Dtsch med Wochenschr 2004; 129(24): 1381-1384
DOI: 10.1055/s-2004-826878
Aktuelle Diagnostik & Therapie
Gastroenterologie / Pädiatrie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Hyperammonämie: Ursachen, Diagnostik, Therapie

Teil 1: Diagnostik, Biochemie und PathophysiologieHyperammonemia: pathogenesis, diagnosis and therapyJ. Häberle1 , H. G. Koch1
  • 1Universitätsklinikum Münster, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Münster
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Publication History

eingereicht: 12.8.2003

akzeptiert: 29.1.2004

Publication Date:
21 July 2004 (online)

Hyperammonämie ist ein laborchemisches Leitsymptom für eine Vielzahl angeborener Stoffwechselerkrankungen und ein Surrogatmarker für die hepatische Enzephalopathie. Die klinische Symptomatik präsentiert sich besonders im Kindesalter oft als Stoffwechselentgleisung bis zum Koma und kann zum Tod des Patienten oder zu ausgeprägten neurologischen Residualschäden führen. Die Therapie ist in der Regel symptomatisch und adjuvant, nur in Ausnahmefällen kausal.

Die Ursachen der Hyperammonämie sind altersabhängig unterschiedlich. Einer Hyperammonämie im Kindesalter liegen vor allem angeborene Stoffwechselerkrankungen zugrunde. Diese können sowohl in den ersten Tagen nach der Geburt als auch in jedem späteren Lebensabschnitt manifest werden. Im Erwachsenenalter sind vorrangig schwere Lebererkrankungen ursächlich, insbesondere ein Ausfall der Leberfunktion alkoholtoxischer oder infektiöser Genese. Daneben können in jedem Lebensalter eine Reihe erworbener Erkrankungen sowie Medikamente Auslöser einer hyperammonämen Krise sein (Tab. [1]).

Tab. 1 Ursachen einer Hyperammonämie im Kindes- und Erwachsenenalter. Kindesalter MIM Harnstoffzyklusdefekte - N-Acetylglutamat Synthase (NAGS) 237 310 - Carbamylphosphat-Synthetase 1 (CPS1) 237 300 - Ornithintranscarbamylase (OTC) 311 250 - Argininosuccinat Synthetase (ASS) 215 700 - Argininosuccinat Lyase (ASL) 207 900 - Arginase (AR) 207 800 Hyperammonämie-Hyperornithinämie-Homocitrullin- urie Syndrom 238 970, 603 861 Lysinurische Proteinintoleranz 222 700, 603 593 Transiente Hyperammonämie des Frühgeborenen Aminosäuren-Stoffwechseldefekte - Ahornsirupkrankheit 248 600, 248 611, 248 610 - Tyrosinämie Typ I 276 700 Organoazidopathien - Propionazidämie 232 000, 232 050 - Methylmalonazidämie 251 000 - Isovalerianazidämie 243 500 - 3-Methyl-Crotonylglyzinurie 210 200 Energiestoffwechselstörungen - Pyruvatcarboxylase-Defekt 266 150 - Pyruvatdehydrogenase-Defekte 312 170, 179 060, 245 348 Atmungskettendefekte 252 010, 252 011, 220 110 Fettsäurenoxidationsstörungen - mittel-kettiger Acyl-CoA-Dehydrogenasemangel 201 450 - kurz-kettiger Acyl-CoA-Dehydrogenasemangel 201 470 - lang-kettiger Acyl-CoA-Dehydrogenasemangel 600 890, 143 450, 201 475 Carnitinstoffwechselstörungen 212 140, 255 120, 212 138 Galaktosämie 230 400 Glutamatdehydrogenase-Mangel 138 130 (konnatale) Hepatitis Reye-Syndrom α1-Antitrypsin-Mangel 107 400 Iatrogen Erwachsenenalter Leberzirrhose Leberausfall unterschiedlicher Genese Citrullinämie Typ II (Citrin - Mangel) 603 471 Gastrointestinale Blutung Portocavaler/Portosystemischer Shunt, angeboren oder erworben 601 466 Hämangiome der Pfortader Harnstoffzyklusdefekte, besonders OTC-Mangel bei Frauen 311 250 Neurogene Blasenentleerungsstörung Iatrogen Aktuelle Informationen zu Klinik und Grundlagen angeborener Erkrankungen sind unter den angegebenen Nummern (MIM-Mendelian Inheritance in Men) abrufbar (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db = OMIM)

Teil 1 dieses Beitrags bietet einen Überblick über die Diagnostik bei Hyperammonämie sowie über Grundlagen des Metabolismus von Ammoniak. In Teil 2 werden die häufigsten für eine Hyperammonämie ursächlichen Erkrankungen und die Grundzüge der Therapie vorgestellt.

Literatur

Dr. med. Johannes Häberle

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