Zusammenfassung
Eingehende Verfolgung des Blutbildes an nunmehr 45 Fällen zeigt, daß die hochfieberhafte
unkomplizierte Tuberkulose so häufig mit absoluter oder relativer Leukopenie einhergeht,
daß bei unklaren fieberhaften Erkrankungen, bei denen keine Leukozytose besteht, differentialdiagnostisch
Tuberkulose stets in Frage kommt. Diese Diagnose wird zur größtmöglichen Wahrscheinlichkeit,
wenn sich andere mit Leukopenie einhergehende Erkrankungen bekannter Genese ausschließen
lassen. Während für die Diagnose ein einmal gefundener niedriger Leukozytenwert von
ausschlaggebender Bedeutung sein kann, ist für die Prognose eine Reihenuntersuchung
zu verlangen, da die Werte bei ein und demselben Fall bei verschiedenen Auszählungen
in gewissen Grenzen schwanken können. Von einzelnen seltenen Ausnahmen abgesehen,
besteht die Behauptung zu Recht, daß relative Polynukleose mit gleichzeitiger Lymphopenie,
die im Verlaufe der Erkrankung noch zunimmt, die Vorhersage ungünstig stellen läßt,
während eine dauernd ansteigende Lymphozytose bei sich vermindernden Polynukleären
eine gute Prognose bietet. Einen nie im Stich lassenden Indikator bilden die Eosinophilen,
die bei den ungünstigen Fällen nur ganz vereinzelt beobachtet werden, meist jedoch
absolut fehlen, während sie bei den prognostisch günstigen Fällen niemals ganz vermißt
werden, meist aber hohe Werte erreichen.