physioscience 2025; 21(S 01): S26
DOI: 10.1055/s-0045-1808155
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Motivational Interviewing als Instrument zur Förderung der Adhärenz in der Physiotherapie

A Lipovsky
1   Hochschule Fresenius, München, Germany
,
J Singhammer
1   Hochschule Fresenius, München, Germany
,
A Hagenberg
1   Hochschule Fresenius, München, Germany
› Author Affiliations
 

Einleitung Die Einhaltungsquote der physiotherapeutischen Übungen nach orthopädischen Operationen durch die Patient*innen liegt nur bei 64,3% [1]. Da die Einhaltung dieser Übungsprogramme jedoch nachweislich zu besseren Behandlungserfolgen führt [2], stellt diese relativ niedrige Zahl eine Belastung für Patient*innen und das Gesundheitssystem dar [3]. Gründe für mangelnde Therapietreue sind vielfältig, darunter psychische, physische und soziodemografische Faktoren [4]. Eine mögliche Lösung zur Überwindung dieser Barrieren und zur Erhöhung der Adhärenz bietet Motivational Interviewing (MI). Dieses Konzept ist ein kooperativer Gesprächsstil, der darauf abzielt, die eigene Motivation und das Engagement für Veränderung zu stärken [5]. Diese Arbeit untersucht die Frage: „Wie kann Motivational Interviewing in der Physiotherapie angewendet werden, um Non-Adhärenz bei Patient*innen zu adressieren?".

Material und Methodik Ein Scoping Review wurde auf PubMed, Scispace, Tripdatabase und Base durchgeführt. Es wurden sechs Studien über das PRISMA Flowchart eingeschlossen, darunter cohort studies (n=2), randomized pilot study (n=1), randomized proof-of-concept trial (n=1), small randomized trial (n=1) und randomized-controlled trial (n=1).

Ergebnisse Sowohl kurze, 15-minütige Interventionen als auch langfristige Interventionen über ein Jahr hinweg zeigen eine Zunahme der Adhärenz in verschiedenen, medizinischen Handlungskontexten. Eine Studie wurde aufgrund schlechter Qualität ausgeschlossen. Obwohl keine der Studien genauer auf die Barrieren oder das spezifische Vorgehen eingeht, basieren alle auf den Grundprinzipien von MI und den Attributen Motivation, Teilnahmeförderung, Veränderungsstrategien, langfristige Motivation und Rückfallprävention als gemeinsamen Nenner. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und unter Berücksichtigung des deutschen physiotherapeutischen Rahmens wurden insgesamt zehn Handlungsempfehlungen formuliert. Sechs davon beziehen sich auf einzelne Behandlungseinheiten, drei adressieren die individuellen Barrieren, und eine ist allgemeingültig.

Zusammenfassung MI hat sich in verschiedenen Interventionsgruppen und medizinischen Kontexten als wirksam erwiesen. Es wurden praktische Handlungsempfehlungen entwickelt. Um diese im Praxisalltag anwenden zu können und deren Effektivität zu überprüfen, ist eine Implementierung und Evaluierung unumgänglich.



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Article published online:
21 May 2025

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