Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0045-1808155
Motivational Interviewing als Instrument zur Förderung der Adhärenz in der Physiotherapie
Einleitung Die Einhaltungsquote der physiotherapeutischen Übungen nach orthopädischen Operationen durch die Patient*innen liegt nur bei 64,3% [1]. Da die Einhaltung dieser Übungsprogramme jedoch nachweislich zu besseren Behandlungserfolgen führt [2], stellt diese relativ niedrige Zahl eine Belastung für Patient*innen und das Gesundheitssystem dar [3]. Gründe für mangelnde Therapietreue sind vielfältig, darunter psychische, physische und soziodemografische Faktoren [4]. Eine mögliche Lösung zur Überwindung dieser Barrieren und zur Erhöhung der Adhärenz bietet Motivational Interviewing (MI). Dieses Konzept ist ein kooperativer Gesprächsstil, der darauf abzielt, die eigene Motivation und das Engagement für Veränderung zu stärken [5]. Diese Arbeit untersucht die Frage: „Wie kann Motivational Interviewing in der Physiotherapie angewendet werden, um Non-Adhärenz bei Patient*innen zu adressieren?".
Material und Methodik Ein Scoping Review wurde auf PubMed, Scispace, Tripdatabase und Base durchgeführt. Es wurden sechs Studien über das PRISMA Flowchart eingeschlossen, darunter cohort studies (n=2), randomized pilot study (n=1), randomized proof-of-concept trial (n=1), small randomized trial (n=1) und randomized-controlled trial (n=1).
Ergebnisse Sowohl kurze, 15-minütige Interventionen als auch langfristige Interventionen über ein Jahr hinweg zeigen eine Zunahme der Adhärenz in verschiedenen, medizinischen Handlungskontexten. Eine Studie wurde aufgrund schlechter Qualität ausgeschlossen. Obwohl keine der Studien genauer auf die Barrieren oder das spezifische Vorgehen eingeht, basieren alle auf den Grundprinzipien von MI und den Attributen Motivation, Teilnahmeförderung, Veränderungsstrategien, langfristige Motivation und Rückfallprävention als gemeinsamen Nenner. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und unter Berücksichtigung des deutschen physiotherapeutischen Rahmens wurden insgesamt zehn Handlungsempfehlungen formuliert. Sechs davon beziehen sich auf einzelne Behandlungseinheiten, drei adressieren die individuellen Barrieren, und eine ist allgemeingültig.
Zusammenfassung MI hat sich in verschiedenen Interventionsgruppen und medizinischen Kontexten als wirksam erwiesen. Es wurden praktische Handlungsempfehlungen entwickelt. Um diese im Praxisalltag anwenden zu können und deren Effektivität zu überprüfen, ist eine Implementierung und Evaluierung unumgänglich.
Publication History
Article published online:
21 May 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
-
Literatur
- 1 Kattan AE, AlHemsi HB, AlKhawashki AM. et al. Patient Compliance With Physical Therapy Following Orthopedic Surgery and Its Outcomes. Cureus 2023;
- 2 Vermeire E, Hearnshaw H, Van Royen P. et al. Patient adherence to treatment: three decades of research. A comprehensive review.
- 3 Jimmy B, Jose J.. Patient Medication Adherence: Measures in Daily Practice. Oman Med J 2011; 26: 155-9
- 4 Rollnick S, Miller WR, Butler CC. Motivierende Gesprächsführung in den Heilberufen. G. P. Probst Verlag GmbH; 2008. ISBN: 978-3-7799-6231-1