Dtsch Med Wochenschr 2015; 140(01): e1-e6
DOI: 10.1055/s-0034-1387410
Fachwissen
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ärztliche Handlungspraxis am Lebensende

Ergebnisse einer Querschnittsumfrage unter Ärzten in DeutschlandEnd-of-life practices of physicians in GermanyResults from a cross-sectional survey
J. Schildmann
1  Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum
2  NRW-Nachwuchsforschergruppe „Medizinethik am Lebensende: Norm und Empirie“
,
B. Dahmen
1  Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum
2  NRW-Nachwuchsforschergruppe „Medizinethik am Lebensende: Norm und Empirie“
,
J. Vollmann
1  Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Ruhr-Universität Bochum
› Author Affiliations
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Publication History

09 July 2014

09 October 2014

Publication Date:
30 November 2014 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Ethische Fragen am Lebensende stehen im Mittelpunkt wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussionen. Bislang liegen wenige empirische Daten zur ärztlichen Handlungspraxis am Lebensende von Ärzten in Deutschland vor.

Methoden: Querschnittsuntersuchung unter zufällig ausgewählten Ärzten in Deutschland unter Verwendung des Fragebogens des EURELD-Konsortiums und ergänzenden Fragen zur Erfahrung mit und Einstellung gegenüber der ärztlich assistierten Selbsttötung.

Ergebnisse: 734 Ärzte aus fünf Landesärztekammern beantworteten den Fragebogen (Rücklaufquote 36,9 %). 403 Ärzte berichteten über die Handlungspraxis am Lebensende bei erwachsenen Patienten. Eine Symptomlinderung erfolgte in 86,7 % dieser Fälle, bei 50,7 % wurde auf medizinische Maßnahmen verzichtet. In 3 Fällen war der Tod die Folge eines Medikaments, welches von den Befragten zur Verfügung gestellt oder verabreicht wurde. 20,7 % der Befragten waren um ärztliche assistierte Selbsttötung gebeten worden. 41,7 % der Studienteilnehmer konnten sich ärztliche Assistenz zur Selbsttötung auf keinen Fall vorstellen, während 40,2 % sich dies unter bestimmten Bedingungen vorstellen konnten. Das berufsrechtliche Verbot der ärztlichen Assistenz zur Selbsttötung wurde von 33,7 % abgelehnt, 25,0 % befürworteten ein solches Verbot und 41,4 % waren unentschieden.

Folgerung: Ärzte in Deutschland vollziehen ein breites Spektrum an Handlungen am Lebensende. Die empirischen Untersuchungsergebnisse können als Ausgangspunkt für die Reflexion über einen angemessenen normativen Rahmen für ärztliches Handeln am Lebensende dienen.

Abstract

Background: Ethical questions at the end of life are at the centre of scientific and public debates. Up to the present there is scarcity of empirical data regarding physicians’ end-of-life practices in Germany.

Methods: Cross-sectional study among a random sample of German physicians by means of the questionnaire of the EURELD Consortium with additional questions on experiences and attitudes regarding physician assisted suicide.

Results: 734 physicians from five state chambers of physicians responded (response rate 36.9 %). 403 physicians reported about end-of-life practices regarding adult patients. Alleviation of symptoms took place in 86.7 % of cases and in 50.7 % medical treatment had been withheld. In three cases death was the consequence of a drug which was provided or administered by respondents. 20.7 % of respondents had been requested to perform physician-assisted suicide (PAS). 41.7 % of participants could not imagine participating in PAS, whereas 40.2 % could imagine this under certain circumstances. A prohibition of PAS by professional law war rejected by 33.7 %, 25.0 % support such a ban and 41.4 % were undecided.

Conclusion: Physicians in Germany perform a broad spectrum of end-of-life practices. The empirical findings can serve as a starting point for the reflection about an appropriate normative framework for physicians‘ end-of-life practices.

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