Klin Padiatr 2008; 220(2): 57-60
DOI: 10.1055/s-2007-984375
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Welchen Anteil haben ehemalige Frühgeborene an der Prävalenz von sonderpädagogischen Maßnahmen bei Schulkindern einer deutschen Großstadt (Frankfurt am Main)?

Impact of Preterm Infants of Less than 30 Weeks Gestation on the Prevalence of Special Education in School Beginners of a German City (Frankfurt/Main)R. L. Schlösser 1 , B. Krackardt 2 , J. Weber 2 , E. Lerman 2
  • 1Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main
  • 2Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. August 2007 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Ermittlung des Anteils von ehemaligen Frühgeborenen an sonderpädagogischem Förderbedarf und Evaluation ihrer Schulverläufe.

Methodik: Bei den Schuleingangsuntersuchungen aller Frankfurter Kinder der Jahrgänge 2002 und 2003 wurden aufgrund der Eintragungen im Gelben Untersuchungsheft diejenigen identifiziert, die mit weniger als 30 Schwangerschaftswochen p. m. geboren waren. Vor jeder Untersuchung erfolgten eine ausführliche Anamnese mit den Erziehungsberechtigten sowie die Einsicht in die vorliegenden Arztberichte. Risikofaktoren (höhergradige Hirnblutung, Leukomalazie, Retinopathie) wurden evaluiert. Anhand einer standardisierten Untersuchung wurde der Bedarf eines sonderpädagogischen Förderbedarfs festgestellt. Im 3. und 4. Schuljahr wurden die Schulen der Kinder und die Familien telefonisch kontaktiert und die momentanen Schulsituationen erfragt.

Ergebnisse: In den Jahren 2002 und 2003 wurden in der Stadt Frankfurt am Main insgesamt 10.743 Kinder eingeschult. 30 von ihnen waren ehemalige Frühgeborene unterhalb eines Gestationsalters von 30 Wochen p. m. (2,8 von 1000/Jahr), die in der Neonatalzeit in verschiedenen Kliniken der Region behandelt worden waren. Bei 11 Kindern wurde eine sonderpädagogische Überprüfung durchgeführt und 9 wurden danach sonderpädagogisch gefördert. Weitere 2 Kinder wechselten im Laufe der ersten drei Schuljahre in Einrichtungen mit sonderpädagogischer Förderung. Von 18 Kindern, die bei ihrer Entlassung von der Neonatologischen Intensivstation keine besondere Risikofaktoren hatten, wurden 15 in einer Regelschule ohne weitere Förderung unterrichtet, während dies nur für 6 von 12 Kindern zutraf, die bei Entlassung eine besondere Morbidität aufwiesen.

Schlussfolgerung: An der Gesamtzahl der Schüler einer Stadt machten Frühgeborene einen geringen Anteil aus. Zwei Drittel dieser Kinder besuchte am Ende ihrer Grundschulzeit ohne weitere Förderung eine Regelschule. Risikofaktoren, die am Ende der Neonatalzeit diagnostiziert waren, hatten einen eingeschränkten prognostischen Wert.

Abstract

Background: To compare infants, who were born prematurely, with all school beginners in a German city in terms of the need for special education over a 2 year period, and to evaluate the educational outcome of infants at age 6-7 years.

Methods: Children, who were born premature with a gestational age of less than 30 weeks, were identified with the help of their personal health records (Gelbes Untersuchungsheft) among all school beginners of the years 2002 and 2003 in the city of Frankfurt/Main. Neonatal risk factors (intracranial bleeding, periventricular leucomalacia, retinopathy) were registered. All families and teachers of the identified children were contacted by telephone in 2005, and interviewed concerning the present school situation.

Results: In 2002 and 2003 a total of 10.743 children began school. 30 of them were identified as former premature infants (2.8 per 1000/year). They were treated after birth in various neonatal centres of the region. 11 of 30 infants were examined for a possible need for special education, and the others entered a regular school without any examination. 9 out of the 11 children were admitted to special schools, and in 2005 a further two children had special education. 18 children had a confirmed impairment as risk factor at discharge from neonatal unit, and 15 out of them were attending regular schools. In contrast, 6 out of 12 children with confirmed impairments could go to regular schools.

Conclusions: The relative risk of need for special education in former premature born children was 30% whereas it was in whole population 10%. Ca. 70% of children, who were born with a gestational age less than 30 weeks, could attend normal school without any special education. Impairments, which were confirmed at the end of neonatal period, were of minor prognostic value for school outcome.

Literatur

Korrespondenzadresse

PD Dr. med R. L. Schlösser

Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main

Theodor-Stern-Kai 7

60590 Frankfurt am Main

Telefon: +49/69/63015120

Fax: +49/69/63016763

eMail: Rolf.Schloesser@kgu.de

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