Dtsch med Wochenschr 1928; 54(19): 774-776
DOI: 10.1055/s-0028-1125261
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Experimentaluntersuchungen über die Wirkung von Eiweiß- und Bakterienverdauungsprodukten auf gesunde und tuberkulöse Meerschweinchen1)

G. Lepehne, R. Wigand
  • Aus der Medizinischen Universitätsklinik Königsberg. (Direktor: Geh -Rat Matthes.)
1) Vortrag im Verein für wissensch. Heilkunde, Königsberg. Sitzung 31. X. 1927. Ausführliche Mitteilung im Arch. f. Pathol, u. Pharm. 123 S. 348.
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Publication Date:
27 May 2009 (online)

Zusammenfassung

Es wurde der Einfluß von Pepsin- und Trypsinverdauungsspaltprodukten aus Typhus- bzw. Kolibazillen einerseits und aus Fibrin anderseits auf gesunde und tuberkulöse Meerschweinchen untersucht. Dabei wurde eine gleichmäßige, geringe, auf den N-Gehalt der Lösungen und das Körpergewicht der Tiere berechnete Dosierung eingehalten. Nach der intraperitonealen Injektion der Lösungen reagierten die Typhustiere zu 44,4 bzw. 61,1% mit Kollapstemperaturen und nur zu 5,6 bzw. 16,7% ohne Veränderung der Körpertemperatur. Umgekehrt reagierten die Fibrintiere nur zu 10 bzw. 8,2% mit Kollapstemperaturen, aber zu 50 und 54% mit Normalkurven ohne Veränderung der Temperatur. In der Gruppe der Fieberreaktionen hielten sich Fibrintiere und Typhustiere die Wage. Die Versuche weisen also auf die starke spezifische Giftigkeit der Bakterieneiweißspaltprodukte hin. Die tuberkulösen Meerschweinchen reagierten bei unserer kleinen Dosierung in der Regel nicht anders als die gesunden im Gegensatz zu der starken Reaktion tuberkulöser Meerschweinchen auf Tuberkulin in kleinsten Dosen. Das Tuberkulin muß also ein ganz spezifischer Giftstoff sein. Den tuberkulösen ähnliche Herdreaktionen sahen wir auch bei tuberkulösen Meerschweinchen, die nach Injektion von Typhus-Trypsinlösung zugrundegingen. Von 12 Fibrintieren zeigten 11 Leukozytose, 1 Tier Leukopenie; von 27 Typhustieren dagegen 18 Leukopenie. Die Giftstoffe, die die Leukopenie erzeugen, werden also durch die Verdauung nicht zerstört.