Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1159-7444
Übersichtsarbeit

Leitbild für einen modernen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) in Deutschland: Stellungnahme des Fachausschusses KJGD im BVÖGD

Mission Statement of a Modern German Public Health Child and Youth Service (PHCYS): Statement of the PHCYS Expert Committee of the Federal Association of the Public Health Service (PHS)
Gabriele Ellsäßer
1  Fachausschuss Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V., Berlin
,
Claudia Korebrits
2  Abteilung Soziale Kinder- und Jugendmedizin, Gesundheitsamt Stadt Leipzig, Leipzig
,
Gabriele Trost-Brinkhues
1  Fachausschuss Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V., Berlin
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Zusammenfassung

Hintergrund Auf der Grundlage des neuen Leitbildes des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (91. Gesundheitsministerkonferenz 2018) wurde in der Zukunftswerkstatt auf dem BVÖGD Kongress 2019 das Leitbild für einen modernen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) abgeleitet. Ziel des Diskussionsprozesses war die Erörterung der zentralen Frage, welche bisherigen und neuen Kernaufgaben sind vom KJGD in seiner Funktion als Anwalt der Kinder und Jugendlichen und „Kümmerer“ um ihre Gesundheit umzusetzen – insbesondere in Anbetracht der stark sozial geprägten gesundheitlichen Unterschiede.

Methodik Auf der Grundlage eines vorstrukturierten Bearbeitungsprozesses zu 5 Themenfeldern mit Leitfragen wurden die künftigen Kernaufgaben des KJGDs diskutiert und zusammengefasst. Des Weiteren wurde erarbeitet, welche neuen Anforderungen auf den KJGD zukommen und wie diese bewältigt werden können.

Ergebnisse Besondere Kernaufgaben: a) Beratung der kommunalen Strukturen zu den Gesundheitsbedarfen der Kinder- und Jugendlichen und wie diesen entsprochen werden kann auf der Grundlage der Datenanalyse (auch sozialräumlich) der Schuleingangsuntersuchung; b) Moderation der Netzwerkaufgaben und das Einbringen von Gesundheitsaspekten als Querschnittsaufgabe in die kommunalen Strukturen; c) Unterstützung von vulnerablen Gruppen mit speziellen gesundheitlichen und psychosozialen Bedarfen. Besondere präventive Bereiche des KJGDs sind hier bspw. die Sprach- und Entwicklungsförderung und der Gesundheitsschutz. d) Begutachtung und Beratung – und dies „frei von kommerziellen Eigeninteressen“; e) Vernetzung mit Wissenschaft und Forschung. Professionen, die im KJGD benötigt werden: Fachärzte, Gesundheitsplaner (Unterstützung bei der Datenauswertung), Sozialpädagogen (zur individuellen Beratung, aber auch für eine gezielte Projektarbeit), Gesundheitsfachberufe wie (Familien)-Kinderkrankenschwestern/Familienhebammen, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychologen (um der Zunahme an psychosomatischen und psychischen Erkrankungen gerecht zu werden).

Schlussfolgerung Die bisherigen und neuen Kernaufgaben stellen an den KJGD große Herausforderungen sowohl in fachlicher als auch personeller Hinsicht. Diese Herausforderungen sind nicht nur durch ein neues Leitbild zu bewältigen, sondern auch durch eine breitgefächerte Stärkung des KJGDs. Hierzu gehört die Verankerung der Aufgaben in den verschiedenen Gesetzen auf Bundes- und Landesebene.

Abstract

Background Based on the mission statement of the Public Health Service (91st Health Minister Conference 2018), a mission statement for a modern Public Health Child and Youth Service (PHCYS) was derived in a “Future Workshop” at the BVÖGD Congress 2019. The central question addressed was: Which previous and new core tasks have to be put in practice by the PHCYS in terms of its role, both as a child and youth advocate and as a caretaker of their health, especially in light of major socially-shaped health differences.

Method Based on a pre-structured workflow comprising 5 topics with core questions, the future tasks of the PHCYS were discussed and summarized. Additionally, the participants elaborated which new requirements have to be addressed by the PHCYS and how they could be realized.

Results Significant core tasks: a) Counselling of community structures on child and youth health needs, and how to respond based on first graders’ health data (including social spherical assessment). b) Moderation of networking and introduction of health aspects as a cross-sectional task of the community sectors. c) Support of vulnerable groups with specific health and psychosocial needs. PHCYS’s specific preventive fields are, for example, speech and development promotion and health protection. d) Medical assessment and counselling “free of commercial self-interest”. e) Networking with science and research. Qualifications needed in the PHCYS: Medical specialists, a health planner (to support data analysis), social workers ( for counselling, but also for targeted projects), health professionals like family nurses/midwives, and also child and youth psychiatrists/psychologists (to meet the requirements of increased psychosomatic and psychological diseases).

Conclusion The previous and new core tasks are big challenges for the PHCYS, in terms of work and personnel that cannot be overcome just with a mission statement but need a broadly diversified reinforcement of PHCYS’s work. This also includes anchoring of tasks in different laws at the federal and regional levels.



Publication History

Publication Date:
21 July 2020 (online)

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