Krankenhaushygiene up2date 2017; 12(02): 199-211
DOI: 10.1055/s-0043-105463
Qualitätsmanagement, Surveillance
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Punktprävalenz-Erhebung 2016 – ein Erfahrungsbericht

Susanne Kolbe-Busch
,
Melanie Kempe
,
Claudia Schmitz
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Publication History

Publication Date:
12 June 2017 (online)

Die klinikweite Erhebung von Prävalenzdaten für nosokomiale Infektionen und zum Antibiotikagebrauch ist eine logistische Herausforderung. Umso interessanter sind die Ergebnisse, die einen Überblick über die Gesamtsituation der Fachabteilungen und auf Stationsebene gewähren. Das Protokoll für die europäische Punktprävalenz-Studie in der nationalen Light-Version ist für Kliniken realistisch umsetzbar.

Kernaussagen
  • Die Erhebung erforderte eine gründliche und strukturierte und damit auch zeitintensive Vorbereitung sowie eine inhaltlich anspruchsvolle Auseinandersetzung mit dem Protokoll.

  • Die Teilnahme an der europäischen Punktprävalenz-Erhebung war freiwillig, lieferte aber nach Erfahrung der Autoren wertvolle und flächendeckende Ergebnisse hinsichtlich Antibiotikagebrauch und Beurteilung von möglichen Hotspots nosokomialer Infektionen.

  • Eine Erfassung allein durch Hygienefachkräfte ohne Unterstützung durch einen verantwortlichen behandelnden Arzt oder durch ABS-geschultes Personal ist nach unserer Erfahrung hinsichtlich der Erfassung nosokomialer Infektionen möglich, aber nicht hinsichtlich der Antibiotikaanwendung.

  • Die Erhebung im Team, das aus Hygienefachkraft und Krankenhaushygieniker bzw. Mikrobiologe oder Hygienefachkraft und ABS-Apotheker bestand, war sehr erfolgreich und hat die Zusammenarbeit gestärkt.

  • Eine unzureichende Dokumentation in der Patientenkurve erschwert die Erhebung und führt zu Fehlern bei der Interpretation.

  • Eine mindestens stichprobenhafte und zeitnahe Kontrolle der Eingaben der Erfasser durch einen Supervisor ist sinnvoll, um Fehler in der Anwendung der Falldefinitionen zu erkennen und sofort abstellen zu können.

  • Überwiegend bestand eine positive Einstellung der Klinikdirektoren und der Mitarbeiter in den patientenversorgenden Bereichen und ein Interesse an den Ergebnissen der Erhebung.

  • Die abstrakten Daten zur Anwendung von Antibiotika, die im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance erhoben werden, bekommen durch das fallbezogene Erfassen der Punktprävalenz-Erhebung einen realen Bezug.

  • Eine Rückmeldung der Ergebnisse an das ärztliche Behandlungsteam ist nötig, aber langwierig: Vorläufige Ergebnisse waren schnell verfügbar, eine endgültige Auswertung für das eigene Haus erfolgte erst nach einigen Monaten. Referenzdaten wurden erst 8 Monate später veröffentlicht.

  • Eine fallbezogene Analyse der Antibiotikaanwendung lieferte dem ABS-Team konkrete Anhaltspunkte für Schulungs- und Interventionsmaßnahmen.