Endoskopie heute 2014; 27(2): 122-124
DOI: 10.1055/s-0034-1366519
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Problem Divertikelblutung

Problem Diverticular Bleeding
G. Kähler
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Publication Date:
24 July 2014 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Divertikelerkrankung des Kolons gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt und tritt in den Industrieländern bei der Mehrheit der über 70-Jährigen auf. Die Divertikelblutung ist nach der Entzündung ihre zweithäufigste Komplikation und für nahezu jede 2. untere GI-Blutung verantwortlich.

Anatomie und Pathophysiologie der Divertikelblutung: Kolondivertikel treten dort auf, wo die Vasa directa von der Serosa durch die Lamina muscularis propria in die Lamina mucosa einstrahlen. Dies erklärt die Neigung zu arteriellen Blutungen. Kolondivertikelwände bestehen lediglich aus Mukosa und Serosa und sind demzufolge Pseudodivertikel. Während sich Divertikel sehr häufig auf das Sigma beschränken, treten Blutungen etwa gleich häufig im rechten und im linken Hemikolon auf.

Prognose: Die spontane Prognose der Divertikelblutung ist gut; bis zu 92 % der Blutungen kommen spontan zum Stillstand. Aufgrund der Häufigkeit der Divertikelblutung und der durchaus beherrschbaren Komplikationen ist daher eine durchdachte Strategie wichtig.

Behandlungsoptionen: Prinzipiell können fast alle endoskopischen Blutstillungsverfahren angewendet werden. Aus anatomischen Gründen sollte, wenn möglich, eine gezielte Blutstillung am Gefäß im Divertikelboden angestrebt werden. Neueste Daten zeigen Vorteile einer Gummibandsaugligatur gegenüber der Clipversorgung.

Klinischer Algorithmus: Das klinische Management hängt wesentlich von der Intensität und Zeitdauer der Blutung ab. Gute Chancen zur Lokalisation und Blutstillung bestehen unmittelbar nach Symptombeginn. In der späteren Phase steht der Ausschluss anderer Blutungsquellen im Vordergrund.

Abstract

Background: Diverticular disease of the colon is one of the most common GI disorders. More than 50 % of the aged show colonic diverticula. Diverticular bleeding causes nearly 40 % of lower acute GI bleeding.

Anatomy and Pathyphysiology of diverticular bleeding: The muscular layer of the colonic wall has gaps for small arteries which direct from outside to inside. These are the weak point where the mucosa herniates as pseudodiverticulum. While colonic diverticula are concentrated to the sigmoid colon diverticular bleeding occurs in 50 % from the right colon.

Prognosis: The prognosis of diverticular bleeding is good; up to 92 % stop spontaniously. Due to the frequent disease and the manageable complications a well sophisticated strategy is necessary.

Treatment options: All methods for endoscopic hemostasis can be used even in diverticular bleeding. The treatment should focus on the blood vessel in the button oft he diverticulum if possible. Newest reports demonstrate superiority of rubber band ligation compared with clipping.

Clinical algorithm: The clinical management depends on intensity and time delay from the symptoms onset. Fresh peranal blood signals the best chance for endoscopic detection and hemostasis of diverticular bleeding. Later diagnostics are made to rule out other bleeding sources.