Dtsch Med Wochenschr 2026; 151(03): 89-95
DOI: 10.1055/a-2651-1873
Dossier

Delir im Alter – häufig und gefährlich

Delirium in the elderly – common and dangerous

Authors

  • Rebecca Palm

  • Thea Laurentius

Das Delir stellt ein häufiges und sehr ernst zu nehmendes Krankheitsbild bei geriatrischen Patient*innen dar. Patient*innen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind besonders vulnerabel, ein Delir zu entwickeln und zeigen gleichzeitig die schlechteste Prognose für einen komplikationslosen Verlauf. Dieser Beitrag soll einen Überblick über die Pathogenese des Delirs sowie Maßnahmen zur Vorbeugung und Therapie aufzeigen.

Abstract

Delirium is an acute, fluctuating neurocognitive disorder characterized by disturbances in consciousness and attention. Unlike dementia, delirium has somatic causes and is reversible if the triggers are identified and treated. Elderly people are particularly at risk, especially those in hospitals or long-term care facilities.

Its development is multifactorial. The threshold concept explains the interaction of predisposing factors such as age, dementia, multimorbidity, malnutrition, substance use, and triggering factors such as surgery, infections, pain, and immobilization. Early detection and risk minimization are important, such as promoting sleep, orientation, fluid intake, mobilization, and familiar caregivers. Screening should be carried out regularly for people at risk. The causes of infections, electrolyte imbalances, and fractures should also be clarified. The first measures taken are non-pharmacological, such as training, enhanced orientation, environmental design, sleep, mobilization, pain management, and family integration. Pharmacological measures have a purely symptomatic effect and may be useful in cases of hyperactive delirium with self-harm or harm to others. Interprofessional collaboration is always important for successful delirium management.

Kernaussagen
  • Das Delir ist eine akute, fluktuierende neurokognitive Störung, gekennzeichnet durch Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsstörungen.

  • Im Gegensatz zur Demenz ist das Delir somatisch verursacht und reversibel, wenn die Auslöser erkannt und behandelt werden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, v.a. im Krankenhaus oder in der Langzeitpflege.

  • Die Entstehung ist multifaktoriell. Das Schwellenkonzept erklärt das Zusammenspiel von prädisponierenden Faktoren wie z.B. Alter, Demenz, Multimorbidität, Mangelernährung, Substanzkonsum und auslösenden Faktoren wie z.B. Operationen, Infektionen, Schmerzen, Immobilisation.

  • Wichtig sind die Früherkennung und die Risikominimierung durch z.B. eine Förderung von Schlaf, Orientierung, Flüssigkeitszufuhr, Mobilisierung und vertraute Bezugspersonen.

  • Bei Risikopersonen sollte ein Screening regelhaft erfolgen, ebenso eine Ursachenklärung hinsichtlich Infektionen, Elektrolytentgleisungen oder Frakturen.

  • Ist ein Delir aufgetreten, sollten zuerst nicht pharmakologische Maßnahmen erfolgen wie eine Anpassung der Umgebungsgestaltung, Verbesserung der Orientierung, des Schlafes, der Mobilisierung und des Schmerzmanagements sowie eine verstärkte Angehörigenintegration.

  • Pharmakologische Maßnahmen wirken rein symptomatisch und können bei hyperaktivem Delir mit Eigen-/Fremdgefährdung sinnvoll sein. Immer wichtig für ein erfolgreiches Delirmanagement ist die interprofessionelle Zusammenarbeit.



Publication History

Article published online:
20 January 2026

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