Fortschr Neurol Psychiatr 2007; 75(10): 617-630
DOI: 10.1055/s-2007-959178
Fort- und Weiterbildung
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Biologische Behandlung akuter depressiver Episoden

Biological Treatment of Acute Depressive EpisodesM.  Schmauß1 , T.  Messer1
  • 1Bezirkskrankenhaus Augsburg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
04. Oktober 2007 (online)

Einleitung

Die Kenntnis der Behandlungsmöglichkeiten depressiver Erkrankungen ist für jeden Arzt von außerordentlicher Bedeutung. Der in den folgenden Ausführungen dargestellte hohe Stellenwert der Antidepressiva in der Therapie depressiver Erkrankungen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Antidepressiva nur einen Therapiepfeiler in der Behandlung depressiver Störungen darstellen. Zwei weitere gehören dazu: Psychotherapeutische und sozialpsychiatrische Maßnahmen unterschiedlichen Differenzierungs- und Intensitätsgrades, je nach den speziellen Gegebenheiten der depressiven Störung [1].

Hierunter sind auf jeden Fall die Erstellung eines Behandlungsplanes, Aufbau und Aufrechterhaltung einer therapeutischen Beziehung und die Überprüfung der Diagnose, des psychischen Befundes - einschließlich des Suizidrisikos - sowie des Behandlungserfolges zu subsumieren. Auch das Monitoring des Allgemeinzustandes einschließlich möglicher internistischer Probleme, der unerwünschten Arzneimittelwirkungen der antidepressiven Therapie sowie die Verbesserung der Behandlungscompliance durch Aufklärung von Patienten und seinen Angehörigen ist erforderlich [2]. Behandlungsziel jeder akuten depressiven Episode ist die vollständige Remission der Symptomatik [1] [3]. Eine erfolgreiche Behandlung mit Antidepressiva setzt die Information des Patienten und seiner Angehörigen über die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen, die Wirklatenz der Antidepressiva, die unerwünschten Arzneimittelwirkungen und deren Behandlungsmöglichkeiten sowie den zu erwartenden Behandlungsverlauf voraus.

Behandlungsziel jeder akuten depressiven Episode ist die vollständige Remission der Symptomatik.

Für die Akutbehandlung depressiver Störungen wurde in den vergangenen 50 Jahren eine Vielzahl vergleichbar wirksamer Antidepressiva entwickelt. Sie stellen neben der Elektrokonvulsionstherapie das bisher wirksamste und am besten belegte Therapieverfahren dar. So lässt sich auch in einer Metaanalyse die depressive Symptomatik durch eine antidepressive Behandlung innerhalb von vier bis acht Wochen wirksamer reduzieren als durch Gabe von Plazebo (Level A) (Übersicht bei [4]).

Neben den klassischen trizyklischen Antidepressiva (TCA) stehen uns heute Antidepressiva der zweiten Generation (Mianserin, Maprotilin, Trazodon) und der dritten Generation wie die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, wie Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin) und andere neue Substanzen mit unterschiedlichem Wirkprinzip (Mirtazapin, Duloxetin und Venlafaxin als Repräsentanten der SSNRI, Reboxetin als Repräsentant der NARI, Moclobemid als Repräsentant der RIMA) zur Verfügung. Die Wirksamkeit insbesondere der Antidepressiva der dritten Generation im Vergleich zu Plazebo und den Trizyklika ist gut untersucht und größtenteils mit ausreichend hoher statistischer Aussagekraft belegt (Übersicht bei [4]) und wird auch durch eine Cochrane-Metaanalyse unterstrichen [5]; dabei scheinen sie klassischen TCA nicht unterlegen (Level A) [6] [7]. Antidepressiva der zweiten und dritten Generation werden häufig wegen ihrer meist besseren Verträglichkeit in der ambulanten, zunehmend aber auch als Mittel der ersten Wahl in der stationären Therapie depressiver Syndrome eingesetzt [2].

Die Wirksamkeit der Antidepressiva der 3. Generation ist im Vergleich zu Plazebo und den Trizyklika gut untersucht und mit ausreichend hoher statistischer Aussagekraft belegt.

Literatur

Prof. Dr. med. Max Schmauß

Bezirkskrankenhaus Augsburg

Dr.-Mack-Straße 1

86156 Augsburg

eMail: m.schmauss@bkh-augsburg.de