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DOI: 10.1055/s-0045-1808201
Effekte des Krafttrainings auf die Grobmotorik und die Kraftfähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit Zerebralparese. Ein systematisches Review.
Einleitung Etwa zwei von 1000 Neugeborenen in Industrieländern betrifft eine Zerebralparese (CP), eine komplexe Bewegungsstörung mit vielfältigen Ursachen [3]. Diese Störung beeinflusst die motorischen, sensorischen und kommunikativen Aspekte sowie das Verhalten von Kindern. Die spastische Form ist am weitesten verbreitet, welche durch gesteigerte Sehnenreflexe, Lähmungen und Kraftverlust gekennzeichnet ist [2] [4]. Betroffene Kinder erfahren fortschreitende Beeinträchtigungen in Mobilität, Haltungskontrolle, Kondition, Muskelkraft und funktionellen Fähigkeiten. Die Muskelkraft auf der hemiparetischen Seite kann um 70 bis 80 Prozent im Vergleich zur gegenüberliegenden Seite reduziert sein, weshalb frühzeitige Therapie von großer Bedeutung ist [1].
Material und Methodik Die Literatursuche wurde im Zeitraum vom 11.04.2023 bis 23.06.2023 in PubMed und Cochrane Library durchgeführt. Es wurden RCTs mit Kindern und Jugendlichen im Alter von null bis 20 Jahren mit diagnostizierter CP eingeschlossen. Dabei wurden Krafttraining-Interventionen eingeschlossen, bei welchen die Effekte auf die Grobmotorik anhand des GMFM und die Muskelkraft beurteilt wurden. Erfasst wurden allgemeine Studiencharakteristika, umfassende Informationen zu den Interventionen und den Ergebnismessungen. Neun Studien von 2003 bis 2022 wurden in die Übersicht integriert.
Ergebnisse Die systematische Analyse offenbarte bei fünf von neun einbezogenen Studien signifikante Unterschiede. Die methodische Bewertung reichte von "mittel" bis "gut" gemäß PEDro. Die ermittelten Effektgrößen nach Cohen variierten stark von "klein" über "mittel" bis "groß", was klare Schlussfolgerungen hinsichtlich der Grobmotorik erschwert. Im Kontrast dazu zeigten sieben von neun Studien statistische Signifikanz in Bezug auf Kraftveränderungen. Diese Studien wurden als qualitativ "gut" eingestuft und wiesen "mittelstarke" bis "starke" Effektgrößen auf. Dadurch wurde der positive Effekt von Krafttraining auf Muskelkraft bestätigt.
Zusammenfassung Es konnten Hinweise auf signifikante Effekte des Krafttrainings auf die Kraftfähigkeiten gefunden werden. Es bedarf jedoch weiterer Bemühungen, um die Effektivität des Krafttrainings bei Zerebralparese (CP) nachzuweisen. Dabei sollten sämtliche Aspekte des ICF-Schemas in Betracht gezogen werden.
Publication History
Article published online:
21 May 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Döderlein L.. Infantile Zerebralparese- Diagnostik, konservative und operative Therapie (1. Aufl.). Dresden: Steinkopff Verlag; 2007
- 2 Meythaler J., Guin-Renfroe S., Law C., Grabb P., Hadley M.. Continuously infused intrathecal Baclofen over 12 months for spastic hypertonia in adolescents and adults with cerebral palsy. Archives of physical medicine and rehabilitation 2001; 82: 155-161
- 3 Oskoui M., Coutinho F., Dykeman J., Jetté N., Pringsheim T.. An update on the prevalence of cerebral palsy: a systematic review and meta-analysis. Developmental medicine and child neurology 2013; 55: 509-519
- 4 Schröder A., Bonfert M., Heinen F.. Zerebralparesen. In Reinhardt, D., Nicolai, T., Zimmer, K. Hrsg., Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Berlin, Heidelberg: Springer; 2014. 1191-1196