Dtsch med Wochenschr 2005; 130(22): 1377-1380
DOI: 10.1055/s-2005-868737
Aktuelle Diagnostik & Therapie
Infektiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Labor-Diagnostik der Pneumocystis-Pneumonie - neue Entwicklungen

Laboratory diagnostics for Pneumocystis pneumonia - new aspectsD. Riebold1 , C. Fritzsche1 , M. Lademann1 , E. C. Reisinger1
  • 1Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten, Klinik für Innere Medizin, Universität Rostock
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Publication History

eingereicht: 7.3.2005

akzeptiert: 12.5.2005

Publication Date:
25 May 2005 (online)

Als Erreger schwerer Pneumonien mit interstitiellen Infiltraten, Dyspnoe, trockenem Husten, LDH- und Neopterin-Erhöhung spielt Pneumocystis sp. vor allem bei immunsupprimierten Patienten (HIV, Malignome, Transplantation) eine Rolle [16]. An einer Pneumocystis-Pneumonie (PCP) erkranken 17,8 % der AIDS-Patienten in Westeuropa und bis zu 45 % der HIV-infizierten in den USA sowie 5 - 25 % der Transplantierten und 1 - 25 % der Malignompatienten in den USA [9] [14]. In Einzelfällen wurde eine PCP auch bei Patienten nach Vergiftungen durch Inhalation von Insektiziden, bei Patienten mit Sichelzell-Krise, CMV, Sarkoidose oder IgG-2 Subklassen-Mangel nachgewiesen [6]. Kürzlich konnten wir eine PCP bei einem alkohol-abhängigen Patienten diagnostizieren, der nach einem chirurgischen Eingriff beatmet wurde [13]. P. jirovecii kommt aber auch bei bis zu 69 % der HIV-infizierten und 18 % der HIV-negativen Personen als Kommensale vor, ohne klinische Symptome zu verursachen [8] [9]. Ob diese Besiedlung bei immunsupprimierten Patienten zu einem erhöhten PCP-Risiko führt, ist bisher ungeklärt [9].

Pneumocystis sp. kommt weltweit vor und wurde außer beim Menschen auch bei vielen Säugetier-Spezies nachgewiesen. Die humanpathogene Art Pneumocystis carinii f. sp. hominis wurde 2002 in Pneumocystis jirovecii umbenannt, um sie von den tierpathogenen P.-carinii-Spezies abzugrenzen [17]. Eine Infektion oder Besiedlung von Menschen mit tierpathogenen Pneumocystis sp. wurde bisher nicht nachgewiesen.

Die Übertragung erfolgt über Schmier- und Tröpfcheninfektion. Nosokomiale PCP-Fälle, die von einem an PCP Erkrankten auf AIDS-Patienten und auf Knochenmarktransplantierte übertragen wurden, konnten durch Stammtypisierung nachgewiesen werden. Daher wird empfohlen, den Kontakt von Immunsupprimierten mit PCP-Patienten zu minimieren [12]. Die hohe Antikörper-Prävalenz in der Bevölkerung von bis zu 90 % deutet zudem auf einen frühen Kontakt mit dem Erreger im Kindes- und Jugendalter hin.

Mutationen im Dihydropteroat-Synthase(DHPS)-Gen von P. jirovecii, die für eine Resistenz gegen Sulfamethoxazol und andere Sulfonamide sprechen, wurden erstmalig 1994 beschrieben und konnten bei 19 bis 86 % der HIV-Patienten mit PCP oder vorausgegangener PCP-Prophylaxe nachgewiesen werden (Abb. [1]) [2] [10]. Bei PCP-Patienten ohne Co-trimoxazol (Trimethoprim-Sulfamethoxazol)-Prophylaxe treten DHPS-Mutationen nur in 29,7 % auf [10].

Abb. 1 Sulfamethoxazol-Resistenz-Mutationen von P. jirovecii bei HIV-positiven Patienten mit PCP (I = Italien, F = Frankreich, DK = Dänemark, J = Japan).

Im Folgenden werden die aktuellen Entwicklungen in der Pneumocystis-Diagnostik vorgestellt, die einen sensitiven und spezifischen Nachweis des Erregers in den verschiedenen Untersuchungsmaterialien ermöglichen (weitere Informationen und Einsendescheine zur Pneumocystis-Diagnostik finden sich unter www.tropen.med.uni-rostock.de).

kurzgefasst: Pneumocystis jirovecii (vormals „carinii”) kommt weltweit vor. Die Antikörper-Prävalenz in der Bevölkerung beträgt bis zu 90 %. Die Pneumocystis-Pneumonie ist vor allem bei Immunsupprimierten zu finden.

Literatur

Prof. Dr. E. C. Reisinger

Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten, Klinik für Innere Medizin der Universität Rostock

Ernst-Heydemann-Straße 6

18057 Rostock

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