Aktuelle Ernährungsmedizin 2020; 45(01): 25-30
DOI: 10.1055/a-1021-1411
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neue Rechtslage für Mahlzeitersatz und Tagesrationen

New Regulatory Provisions for Meal Replacements and Total Daily Replacements
Volker Bode
1  Nestlé Health Science (Deutschland) GmbH, Head of Medical & Regulatory Affairs & Health Economics
,
Norbert Pahne
2  Diaetverband, Management
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Publication Date:
19 February 2020 (online)

Zusammenfassung

Sogenannte „Lebensmittel für eine kalorienarme Ernährung zur Gewichtsverringerung“, landläufig auch als „Formuladiäten“ bezeichnet, sind anerkannte Maßnahmen in der Gewichtsreduktion. Dazu zählen die Produktkategorien „Mahlzeitersatz“ und „Tagesrationen“, deren Anforderungen in Europa und so auch in Deutschland im Detail vorgeschrieben sind. Bisher waren diese Produkte im europäischen Diätrecht bzw. in der deutschen Diätverordnung (DiätV) genau geregelt. Mit der Revision des europäischen Diätrechts, welche 2011 eingeläutet wurde, wurde das Konzept der „diätetischen Lebensmittel“ durch das Konzept für „Lebensmittel für spezielle Verbrauchergruppen“ – sogenannte FSG-Produkte – ersetzt. Diese Neuregelungen betreffen auch im vollen Umfang „Lebensmittel für eine kalorienarme Ernährung zur Gewichtsverringerung“. Für Mahlzeitersatz und Tagesrationen ergeben sich damit gravierende Änderungen hinsichtlich Zusammensetzung, Verwendungsdauer sowie Zielgruppen.

Für Tagesrationen wurden neue und detaillierte Anforderungen über einen delegierten Rechtsakt festgelegt. Darin wurde die Zielgruppe der Produkte neu festgelegt, auch gibt es maßgebliche Änderungen hinsichtlich des Makro- und Mikronährstoffgehalts. Zudem sind zukünftig keine gesundheits- und nährwertbezogenen Angaben mehr möglich. Produkte, die zur Kategorie Mahlzeitersatz gehören, sollen nur noch als „Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs“ angesehen werden. Damit wird der Verbund dieser beiden Produktgruppen aufgelöst. Mahlzeitersatzprodukte erfahren eine deutliche Einschränkung, da der Begriff Mahlzeit neu definiert wurde. Auch ergeben sich deutliche Änderungen bei den Mikronährstoffen. Des Weiteren verbleiben erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich des Einsatzes von Zusatzstoffen. Neben den technologischen Herausforderungen für die Hersteller, ist auch die Wirtschaftlichkeit dieser Produkte zu prüfen. Im Rahmen der konservativen Adipositastherapie wäre eine Aufgabe dieser Produkte ein großer Verlust für Ärzte und Patienten. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Fachkreise für diese Produktgruppen einsetzen.

Abstract

‘Foods intended for use in energy-restricted diets for weight reduction’, commonly referred to as ‘formula diets’ are scientifically recognized measures for weight-loss. These specially formulated foods are divided in the two categories ‘meal replacement for weight control’ (MR) and ‘total daily replacement for weight control’ (TDR). The regulatory provisions for these products are layed down in German and European legislation namely the ‘Diätverordnung’ and the EU rules for foods for particular nutritional uses. The latter has been revised in 2013 and replaced by Regulation (EU) No. 609/2013 for ‘foods for special consumer groups’ (FSG). These new rules have a huge impact to MRs and TDRs.

For TDRs, new requirements have been established through a delegated act. This act re-defines the target group and sets new compositional criteria. In addition, health and nutrition claims will no longer be allowed. MRs should only be considered ’food of general consumption’ in future. Via re-definition of the term ‘meal’ the products undergo limitations related to their use. Significant changes regarding the minimum and maximum values for micro-nutrients have been specified, but uncertainties still remain in relation to the use of relevant additives. Thus manufacturers are not only facing significant technological challenges to meet the new provisions but also an tremendous impact on costs. Considering the value of the products as an integral part of conservative obesity therapy, abandoning these products would be an immense loss for physicians and patients. Therefore, it is crucial that health care professionals contribute to defend the category.