Dtsch med Wochenschr 2012; 137 - A202
DOI: 10.1055/s-0032-1323365

Allokation von Patienten mit geriatrietypischer Multimorbidität in ausgewählten Krankenhausfachabteilungen – Ergebnisse von Routinedatenauswertungen stationärer Krankenhausdaten und Pflegedaten

N Lübke 1, M Meinck 1
  • 1Kompetenz-Centrum Geriatrie, Hamburg

Trotz Zunahme alter Menschen im Krankenhaus stehen nur 2,4% aller Krankenhausbetten in spezifisch geriatrischen Fachabteilungen. Wir untersuchten anhand von GKV-Routinedaten, inwieweit die auf geriatrischen Fachabteilungen behandelten Patienten eine geriatrietypische Multimorbidität (GtMM) aufweisen und inwieweit sich solche Patienten auch in anderen, typischerweise mit Versorgung älterer Menschen befassten Fachabteilungen finden. GtMM wurde auf Grundlage eines Operationalisierungsvorschlags der geriatrischen Fachgesellschaften als Vorliegen von mindestens zwei von 15, mit ICD–10-GM-Kodes hinterlegten, geriatrietypischen Merkmalskomplexen (GtMK) definiert. Ausgewertet wurden Krankenhausfälle von AOK-Versicherten (Alter ≥ 60 Jahre, mind. eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus mit geriatrischer Abteilung). Geriatrisch versorgte Fälle (G-Gruppe) wurden denen ohne geriatrische Versorgung (V-Gruppe) gegenübergestellt. Extern validierend wurden die Pflegestufe (PS) und der Heimbewohnerstatus (HbS) einbezogen. Die Patienten der V-Gruppe wurden zusätzlich differenziert nach Fachabteilungen (Innere Medizin, Neurologie, Chirurgie, Orthopädie) analysiert. 68,5% der Abrechnungsfälle der G-Gruppe (n=73.422) und 24,2% der V-Gruppe (n=275.204) aus 2007 erfüllten die Kriterien der GtMM. Es bestanden insbesondere über die typischerweise pflegebegründenden Merkmalskomplexe „kognitive Defizite“, „Inkontinenz“ und „Decubitalulcera“ hohe Korrelationen zwischen dem Vorliegen einer PS und GtMM. In der G-Gruppe wiesen 84,5% aller Fälle eine GtMM und /oder eine PS auf, in der V-Gruppe 42,2%. Die höchsten Anteile an Patienten mit PS (38%) oder HbS (12,9%) werden dabei in der „Inneren Medizin“ behandelt, dicht gefolgt von der Neurologie. Die Neurologie hat mit 35,0% den höchsten Anteil von Patienten mit GtMM, gefolgt der „Inneren Medizin“ mit 25,7% und der Chirurgie mit 18,7%. Die Untergruppen weisen weitere charakteristische Unterschiede in den Anteilen einzelner GtMK auf.

Literatur:

Lübke N, Meinck M. Geriatrietypische Multimorbidität im Spiegel von Routinedaten – Teil 1: Auswertung von stationären Krankenhausdaten und Pflegedaten. Z Gerontol Geriatr 45: im Druck

Meinck M, Lübke N. Geriatrietypische Multimorbidität im Spiegel von Routinedaten – Teil 2: Ambulante und stationäre Diagnosen bei geriatrisch versorgten und pflegebedürftigen Patienten. Z Gerontol Geriatr 45: im Druck

Meinck M, Lübke N. Geriatrietypische Multimorbidität im Spiegel von Routinedaten – Teil 3: Prävalenz und prädiktiver Wert geriatrietypischer Merkmalskomplexe in einer systematischen Altersstichprobe. Z Gerontol Geriatr 45: in Vorbereitung