Dtsch med Wochenschr 2012; 137(25/26): 1366-1372
DOI: 10.1055/s-0032-1305076
Konsensus | Review article
Ernährungsmedizin, Gynäkologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 2

Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“Nutrition in pregnancy – Practice recommendations of the Network „Healthy Start – Young Family Network“
B. Koletzko
1  Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Sprecher des Expertenbeirats
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
C.-P. Bauer
2  Fachklinik Gaißach
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
P. Bung
3  Gynäkologische Praxisklinik, Bonn
,
M. Cremer
4  Redakteurin, Idstein
,
M. Flothkötter
5  aid infodienst, Bonn
,
C. Hellmers
6  Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
M. Kersting
7  Forschungsinstitut für Kinderernährung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
M. Krawinkel
8  Deutsche Gesellschaft für Ernährung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
H. Przyrembel
9  ehem. Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
R. Rasenack
10  Univ.-Frauenklinik Freiburg
,
T. Schäfer
11  Dermatologische Praxis, Immenstadt
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
K. Vetter
12  Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
U. Wahn
13  Charité-Universitätsmedizin Berlin
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
A. Weißenborn
14  Bundesinstitut für Risikobewertung
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
,
A. Wöckel
15  Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
16  Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“
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Weitere Informationen

Publikationsverlauf

23. Dezember 2011

03. Mai 2012

Publikationsdatum:
12.Juni 2012 (online)

Zusammenfassung

Ernährung, Bewegung und die Lebensweise vor und während der Schwangerschaft beeinflussen die mütterliche und kindliche Gesundheit. Das Netzwerk „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ –Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM der Bundesregierung – entwickelte gemeinsam mit Fachgesellschaften einheitliche Handlungsempfehlungen zur Ernährung in der Schwangerschaft als Grundlage der Beratung werdender Eltern. Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung sollen schon bei Kinderwunsch und mindestens im ersten Schwangerschaftsdrittel 400 µg Folsäure/Tag als Supplement eingenommen werden. Neben jodreichen Lebensmitteln und Jodsalz wird ein tägliches Supplement mit 100–150 µg Jod empfohlen. Zur Bedarfsdeckung an langkettigen Omega-3-Fettsäuren wird wöchentlich mindestens eine Portion fettreicher Meeresfisch empfohlen, bei Verzicht auf Fischverzehr die Einnahme eines Präparates mit der Omega-3-Fettsäure DHA. Eine Vitamin-D-Supplementierung ist ratsam, falls keine regelmäßige Sonnenlichtexposition erfolgt. Eine ausreichende Zufuhr von eisenreichen Lebensmitteln ist wichtig, Eisenpräparate sollen aber individuell nach medizinischer Anamnese und Blutuntersuchung verwendet werden. Bei gezielter Lebensmittelauswahl ist eine gute Nährstoffversorgung auch mit einer ovo-lakto-vegetarischen Ernährung plus den genannten Supplementen möglich; eine eingehende Beratung wird empfohlen. Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Ernährung ist eine ausreichende Versorgung ohne weitere Nährstoffsupplemente nicht zu gewährleisten. Zur Vorbeugung von Listeriose und Toxoplasmose sollen rohe tierische Lebensmittel, Weichkäse und abgepackte frische Salate gemieden sowie frisches Obst, Gemüse und Salate immer gründlich gewaschen und bald verzehrt werden. Schwangere sollten körperlich aktiv sein, sportliches Training aber nur mit mäßiger Intensität betreiben. Sie sollen Alkohol meiden, nicht rauchen und sich nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird und wurde. Bis zu drei Tassen Kaffee am Tag gelten als unbedenklich, Energydrinks sollten jedoch nicht konsumiert werden. Das Meiden bestimmter Lebensmittel in der Schwangerschaft hat keinen Nutzen für eine kindliche Allergievorbeugung. Der regelmäßige Verzehr fettreicher Meeresfische wird auch für die Allergieprävention empfohlen. Ärzte, Hebammen und weitere Multiplikatoren sollten Paare mit Kinderwunsch zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise motivieren. Teil 1 des Artikels enthält Kernaussagen und Handlungsempfehlungen für den Energie- und Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft sowie für die Gewichtsentwicklung und zur Ernährungsweise.

Abstract

Nutrition, physical activity and lifestyle in pregnancy influence maternal and child health. The “Healthy start – Young Family Network” supported by the German Government with the national action plan IN FORM developed recommendations on nutrition in pregnancy. Folic acid supplements (400 µg/day) should be started before pregnancy and continue for at least the first trimester. Iodine rich foods and salt and an iodine supplement (100–150 µg/day) are recommended. Long-chain omega-3 fatty acids should be provided with ≥ 1 weekly portion of oily sea fish, or a DHA-supplement if regular fish consumption is avoided. Vitamin D supplementation is advisable unless there is regular exposure to sunlight. Iron supplements should be used based on medical history and blood testing. Vegetarian diets with nutritional supplements can provide adequate nutrition, but counselling is recommended. In contrast, a vegan diet is inadequate and requires additional micronutrient supplementation. For risk reduction of listeriosis and toxoplasmosis, raw animal foods, soft cheeses and packed fresh salads should be avoided; fresh fruit, vegetables and salad should be washed well and consumed promptly. Pregnant women should remain physically active and perform sports with moderate intensity. They should avoid alcohol, active and passive smoking. Up to 3 daily cups of coffee are considered harmless, but energy drinks should be avoided. Childhood allergy is not reduced by avoiding certain foods in pregnancy whereas oily sea fish is recommended. Health care professions should lead parents to health-promoting lifestyles. Subjects of part 1 of the article are practice recommendations on nutrition, on energy needs, micronutrient needs and body weight/weight gain in pregnancy.