Ernährung & Medizin 2019; 34(03): 109
DOI: 10.1055/a-0926-0681
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Liebe Leserinnen, liebe Leser, …

Christoph Milczynski
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Publication Date:
05 September 2019 (online)

 

Dr. med. Christoph Milczynski

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Richtig dosiert?

Essen als menschliches Grundbedürfnis dürfte den meisten so selbstverständlich erscheinen wie jeder Sonnenaufgang. Das haben wir seit Generationen erlernt, immer weitergegeben und verfeinert. Auf den ersten Blick hat dies auch bis heute meist gut funktioniert. Sollte man meinen…

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts tauchten jedoch Fragen und Zweifel um die gesunde Ernährung auf. Ein Grund dafür ist unser veränderter Lebensstil. Immer weniger Zeit und Aufmerksamkeit widmen wir dem Essen. Fastfood, fertige Produkte und die „To-go“-Mentalität beherrschen vielfach unseren Alltag. Selbst im Urlaub und in der Freizeit, wo wir uns Zeit nehmen könnten, kommt das Essen als Bestandteil der Alltagskultur häufig zu kurz.

So verwundert es nicht, dass wir immer mehr mit Ratgebern, Kochbüchern, TV-Sendungen und neuen Konzepten rund um das Essen überschüttet werden. Selbst an den Universitäten, Hochschulen und bei den wissenschaftlichen Gesellschaften stehen uns bereits zahlreiche Seminare zum Thema Ernährung und Gesundheit zur Verfügung, die sich nicht selten widersprechen. Fastendiät, Paleo-Diät, Low-Carb-Diät usw. Diese Begriffe sind immer wieder auf der Agenda der Zeitschriften und Morgenmagazine und lassen ihre Leser und Hörer verunsichert zurück.

Zur Unterstützung können selbstverständlich Vitamine, Mineralstoffe, wichtige Fettsäuren, Aminosäuren und viele sekundäre Pflanzenstoffe als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden. So stehen uns in Apotheken, Drogerien und per Internet zahlreiche Präparate zur Verfügung; Pharma- und Lebensmittelindustrie leisten hier zusätzlich gerne Hilfestellung. Doch ist damit alles gut?

Ich engagiere mich persönlich sehr dafür, dass die Ernährung wieder den richtigen Platz in unserer Alltagskultur einnimmt. Die Lösung könnte „maßgeschneidert“ heißen. Wem nutzt es, eine Diät zu propagieren, wenn wir nicht wissen, was in uns individuell bei dieser „Maßnahme“ tatsächlich passiert und was am Ende zu erwarten ist. Wir wissen, dass bei einer einseitigen Ernährung meistens mit Mangelerscheinungen zu rechnen ist. So kann eine Umstellung von glutenhaltigen Lebensmitteln wegen Allergie bzw. Unverträglichkeit auf ausschließlich Maisprodukte einen Niacin- (Vitamin B3) Mangel nach sich ziehen. Auf der anderen Seite kann jede überdosierte Supplementierung zu gesundheitlichen Risiken führen. Und ob der Inhalt der Kapsel, die wir uns „günstig“ aus dem Internet besorgen, immer dem entspricht, was auf der Packung steht, wissen wir auch nicht so genau. Spätestens bei Nichteintreten der erwarteten Wirkung, einer Nebenwirkung oder sogar Gegenwirkung, müssten wir nach den Ursachen fragen.

Die Antwort liegt sehr häufig in der Dosierung. In der Medizin ist es Standard, einen individuellen Bezugspunkt (Referenzgröße) bei Einleitung einer Therapie zu ermitteln und anschließend deren Wirkung zu messen. So individuell sollte auch bei Ernährungsempfehlungen vorgegangen werden. Denn wir sind zwar alle nach gleichem Muster anatomisch gebaut, funktionieren aber durchaus sehr unterschiedlich. Was für den Einen gut und bekömmlich ist, kann für den Anderen Überraschungen mit sich bringen. So ist es bei fast jeder Ernährungsempfehlung essenziell, die individuelle Ausgangslage zu ermitteln und die Wirkungen dosisabhängig zu analysieren und zu interpretieren. Und Ihr Labor hilft Ihnen bei der Frage, ob Sie individuell richtig dosiert haben.

Ihr
Dr. med. Christoph Milczynski


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