Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0829-6604
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Krebserkrankung und das letzte Lebensjahr: Palliative Leistungen, Krankenhausaufenthalte und Sterbeort

Cancer Patients and the Last Year of Life: Palliative Care, Hospitalization and Place of Death
Katja Blaschke
1  PMV forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät und Uniklinik Köln, Universität zu Köln, Köln
,
Kerstin Hermes-Moll
2  Wissenschaftliches Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen, (WINHO GmbH), Köln
,
Veronika Lappe
1  PMV forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät und Uniklinik Köln, Universität zu Köln, Köln
,
Peter Ihle
1  PMV forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät und Uniklinik Köln, Universität zu Köln, Köln
,
Walter Baumann
2  Wissenschaftliches Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen, (WINHO GmbH), Köln
,
Ingrid Schubert
1  PMV forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät und Uniklinik Köln, Universität zu Köln, Köln
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Publication Date:
11 April 2019 (online)

Zusammenfassung

Einleitung Palliativ versorgte Patientinnen und Patienten haben zu einem hohen Anteil onkologische Diagnosen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) richtet sich an Erkrankte mit komplexem Symptomgeschehen und intensivem Betreuungsbedarf und soll eine Betreuung im häuslichen Umfeld bis zum Lebensende ermöglichen. In Hessen wurden ab 2009 die ersten SAPV-Angebote geschaffen. Entsprechend untersucht diese Studie (i) die Inanspruchnahme von SAPV und spezialisierten stationären palliativen Leistungen im letzten Lebensjahr von Krebserkrankten, (ii) die SAPV verordnende Arztgruppe und (iii) den Sterbeort und Krankenhausaufenthalte in den letzten 91 Lebenstagen.

Methoden In der retrospektiven Sekundärdatenanalyse wurden Daten der AOK Hessen für 2009–2014 deskriptiv ausgewertet. Studienpopulation waren an Brust-, Prostata- oder Darmkrebs Erkrankte, die im jeweiligen Beobachtungsjahr (2010–2014) verstarben und 360 Tage vor ihrem Tod durchgängig versichert waren.

Ergebnisse In die Studie konnten je nach Beobachtungsjahr 492–545 Personen mit Brust-, 546–625 mit Prostata- und 709–752 mit Darmkrebs eingeschlossen werden. In allen 3 Gruppen Krebserkrankter stieg zwischen 2010 und 2014 der Anteil mit Inanspruchnahme von mindestens einer Palliativleistung. Die Häufigkeit der Inanspruchnahme von SAPV-Leistungen lag bei den betrachteten Krebserkrankten meist höher im Vergleich zu Palliativstationen bzw. stationären Hospizen. SAPV wurde bei den 3 Krebsdiagnosen zu über 90% von Hausärztinnen bzw. -ärzten verordnet. Sowohl der Anteil von Personen mit einem Krankenhausaufenthalt in den letzten 91 Lebenstagen als auch der im Krankenhaus Verstorbenen ging von 2010 bis 2014 bei allen 3 Krebsarten zurück.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund des Aufbaus der SAPV in Hessen zu bewerten. Die Zunahme an SAPV-Leistungen und der Rückgang an Krankenhauseinweisungen am Lebensende weist auf eine gelungene Etablierung der SAPV in Hessen hin.

Abstract

Introduction Palliative care patients frequently suffer from cancer diagnoses. Specialised palliative home care (German acronym ‘SAPV’) enables patients with complex symptoms and intensive care needs to receive home care until death. In the German Federal State of Hesse, the first SAPV teams were set up in 2009. Against this background, the aim of this study was (i) to investigate the utilization of SAPV and specialised inpatient palliative care in the last year of life of cancer patients, (ii) to detect the medical professions prescribing SAPV and (iii) to analyse the place of death and the hospitalization rate in the last 91 days of life.

Methods A retrospective secondary data analysis was conducted. Routine data from the statutory health insurance company AOK Hesse in Germany for 2009–2014 were analysed using descriptive statistical methods. The study population comprised breast, prostate, and colorectal cancer patients who died in the year of observation (2010–2014) and who were fully insured 360 days before death.

Results Depending on the year of observation, 492–545 breast, 546–625 prostate, and 709–752 colorectal cancer patients were included in the study. The analysis showed an increase of cancer patients receiving palliative care from 2010 to 2014. A higher proportion of breast, prostate, and colorectal cancer patients received SAPV as compared to services from palliative care units or inpatient hospices. All in all, over 90% of the SAPV prescriptions were issued by family doctors. The hospitalization rate of cancer patients in the last 91 days of life as well as the share of those dying in hospital decreased between 2010 and 2014.

Conclusion The results must be assessed in the context of the implementation of SAPV in the state of Hesse. The increase of SAPV services and the reduction of hospitalizations at the end of life indicate a successful introduction of SAPV in the state of Hesse.