Dtsch med Wochenschr 2005; 130(51/52): 2940-2946
DOI: 10.1055/s-2005-923332
Weihnachtsheft

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Geruch und Riechen - oder: Was sagt uns ein Olf?

Odour and smelling - or: what is the meaning of an olf?R. Jütte1
  • 1Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart
Further Information

Publication History

Publication Date:
15 December 2005 (online)

Zu den unbekanntesten Maßeinheiten im Alltag gehört das Olf. Abgeleitet von lat. olfactus ( = Geruchssinn) ist ein Olf als die Geruchsquellstärke definiert, die jeder Mensch mit normal arbeitenden Schweißdrüsen bei leichter sitzender Tätigkeit, täglich wechselnder Unterwäsche und 0,7 Duschen pro Tag von sich gibt. Die Geruchsstärke wird von Testpersonen ermittelt, die die Geruchsintensität einer bestimmten Geruchsquelle im Vergleich mit genormten Geruchsquellen bestimmen. Die Maßeinheit sagt also nichts über die Qualität des Duftes aus. Sie misst nur die Intensität seines Auftretens. So hat ein 12-jähriges Kind beim Spielen zwei Olf, duftet also zwei Mal so stark wie der Durchschnitts-Deutsche. Ein Athlet emittiert nach dem Sport 30 Olf, und bei einem starken Raucher misst man immerhin 25 Olf. Es handelt sich - nebenbei bemerkt - um eine moderne Maßeinheit, denn die wissenschaftliche Erforschung des Riechens setzte erst im 19. Jahrhundert ein (Tab. [1]).

Literatur

  • 1 Zitiert nach Wenzel, Horst: Hören und Sehen, Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter. München: C. H. Beck 1995: 177
  • 2 Classen, Constance. Worlds of Sense. Exploring the senses in history and across cultures. London, New York 1993: 35
  • 3 Cloquet, Hippolyt. Ophrasiologie oder Lehre von den Gerüchen, von dem Geruchssinne und den Geruchsorganen und von deren Krankheiten. Weimar: Landesindustrie-Comptoir 1824: 79
  • 4 Zitiert nach Kaufmann, Elisabet: Gustav Jaeger 1832 - 1917. Arzt, Zoologe und Hygieniker. Zürich: Juris 1984: 31
  • 5 Zitiert nach ebenda,. 31
  • 6 Zitiert nach Weinreich, Heinrich: Duftstofftheorie. Gustav Jaeger (1832 - 1917). Vom Biologen zum „Seelenriecher”. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1993: 196
  • 7 Zitiert nach Illi, Martin: Von der Schîssgruob zur modernen Stadtentwässerung. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 1987: 76
  • 8 http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/66 422/)
  • 9 Corbin, Alain. Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs. Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch 1988
  • 10 Zitiert nach Stolberg, Michael: Ein Recht auf saubere Luft? Umweltkonflikte am Beginn des Industriezeitalters. Erlangen: Fischer 1994: 23
  • 11 Zitiert nach Rodenstein, Marianne: „Mehr Licht, mehr Luft”. Gesundheitskonzepte im Städtebau seit 1750. Frankfurt/M., New York: Campus Verlag 1988: 103
  • 12 Niemeyer, Paul. Aerztliche Sprechstunden. Gesundheitslehre für Jedermann. Bd. 1 Jena: Costenoble 1878: 189
  • 13 Zitiert nach Jütte, Robert: Geschichte der Sinne. Von der Antike bis zum Cyberspace. München: C. H. Beck 2000: 228
  • 14 Le Guérer, Annick. Die Macht der Gerüche. Eine Philosophie der Nase. Aus dem Französischen von Wolfgang Krege. Stuttgart: Klett-Cotta 1992: 256
  • 15 Zitiert nach Wey, Klaus-Georg: Umweltpolitik in Deutschland. Kurze Geschichte des Umweltschutzes in Deutschland seit 1900. Opladen: Westdeutscher Verlag 1982: 115
  • 16 Zitiert nach ebenda 50-115
  • 17 Zitiert nach ebenda 99
  • 18 Klenke, Dietmar. Bundesdeutsche Verkehrspolitik und Umwelt. Von der Motorisierungseuphorie zur ökologischen Katerstimmung. Göttingen:Vandenhoek & Ruprecht In: Umweltgeschichte. Umweltverträgliches Wirtschaften in historischer Perspektive, hrsg. von Werner Abelshauser 1994: 163-189 hier: S. 184.
  • 19 Payer, Peter. Der Gestank von Wien. Über Kanalgase, Totendünste und andere üble Geruchskulissen. Wien: Döcker 1997: 13
  • 20 Bönsch, Julia Maria. Schlechter Olf, schlechte Arbeit. Manager-Magazin 3.2.2004 2004
  • 21 Online-Vorabveröffentlichung doi:10.1016/j.biopsycho.2005.07.001
  • 22 Vgl. Kutzelnigg, Artur: Die Verarmung des Geruchswortschatzes seit dem Mittelalter. Muttersprache 1983/84 94: 328-346

Prof. Dr. Robert Jütte

Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung

Straussweg 17

70184 Stuttgart