Krankenhaushygiene up2date 2024; 19(01): 45-58
DOI: 10.1055/a-2073-5215
Infektiologie

Erregerlexikon: Mpox-Viren

Laura Wagner
,
Christoph Boesecke
,
Christoph D. Spinner

Nachdem im Mai 2022 in Großbritannien bei einem Reiserückkehrer aus Nigeria erstmals eine Infektion mit Mpox (vormals Affenpocken, Monkeypox) diagnostiziert wurde, wurden wenig zeitversetzt auch die ersten Fälle in Deutschland gemeldet. In den folgenden Monaten wurde ein starker Anstieg der Fallzahlen beobachtet, insbesondere in Nord-/Südamerika und Europa. Deutschland gehörte zu einem der am stärksten betroffenen Länder weltweit. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den Erreger, das klinische Bild sowie Präventions- und Therapieoptionen.

Kernaussagen
  • Mpox-Viren sind behüllte Doppelstrang-DNA-Viren und gehören zur Familie der Pockenviren.

  • Mpox-Viren sind in Zentral-, Ost- und Westafrika endemisch, außerhalb dieser Länder gab es bis 2022 nur Einzelfälle von Infektionen. Im Sommer 2022 wurde ein relevanter Anstieg der Fallzahlen global berichtet. Die Infektionen betrafen fast ausschließlich Männer, der mutmaßliche Hauptübertragungsweg war der Sexualkontakt.

  • Eine Infektion mit Mpox-Viren äußert sich häufig durch ein fieberhaftes Krankheitsbild, gefolgt von (anogenitalen) vesikulopustulären Läsionen. Die Anzahl ist variabel, meist liegen zwischen 1 und 10 Läsionen vor. Häufige Begleitsymptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Lymphadenopathie.

  • Die meisten Mpox-Infektionen verlaufen selbstlimitierend mit einer Symptomdauer zwischen 14 und 21 Tagen.

  • Die Diagnose wird in der Regel mittels PCR von der betroffenen Stelle gesichert. Die Sensitivität bei Abstrichen von Hautläsionen liegt bei bis zu 97%.

  • Pockenviren sind sehr umweltstabil. Zur Desinfektion wird die Verwendung von Desinfektionsmittel mit mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit empfohlen.

  • Für Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko wird eine Impfung mit dem Impfstoff MVA-BN empfohlen. In der Regel werden 2 Impfdosen subkutan im Abstand von mindestens 28 Tagen verabreicht.

  • Bei engem Kontakt zu einer Person mit Mpox-Infektion besteht die Indikation zur postexpositionellen Impfung mit MVA-BN. Diese sollte so früh wie möglich, spätestens 14 Tage nach Exposition, verabreicht werden.

  • Mpox-Infektionen werden meist symptomatisch behandelt. Tecovirimat ist das einzige in der EU zugelassene antivirale Mittel zur Therapie der Mpox-Infektion, wobei das Medikament derzeit nur sehr begrenzt zur Verfügung steht.



Publication History

Article published online:
20 March 2024

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