physioscience 2013; 9(2): 59-64
DOI: 10.1055/s-0033-1335468
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Haltung und Rückenschmerz an Computer-Arbeitsplätzen

Gender-Specific Differences in Posture and Back Pain at Computer Workstations
P. Fischer
,
S. Battes
,
D. Axmann
,
E. Engel
Further Information

Publication History

14 September 2012

15 February 2013

Publication Date:
21 May 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Literatur zeigt, dass Büroarbeiter oft an Schmerzen im Bereich der LWS und HWS leiden. Allerdings ist unklar, inwieweit diese Beschwerden von der Haltung abhängen.

Ziel: Die Untersuchung von Personen mit Bürotätigkeit überprüfte folgende Hypothesen: Die Wirbelsäulenaufrichtung unterscheidet sich nicht (1) zwischen Gespräch, Handschreiben oder PC-Tätigkeit, (2) bei vorhandenen Rückenschmerzen und (3) zwischen Männern und Frauen.

Methode: Mit einem elektronischen Haltungsmessgerät wurden die Aufrichtung und Bewegung von 107 Bürotätigen während Gespräch, Handschreiben und PC-Tätigkeit für jeweils 5 Minuten aufgezeichnet. Rückenschmerzintensität, Angaben zur allgemeinen Gesundheit und des Aktivitätsniveaus wurden mit dem California-Functional-Evaluation-Bogen (CAFE) erfasst.

Ergebnisse: Die Probanden schätzten ihre allgemeine Gesundheit mit 74 % und ihr Aktivitätsniveau mit 80 % des maximal erreichbaren CAFE-Scores ohne nennenswerte Unterschiede zwischen Frauen und Männern als gut ein. Die durchschnittliche Intensität der Rückenschmerzen am Tag der Aufzeichnung war auf einer Skala von 0 – 10 mit 1,5 bei den Frauen und 0,8 bei den Männern gering. Die Probanden saßen mit durchschnittlich 39 % maximal möglicher Wirbelsäulenaufrichtung. Die Körperhaltung war während des Gespräches und der PC-Tätigkeit am aufrechtesten und beim Handschreiben am meisten gebeugt. Sie bewegten sich ca. 10 % der Zeit. Männer hatten eine aufrechtere Haltung (46 %) als Frauen (32 %). Frauen mit Rückenschmerzen nahmen eine aufrechtere Haltung ein (44 %) als diejenigen ohne (19 %) und gaben an, dadurch die Schmerzen lindern zu können. Die Aufrichtung der Männer mit und ohne Rückenschmerzen unterschied sich hingegen nicht.

Schlussfolgerung: Die Studie quantifiziert zum ersten Mal die Aufrichtung und Bewegung der Wirbelsäule bei Schreibtischtätigkeiten. Sie zeigt, dass tätigkeits-, geschlechts- und schmerzbedingte Haltungsunterschiede existieren.

Abstract

Background: The literature shows that office workers are susceptible to neck and low back pain. The influence of posture on back pain in this context has so far not been clarified.

Objective: A study with computer workers tested the following hypothesis: thoracolumbar extension and movement do not vary in response to (1) conversation, hand writing or computer use, (2) back pain and (3) gender.

Methods: An electronic posture trainer recorded the thoracolumbar flexion/extension and movement of 107 office workers during a conversation, hand writing, and computer use for 5 minutes each. General health, activity level and back pain were measured with the California Functional Evaluation (CAFE) questionnaire.

Results: The CAFE scores for general health (74 %) and activity level (80 %) were good with only minor gender differences. On the day of assessment the average back pain intensity was 1/10 for females and 0,8/10 for males. The subjects moved 10% of the time and sat on average with 39 % thoracolumbar extension. The spinal posture was more upright during conversation and the use of the computer than during hand writing. Men were more upright (46 % thoracolumbar extension) than women (32 %). Women with back pain sat more upright (44 % thoracolumbar extension) than women without back pain (19 %) and indicated that the more upright position reduced their pain. The posture of the male subjects did not vary in response to back pain.

Conclusion: This study is the first to quantify thoracolumbar extension and movement during office work. It found that spinal posture may vary in response to gender, pain and the type of office work.