Klin Monbl Augenheilkd
DOI: 10.1055/a-1219-7875
Kasuistik

OCT-angiografische Befunde bei retinalen angiomatösen Proliferationen

Article in several languages: English | deutsch
Felix Heine
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm
,
Jona F. Schick
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm
,
Gabriele E. Lang
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Hintergrund Die optische Kohärenztomografie-Angiografie (OCT-A) ermöglicht eine nicht invasive Blutflussregistrierung der Netzhaut und Aderhaut. Im Gegensatz zur Fluoresceinangiografie (FA) wird kein Farbstoff verabreicht. Die OCT-A liefert zusätzlich tiefenselektive Informationen. Bei Patienten mit neovaskulärer altersbezogener Makuladegeneration (AMD) mit retinalen angiomatösen Proliferationen (RAP) Stadium 1 wurden OCT-A und FA verglichen. Im Stadium 1 befinden sich die Neovaskularisationen intraretinal. Im Gegensatz zum 2-dimensionalen Summenbild der FA kann mithilfe der OCT-A eine tiefenselektive Darstellung der einzelnen Netzhautschichten erfolgen. Hierdurch kann ein Rückschluss auf den Entstehungsort der RAP gezogen werden.

Patienten und Methoden Es wurden 3 Patienten mit neovaskulärer AMD und RAP Stadium 1 eingeschlossen, die zwischen Januar 2016 und März 2019 sowohl mit OCT (ZEISS CIRRUS HD-OCT 5000, Carl Zeiss Meditec, Inc., Dublin, USA), OCT-A (ZEISS AngioPlex OCT-Angiografie) als auch FA (HRA2, Heidelberg Engineering) untersucht wurden. Es erfolgte eine komplette augenärztliche Untersuchung. Es wurde eine qualitative Analyse der OCT-A-Bilder (3 × 3 und 6 × 6 mm) und der FA-Bilder durchgeführt. Leckagen in der FA wurden mit den En-face-Aufnahmen der OCT-A verglichen. Anschließend erfolgte eine tiefenselektive Zuordnung anhand der entsprechenden B-Scans der OCT-A.

Ergebnisse Es handelte sich um eine Frau und 2 Männer im Alter zwischen 66 und 89 Jahren. Der Visus betrug 0,4 beim 1., 0,5 p beim 2. und 0,8 beim 3. Patienten. Die Diagnose einer RAP Stadium 1 konnte sowohl im OCT, mit der FA als auch mit der OCT-A gestellt werden. Bei allen Patienten zeigte sich in der OCT ein Makulaödem. In der FA zeigten sich punktuelle Hyperfluoreszenzen in der Frühphase und eine Fluoresceinextravasation in der Spätphase. In der OCT-A konnte im B-Scan der Blutfluss bei allen Patienten in der hyperreflektiven Struktur der RAP dargestellt werden. Bei dem 1. Patienten zeigten sich 2 RAP-Läsionen in der FA, die in der OCT-A im tiefen vaskulären Plexus lagen. Beim 2. Patienten fanden sich 3 RAP in der FA, in der OCT-A insgesamt 5 RAP-Läsionen. Eine konnte im oberflächlichen und tiefen vaskulären Plexus, 4 im tiefen vaskulären Plexus lokalisiert werden. Bei dem 3. Patienten zeigte sich eine RAP in der FA, ebenso wie in der OCT-A, die sich dem oberflächlichen vaskulären Plexus zuordnen ließ.

Schlussfolgerung Die OCT-A eignet sich gut zur Diagnostik einer RAP Stadium 1. In den vorliegenden Fällen konnte die Diagnose in der OCT-A ebenso eindeutig wie durch eine FA gestellt werden. Ein großer Vorteil der OCT-A ergibt sich durch den nicht invasiven Charakter und die Tiefenselektivität. Die RAP-1-Läsionen konnten sowohl dem superfiziellen als auch dem tiefen vaskulären Plexus zugeordnet werden. Eine Tiefenselektion ist mit der FA aufgrund des Summenbildes nicht möglich.



Publication History

Received: 26 March 2020

Accepted: 09 July 2020

Publication Date:
31 August 2020 (online)

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