Dtsch Med Wochenschr 1908; 34(38): 1620-1623
DOI: 10.1055/s-0028-1135728
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Tuberkulose-Immunblut, Tuberkulose-Immunität und Tuberkulose-Immunblut-(J.-K.) Behandlung

Carl Spengler in Davos
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Publikationsdatum:
11. August 2009 (online)

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Zusammenfassung

Die Hauptproduktions- und Anhäufstätten der Tuberkuloseimmunkörper sind die roten Blutkörperchen. Im Blutserum finden sich die korrenten Verbrauchsimmunsubstanzen, die auf Anreize von seiten des Körpers hin (Antigenreize etc.) von den Erythrocyten an das Serum abgegeben werden, und zwar geschieht dies meist unter lebhafter Hämolyse. Die Regeneration des Erythrocytenimmunstoffs erfolgt bei intaktem hämopoetischen System nach den Gesetzen der überproduktiven Neubildung. Die weißen Blutzellen und die Blutplättchen sind Anhäufstätten zweiter Ordnung, aber keine selbständigen Produzenten. Sie führen mehr Immunkörper als das Serum, aber weniger als die Erythrocyten und beziehen dieselben durch Vermittlung des Serums von den Erythrocyten. Die in den Zellen angehäuften Immunstoffe betragen meist das Millionenfache der Serummengen.

Die Hauptimmunkörper der Tuberkulose sind die Lysine (Lysocidine) und die Antitoxine, die sieh quantitativ feststellen lassen und in reversiblen Beziehungen zueinander stehen. Die Agglutinine, Präzipitine, Opsonine sind im Verhältnisse der Lysine und Antitoxine nachweisbar und zur Testierung eines Immunbiutes verwendbar. (Schnell. Agglutination und Präzipitation.) Die Tuberkuloseimmunkörper sind chemisch rein darstellbar. Es sind keine Eiweißkörper. Der gesunde Mensch ist tuberkuloseimmun. Er führt in seinen Blut- und anderen Zellen große Quantitäten Immunkörper, die nicht selten die Mengen künstlich Immunisierter erreichen. Ein bedeutendes Defizit an Blutimmunsubstanzen infolge Schädigung des Blutes oder der blutbildenden Apparate ist gleichbedeutend mit einer ausgesprochenen Erkrankungsdisposition. Die Immunkörper des Blutes von immunisierten Menschen und Tieren sind in chemisch reinem Zustande Heil- und Immunisationssubstanzen für Menschen und Tiere.

Sie wirken nur in dissoziiertem Zustande voll, folgen somit nicht den Gesetzen der chemischen, sondern der dissoziierten Aequivalenz als spezifische Elektronen.

Die Tuberkaloseimmunkörper werden mit Vorteil zusammen mit anderen Immunsubstanzen, z. B. mit Immunkörpern der Eitererreger etc., als poiy- oder omnivalente Substanzen zu Heilzwecken angewendet. Die Immunkörper- (I.-K.) Therapie ist kein rein passives Heilverfahren, sondern ein passiv-aktives, weil die Lysocidine die Infektionskeime auflösen, sodaß deren Gifte bei der Resorption zur aktiven Immunitätssteigerung herbeigezogen werden. Einen mit der Tuberkulose übereinstimmenden Immunitätsmechanismus haben noch eine Menge anderer Infektionskrankheiten, wie Lepra, Eiterungen, Cerebrospinalmeningitis, Syphilis.