Psychotraumatologie 2002; 3(2): 33
DOI: 10.1055/s-2002-31548
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Zerstört fehlende soziale Verantwortung das Gefühl der Eigenverantwortung?

Eine Analyse der Wirkung von Arbeitslosigkeit anhand psychotraumatogischer KonzepteRosmarie Barwinski Fäh
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Publication Date:
16 June 2002 (online)

 

Übersicht

Der Artikel beginnt mit einem kurzem Überblick über die seelischen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Es wird gezeigt, dass die beschriebene Symptomatik als Ausdruck einer kumulativ traumatisierenden Wirkung von Arbeitslosigkeit verstanden werden kann, die das Gefühl der Eigenverantwortung schädigt. Anhand eines Beispiels wird verdeutlicht, welche seelischen Einstellungen gefördert werden müssen und welche gesellschaftlichen Bedingungen notwendig wären, um die mit Erwerbslosigkeit einhergehenden destruktiven intrapsychischen Prozesse verhindern oder zumindest in ihren Folgen mildern zu können.

Does deficient social responsibility destroy self-resposibility?

First of all, the article summarises the psychological effects of long-term unemployment. It is shown that the described symptoms can be unterstood as an expression of the cumulative traumatising effect of unemployment. The feeling of self-responsibility is severely damaged. Secondly, sociological interviews are analysed to illustrate the psychological capacities and the social conditions which determine the prevention of destructive intrapsychic processes and harmful consequences of long-term unemployment.

Literatur:

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1 Weller [13] kommentiert hierzu aus seiner Untersuchung: „Der Status der Arbeitslosigkeit schwebt mit ständigem Aufforderungscharakter über den Gesprächen (mit den erwerbslosen Studienteilnehmern, Anmerkung R.B.). Es wird eine gewisse oft richtungslose Grund-Angestrengtheit spürbar allein aus dem Ringen mit dem aktuellen Un-Status heraus. Die aktuelle Unbehandelbarkeit der Situation drückt sich in der Interviewdynamik auch darin aus, dass eine Tendenz besteht, wortreich und detailliert von früheren Arbeitserfahrungen zu erzählen, in diesen Erinnerungen einigen Halt zu finden...” (S.11), [13].

Autor:

Dr. phil. Rosmarie Barwinski Fäh

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