Dtsch med Wochenschr 2005; 130(22): 1381-1384
DOI: 10.1055/s-2005-868738
Aktuelle Diagnostik & Therapie
Hämatologie/Onkologie / Infektiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Aktuelle Therapie invasiver Mykosen in der Hämatologie und Onkologie

Update on antifungal therapy in hematology and oncologyG. Maschmeyer1 , A. Haas1 , A. Böhme2
  • 1Medizinische Klinik, Hämatologie und Onkologie, Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam
  • 2Medizinische Klinik III, Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie, Infektiologie, Universitätsklinikum Frankfurt/Main
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Publication History

eingereicht: 1.3.2005

akzeptiert: 28.4.2005

Publication Date:
25 May 2005 (online)

Epidemiologie und Risikofaktoren

Je nach lokaler Epidemiologie beträgt die Inzidenz invasiver Aspergillosen beispielsweise nach allogener Stammzelltransplantation bis 11 %, bei akuter Leukämie bis 24 % [4] [15-17]. Die Sterblichkeitsraten liegen bei 60 %, bei manchen Patientengruppen je nach Ausmaß der Aspergillose und Art der Grunderkrankung über 85 % [13]. Bei Patienten unter allogener Stammzelltransplantation ist die Inzidenz invasiver Aspergillosen sowie auch der Zygomykosen in den letzten 10 Jahren signifikant angestiegen [15]. Risikofaktoren sind z. B. eine chronische Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD), lang dauernde Immunsuppression und die Reaktivierung einer Zytomegalievirus-Infektion [15] [17] [21]. Der Anstieg von Zygomykosen (vor allem Rhizopus, Mucor, Cunninghamella und Rhizomucor) ist durch die Zunahme immunsupprimierter Patienten und durch deren längere Überlebenszeiten sowie die Verbesserung der mykologischen Diagnostik und die breite Einführung von Azol-Antimykotika mit hoher Effektivität gegen Candida albicans bedingt [16] [18] [27]. Zygomyceten sind gegen einige bei invasiver Aspergillose eingesetztes Antimykotika wie Voriconazol oder Caspofungin resistent [29]. Die Letalität bei Patienten mit invasiven Candidosen liegt bei 40 - 75 %, wobei die Schwere der Grunderkrankung, gemessen beispielsweise am APACHE-II-Score, der entscheidende Faktor für die Todesrate ist [25] [19]. Der am häufigsten nachgewiesene Erreger invasiver Candida-Infektionen ist Candida albicans, allerdings wurde in den letzten Jahren eine Verschiebung des Erregerspektrums hin zu so genannten Nicht-Candida-albicans-Species beschrieben.

Es sind zahlreiche Faktoren bekannt, die das Risiko einer invasiven Pilzinfektion erhöhen (Tab. [1]). In der klinischen Realität treten viele dieser Risikofaktoren bei Patienten mit malignen Erkrankungen, nach Organ- oder nach allogener Stammzelltransplantation in vielfachen Kombinationen auf.

Tab. 1 Faktoren, die das Risiko einer invasiven Pilzinfektion erhöhen. Neutropenie < 500/µl von mehr als 10 Tagen Therapie mit Glukokortikoiden und anderen Immunsuppressiva Gabe von Breitspektrumantibiotika Hämatologische Neoplasie als Grunderkrankung Nicht in Remission befindliche maligne Erkrankung Bereits früher durchgemachte invasive Mykose Zentralvenöser Katheter Ganzkörperbestrahlung Allogene Stammzelltransplantation, insbesondere mit T-Zell-Depletion mit aktiver Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD) mit Reaktivierung einer Zytomegalievirus-Infektion

kurzgefasst: Invasive Pilzinfektionen nehmen in ihrer Häufigkeit zu. Die Sterblichkeit bei Aspergillosen und Zygomykosen bei immunsupprimierten Patienten steigt weiter an.

Literatur

Prof. Dr. med. Georg Maschmeyer

Medizinische Klinik, Hämatologie und Onkologie, Klinikum Ernst von Bergmann

Charlottenstraße 72

14467 Potsdam

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