Dtsch Med Wochenschr 2003; 128: 81-83
DOI: 10.1055/s-2003-40143
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Neuroendokrine Tumoren des Gastrointestinaltrakts: Diagnostik und Therapie

Neuroendocrine gastrointestinal tumors - diagnosis and therapyH. Scherübl1 , S. Faiss1 , M. Zeitz1
  • 1Medizinische Klinik I, Gastroenterologie, Infektiologie, Rheumatologie, Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Freie Universität Berlin
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eingereicht: 16.1.2003

akzeptiert: 25.4.2003

Publication Date:
20 June 2003 (online)

Neuroendokrine gastrointestinale Tumoren sind selten. „Karzinoide” im Gastrointestinaltrakt treten mit einer Inzidenz von 1-1,5/100 000 und neuroendokrine Pankreastumore mit einer Inzidenz von 0,5/100 000 auf [11]. Die große Mehrzahl der „Karzinoide” und der neuroendokrinen Pankreastumore sind nicht-funktionell, d. h. sie gehen nicht mit einem klinischen Hypersekretionssyndrom einher. Sie werden diagnostiziert im fortgeschrittenen Stadium aufgrund abdomineller Beschwerden, z. T. in Form eines akuten Abdomens oder tumorbedingter Allgemeinsymptome, oder in einem frühen lokalisierten Tumorstadium, meist als „Zufallsbefund” wie z. B. Appendix- oder Rektumkarzinoid. Die restlichen neuroendokrinen Tumore sind funktionell aktiv, d. h. sie sezernieren exzessiv Hormone, Neuropeptide und/oder Neurotransmitter, die charakteristische klinische Syndrome verursachen wie z. B. das Zollinger-Ellison-Syndrom beim Gastrinom oder das rezidivierende Hypoglykämiesyndrom beim Insulinom (Tab. [1]). Eine Einteilung der neuroendokrinen Tumore nach der Lokalisation des Primärtumors ist zwar z. T. prognostisch bedeutsam, allerdings wird das biologische Verhalten überwiegend von seinem Differenzierungsgrad bestimmt. Dementsprechend werden nach Capella et al. [3] generell vier Gruppen von benignen neuroendokrinen Tumoren bis zum neuroendokrinen Karzinom unterschieden.

Tab. 1 Klinische Symptome und Syndrome funktioneller neuroendokriner Tumore des gastroenteropankreatischen Systems und entsprechende Labordiagnostik. Tumor/Syndrom Klinik/Symptomatik Labortest Insulinom Bewusstseinseinschränkungen, Sehstörungen, Nüchternhypo- glykämien Glukose, Insulin und Proinsulin i. S., Fastentest Gastrinom, Zollinger-Ellison-Syndrom (ZES) Rezidivierende peptische Ulzera Refluxkrankheit, sekretorische Diarrhoe, Maldigestion Gastrin i. S., Sekretin- stimulationstest VIPom, Verner-Morrison-oder WDHA-Syndrom WDHA-Syndrom: exzessive sekretorische Diarrhoe, Exsikkose, Hypo- oder Achlorhydrie, Hypokaliämie Vasoaktives intestinales Polypeptid i. S. Glukagonom Dermatitis (nekrolytisches migrierendes Erythem), Glukoseintoleranz bzw. Diabetes mellitus, Gewichtsverlust Glukagon i. P., Glukose i. S. Karzinoid- syndrom Flush, sekretorische Diarrhoe, Endokardfibrose des rechten Herzens, Bronchokonstriktion 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIES) im Sammelurin

Beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate (5-J-ÜLR) bei lokal fortgeschrittener Erkrankung noch 75 %, so sinkt sie bei metastasierter Erkrankung auf 18 %, 30 % bzw. 19 % bei neuroendokrinen Vorderdarm-, Mitteldarm (vom Treitzschen Band bis mittleres Kolon)- bzw. Hinterdarmtumoren ab. Die beste Prognose haben ein lokal begrenzter neuroendokriner Tumor der Appendix mit einer 5-J-ÜLR von 94 % und Tumoren des Rektums (5-J-ÜLR von 81 %). Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas beträgt die 5-Jahres-ÜLR dagegen nur 34 % [7].

Literatur

Priv.-Doz. Dr. H. Scherübl

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