Dtsch med Wochenschr 1933; 59(31): 1199-1200
DOI: 10.1055/s-0028-1141516
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Die Bedeutung der Luftradioaktivität für die Entstehung der Joachimsthaler und Schneeberger Bergkrankheit

Julius Stoklasa in Prag
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Publication Date:
31 August 2009 (online)

Zusammenfassung

Durch unsere Experimente scheint das Problem des Lungenkrebses bei den Bergarbeitern in Joachimsthal und Schneeberg gelöst. Wir fanden, daß die Lungen von Tierorganismen, die längere Zeit von den Radiumstrahlen beeinflußt wurden, eine starke Azidität aufweisen, die durch die großen Mengen der in der Lunge sich bildenden Milchsäure hervorgerufen wird. Durch die Einwirkung der Milchsäure wurden die anderen Atmungsenzyme in der Lunge, namentlich die Oxydase und Peroxydase angegriffen, sodaß ein weiterer Abbau der Milchsäure und die Oxydation des Alkohols und Azetaldehyds nicht stattfinden kann, wodurch auch die geringe Bildung von Essig- und Ameisensäure erklärt ist. Aber auch die Kohlendioxydproduktion ist im Vergleich zu normalen Lungen stark vermindert.

Sicher ist, daß die Emanationsaufnahme von Tier und Mensch nicht nur durch die Atmungsorgane, sondern auch durch die Haut stattfindet und die Hauptwirkung dürfte die Bildung eines radioaktiven Niederschlages auf den tierischen und menschlichen Organen, namentlich den Atmungsorganen, sein. Die Bildung dieses Niederschlages ist von großer Bedeutung, da die α-, β- und γ-Strahlen dieser Zerfallsprodukte, besonders ihres kurzlebigen Anteils, auf den gesamten Kraft- und Stoffwechsel daselbst energisch einwirken.