Dtsch med Wochenschr 1928; 54(20): 823-825
DOI: 10.1055/s-0028-1125282
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Zur Pathogenese der Tetanie

Karl Klinke
  • Aus der Universitätskinderklinik in Breslau. (Direktor: Prof. Stolte.)
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Publication Date:
18 August 2009 (online)

Zusammenfassung

Die neueren Untersuchungen über die tetanischen Erkrankungen haben ergeben, daß die Kalziumentionisation bei der Entstehung der Symptome erst in zweiter Linie wirksam ist. Im Vordergrund steht die verschieden starke Adsorption der komplexen Kalziumsalze des Serums an die Kolloide des Serums und der Gewebe. Findet hier durch irgendwelche Umstimmung des Körpers — sei es infolge Ausfalls der Parathyreoidea oder sonstiger Störungen — eine vermehrte Adsorption statt, so steht das komplexe Kalzium an den Bedarfsstellen in vermindertem Maße zur Verfügung, und hierdurch kommt es zu den tetanischen Erscheinungen. So ist zu erklären, daß trotz gleich schlechter Ionisationsbedingungen für das Kalzium des Serums in dem einen Falle (Tetanie) Krämpfe auftreten, in dem anderen (Nephritis) nicht.

Eine wirksame Therapie der menschlichen parathyreopriven Tetanie ist durch das „kalkmobilisierende” Parathormone Collips ermöglicht. Bei der rachitogenen kindlichen Tetanie stellt die Bekämpfung der Rachitis wohl die ätiologische Behandlung dar. Im akuten Stadium ist neben reichlicher Kalziummedikation — gegebenenfalls intravenös Kalzium Sandoz oder Afenil — auch ein Versuch mit dem Parathormone berechtigt, dessen Wirkung sich aber erst nach 4—5 Stunden einstellt.