Dtsch med Wochenschr 2012; 137 - A28
DOI: 10.1055/s-0032-1323191

Schlafgewohnheiten und Gesundheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Auswirkungenen von Schlafdefizit auf Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden

M Betz 1, W Cassel 2, U Köhler 2
  • 1Institut für Gesundheitsförderung und -forschung, Dillenburg
  • 2Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie Schlafmedizinisches Zentrum, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Marburg

Einleitung: Qualitativer guter und quantitativ ausreichender Schlaf gilt als eine der wichtigsten Ressourcen für die Gesundheit. Es wurde untersucht, welchen Einfluss die Schafgewohnheiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben. Methodik: Im Rahmen von Gesundheitsprojekten in Schulen, Betrieben und überbetrieblichen Ausbildungszentren wurden über 8000 16- bis 25-jährige (Männer 68%, Frauen 32%) hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes und ihrer Schlafgewohnheiten untersucht. Die Datenerhebung erfolgte über verschiedene Fragebögen (ESS, MDI, WHO–5, AG-Fragebogen). Ergebnisse: Die mittlere Schlafdauer liegt während der Woche bei 6,7±0,9 Stunden/Tag (Schlafdauer bei 21% ≤5,5 Stunden/Tag) und am Wochenende bei 9,0±2,0 Stunden/Tag (Schlafdauer bei 66% ≥9 Stunden /Tag). 62% fühlen sich tagsüber nicht ausgeruht und leistungsfähig. Hauptursache ist ein Schlafdefizit, das mit einem schlechteren Gesundheitszustand, vermehrten psychischen Beschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden und mehr AU-Tagen korreliert. Nicht erholsamer oder zu wenig Schlaf führen bei 68% zu dem Wunsch häufig oder sehr häufig länger schlafen zu wollen. Nach der WHO–5 Well-Being-Scale weisen insgesamt 39% Beeinträchtigungen beim Wohlbefinden auf. Dabei ist nicht ausreichender bzw. nicht erholsamer Schlaf der stärkste Einflussfaktor auf das Wohlbefinden. Lediglich 17% fühlen sich beim Aufwachen frisch und ausgeruht. 40% zeigen nach der ESS (≥11 Punkte) in den letzten zwei Wochen eine erhöhte Tagesmüdigkeit. 20% geben an, dass sie in den letzten 12 Monaten Schlafstörungen hatten, 1,9% waren deshalb in Behandlung. Fazit: Viele Jugendliche und junge Erwachsene leiden unter permanentem Schlafmangel, was sich ungünstig auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirkt. Entsprechend kommt im Rahmen von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen dem Thema Schlaf eine herausragende Bedeutung zu.