Dtsch med Wochenschr 1928; 54(15): 607-610
DOI: 10.1055/s-0028-1125192
© Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Experimentelle Untersuchungen über die Wertbestimmung des Tuberkulins

H. Hetsch, H. Schloßberger, F. W. Wichmann
  • Aus dem Staatlichen Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. (Direktor: Geh.-Rat Kolle)
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Publication Date:
18 August 2009 (online)

Zusammenfassung

1. Bei der vergleichenden Erprobung verschiedener zur Wertbemessung des Tuberkulins empfohlener Prüfungsmethoden, insbesondere der Titration im Reagenzglas (Komplementbindung, Präzipitation), der Intrakutanprobe nach P. H. Römer, der Spermatozytreaktion von E. R. Long und der von Möllers zur Verfeinerung der subkutanen Prüfungsmethode vorgeschlagenen Modifikationen fand sich keine, die dem seitherigen deutschen Prüfungsverfahren (Bestimmung der tödlichen Dose an tuberkulösen Meerschweinchen) an Genauigkeit überlegen wäre.

2. Es zeigte sich, daß die individuellen Unterschiede der tuberkulösen Meerschweinchen hinsichtlich ihrer Tuberkulinempfindlichkeit, die sich unter Umständen bei mangelnder Erfahrung in der Auswahl der Tiere störend bemerkbar machen, mit einer gewissen Regelmäßigkeit dadurch ausgeschaltet werden können, daß die Tiere etwa drei Wochen vor der Hauptprüfung intrakutan auf ihre Empfindlichkeit gegen Tuberkulin vorgeprüft und daß zu der eigentlichen Wertbestimmung nur solche Tiere verwendet werden, die sich im Vorversuch gleichartig verhalten haben.

3. Wenn auch die von E. R. Long angegebene Spermatozytreaktion unseres Erachtens als praktische Prüfungsmethode nicht in Betracht kommt, so stellt sie doch ein außerordentlich interessantes Phänomen dar und liefert neue Beweise für die Spezifizität der Tuberkulinwirkung.

4. Eine Abhängigkeit der Wirkungsstärke der Tuberkuline von ihrer Wasserstoffionenkonzentration ließ sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Durch Manganchlorür und Suprarenin wird der Ablauf der Tuberkulinreaktion nicht beeinflußt.

5. Durch ultraviolette Strahlen und durch Formalin wird die spezifische Wirksamkeit der Tuberkuline abgeschwächt oder zerstört.

6. Die Verwendung tuberkulöser Ratten oder Mäuse kommt wegen ihrer geringen Tuberkulinempfindlichkeit und der dadurch bedingten Unregelmäßigkeit der Versuchsreihen für die Prüfung des Tuberkulins nicht in Frage.

7. Eine Uebertragung der Tuberkulinempfindlichkeit von tuberkulösen Meerschweinchen auf frische Tiere durch Organ- oder Blutverimpfung gelang nicht.