [13] kommentiert hierzu aus seiner Untersuchung: „Der Status der Arbeitslosigkeit schwebt mit ständigem Aufforderungscharakter über den Gesprächen (mit den erwerbslosen Studienteilnehmern, Anmerkung R.B.). Es wird eine gewisse oft richtungslose Grund-Angestrengtheit spürbar allein aus dem Ringen mit dem aktuellen Un-Status heraus. Die aktuelle Unbehandelbarkeit der Situation drückt sich in der Interviewdynamik auch darin aus, dass eine Tendenz besteht, wortreich und detailliert von früheren Arbeitserfahrungen zu erzählen, in diesen Erinnerungen einigen Halt zu finden...” (S.11), [13].

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Autor:

Dr. phil. Rosmarie Barwinski Fäh

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