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DOI: 10.1055/s-0045-1808179
Stellenausschreibungen in der Physiotherapie – Welchen Einfluss hat die Akademisierung?
Einleitung Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist allgegenwärtig. Derzeit treffen 3,5 offene Stellen auf eine*n arbeitssuchende*n Physiotherapeut*in [1]. Um den aktuellen Gegebenheiten und den wachsenden Anforderungen an Therapeut*innen entgegen zu wirken, ist es dringend notwendig qualifizierte, und somit akademisierte Fachkräfte auszubilden [2]. Bei einer aktuellen Akademisierungsquote in der Physiotherapie von 15,9% [3] ist es für Arbeitgeber*innen besonders interessant, welche Faktoren beeinflussen und inwiefern sich qualifizierte Physiotherapeut*innen auf eine Stellenanzeige bewerben.
Daher ist es das Ziel dieser Studie herauszufinden, ob sich die Kriterien an ein Arbeitsverhältnis zwischen akademisierten und nicht akademisierten Physiotherapeut*innen unterscheidet.
Material und Methodik Es wurde eine digitale quantitative Querschnitts-Befragung an N=73 Physiotherapeut*innen (akademisiert: 44,2%; weiblich 76,3%; männlich 23,7%; M=25,1 Jahre) durchgeführt. Zusätzlich enthielt die Befragung einen randomisiert experimentellen Teil. Die Befragung orientierte sich an dem standardisierten Befragungsinstrument „Perzipierte Tätigkeitsmerkmale“ [4]. Statistisch wurden ANOVAs und t-Tests ausgewertet.
Ergebnisse Es konnte herausgefunden werden, dass akademisierten Physiotherapeut*innen das Kriterium „Entscheidungsspielraum“ bei der Bewertung einer Stellenausschreibung tendenziell als wichtiger empfinden, als nicht akademisierte Physiotherapeut*innen. Beide Gruppen würden sich jedoch eher auf eine Stellenausschreibung mit höherem Entscheidungsspielraum bewerben als auf eine mit niedrigem. Allerdings erwarten die akademisierten Physiotherapeut*innen eher eine positive Rückmeldung auf eine Bewerbung auf besagte Stelle mit hohem Entscheidungsspielraum als nicht Akademisierte.
Zusammenfassung Es konnte gezeigt werden, dass Physiotherapeut*innen bei der Auswahl von zukünftigen Stellen vor allem das Kriterium „Entscheidungsspielraum“ besonders wichtig ist. Durch die Studie werden zudem Unterschiede zwischen akademisierten und nicht – akademisierten Physiotherapeut*innen sichtbar, die gerade in Zeiten des Fachkräftemangels in Gesundheitsfachberufen in Bereichen des Recruiting zu berücksichtigen wären.
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
21. Mai 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e.V.). Fachkräftemangel: keine Besserung in Sicht (04.03.2020). Zugriff am 01.07.2024 unter: https://ifk.de/artikel/fachkraeftemangel-keine-besserung-sicht
- 2 Ärzteblatt. Wissenschaftsrat für stärkere Akademisierung der Gesundheitsfachberufe (23.10.2023). Zugriff am 01.07.2024 unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/146808/Wissenschaftsrat-fuer-staerkere-Akademisierung-der-Gesundheitsfachberufe
- 3 Wissenschaftsrat. Perspektiven für die Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe | Wissenschaftliche Potenziale für die Gesundheitsversorgung erkennen und nutzen. Köln: Wissenschaftsrat; 2023.
- 4 Benninghaus H.. Substantielle Komplexität der Arbeit als zentrale Dimension der Jobstruktur. Zeitschrift für Soziologie 1987; 16: 334-352