Zusammenfassung
Die intrakutane Anwendung von Ertuban mit langsam gesteigerten Dosen brachte bei 36%
der gespritzten Fälle von Lungentuberkulose im II. und III. Stadium einen vollen,
bei 45% einen leidlichen Erfolg. Sie erwies sich als eine äußerst milde Anwendungsweise,
die auch fortgeschrittenere Kranke des III. Stadiums mit Erfolg zu behandeln gesattete,
soweit nicht vorwiegend käsige Formen vorlagen.
Herd- und Temperaturreaktionen blieben zwar nicht aus, traten aber gegen die Hautreaktionen
bedeutend in den Hintergrund. Störende Herdreaktionen und hohes, länger dauerndes
Fieber wurde nicht beobachtet. Kräftige Hautreaktionen erwiesen sich als therapeutisch
gunstig. Es gelang im Laufe der Intrakutankur wiederholt, die Allergie zu steigern.
Es wird nunmehr, nachdem die vorliegenden Untersuchungen zu einem gewissen Abschluß
gekommen sind, folgendes Vorgehen mit Ertuban empfohlen:
Man beginne mit Intrakutanproben von 1 : 1000 (bei subfebrilen Fällen 1 : 10000) und
steigere in achttägigen Pausen bis zur Dosis 1 : 1, solange Herd- und Allgemeinreaktionen
ausbleiben. Die Dosis 1 : 1 kann öfter wiederholt und dadurch gesteigert werden, daß
man bis zu drei Quaddeln mit reinem Ertuban anlegt. Treten Herd- und Allgemeinreaktionen
oder außergewöhnlich starke Hautreaktionen (++++) auf, so mache man längere Pausen
und wiederhole die letzte Dosis oder gehe auf die vorletzte zurück. Bei Kranken mit
geringer oder fehlender Reaktivität der Haut kann man versuchen, durch kürzere Intervalle
(zweimal wöchentlich spritzen) rascher vorwärts zu kommen und die Allergie zu steigern.
Zeigt die Intrakutanvorbehandlung keinen genügenden Erfolg, so kann an sie die subkutane
Weiterbehandlung nach den früher gegebenen Vorschriften noch mit Erfolg angeschlossen
werden.