Dtsch med Wochenschr 2012; 137 - A168
DOI: 10.1055/s-0032-1323331

BeoNet: Gesundheitsmonitoring in Echtzeit – Erster Schritt zu Daten aus einem qualitätsgesicherten hausärztlichen Beobachtungsnetzwerk (BeoNet)

M Kersting 1, T Schleef 1, A Gierschmann 1, H Lingner 1
  • 1Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover

Hintergrund: Daten eines tagesgenauen Gesundheitsmonitorings sind in Deutschland derzeit nicht verfügbar. Die Versorgungsforschung muss auf retrospektive Daten der Gesundheitsberichterstattung [1] ausweichen oder auf moderne, jedoch weniger qualifizierte Dienste wie Google Grippe Trends [2] zurückgreifen. Diese Informationslücke soll durch das BeoNet-Projekt des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) [3] geschlossen werden. Dafür sollen qualitätsgesicherte hausärztliche Daten für ein zeitnahes Monitoring sowie für longitudinale Analysen (auch über Sektorengrenzen hinweg) erhoben und kompiliert werden. Ziel: Etablierung eines Pillot-Netzwerkes hausärztlicher Praxen, die ihre Routinedaten täglich in ein zentrales Forschungsregister einspeisen. Anhand krankheitsspezifischer Fragestellungen sollen Anforderungen und Bausteine für ein solches Netzwerk identifiziert und zukünftige Standards erarbeitet werden. Methoden: Fragebogengestützte Erhebung von Teilnahmebereitschaft und Praxis-Profilen inklusive vorhandener Infrastruktur. Ergebnisse: 1400 Ärzte wurden schriftlich zur Beteiligung an BeoNet eingeladen. Derzeit liegen Zusagen von 68 Praxen (88 Ärzten) vor, davon 47 (69%) mit detailliertem Praxis-Profil. 42 (89%) Praxen verfügen über einen Internetanschluss und 34 (72%) pflegen vollständig oder teilweise elektronische Patientenakten. Häufigste Praxissysteme sind Turbomed (6), Medistar (4) und ixx.Isynet (4). Außerdem konnten Anforderungen an Datenstrukturen definiert [4] und geeignete Methoden für Pseudonymisierung und Datentransport identifiziert werden. Diskussion: Es verfügen ausreichend viele Praxen über einen Internetanschluss um ein Pilot-Netzwerk bilden zu können. Netzwerk-Lösungen für eine sichere Datenübertragung aus der elektronischen Dokumentation heraus sind inhomogen und daher für einen Aufbau eines gemeinsamen Datenpools kaum nutzbar. Der „technisch beste Weg“ der Routinedatenextraktion aus den Praxissystemen muss noch erarbeitet und evaluiert werden.

Literatur: [1] Lampert T, Horch K, List S et al.; Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Ziele, Aufgaben und Nutzungsmöglichkeiten. GBE kompakt 2010;1/2010.

[2] Google Grippe-Trends | Deutschland Available at: http://www.google.org/flutrends/intl/de/de/#DE. Accessed 5/7/2012, 2012.

[3] Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL) Available at: http://www.dzg-lungenforschung.de/index.html. Accessed 5/14/2012, 2012.

[4] Kersting M, Hauswaldt J, Lingner H.; Modellierung von Anforderungen an hausärztliche Routinedaten aus Sicht der Versorgungsforschung mit Hilfe der Unified Modeling Language (UML). 2012 (im Druck).