Dialyse aktuell 2007; 11(7): 46
DOI: 10.1055/s-2007-993238
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Auf die Magensaftresistenz kommt es an - Korrektur der metabolischen Azidose mit Natriumhydrogenkarbonat

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Publication Date:
31 October 2007 (online)

 
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Die metabolische Azidose ist eine typische Komplikation chronischer Nierenerkrankungen. Sie ist klinisch nicht immer leicht zu erkennen. Nicht alle Patienten zeigen die typischen Symptome einer verstärkten, tiefen und beschleunigten Atmung, häufig verbunden mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwäche. Charakterisiert ist die metabolische Azidose durch einen Abfall des Blut-pH-Wertes. Dieser basiert auf einer verminderten Konzentration von Serumhydrogenkarbonat (HCO3-), eines Mangels also an säurebindendem Hydrogenkarbonatpuffer. Die Diagnose wird deshalb durch eine Blutgasanalyse gestellt. Anhand des pH-Wertes, des CO2-Partialdrucks und des Basendefizits lässt sich das Ausmaß einer metabolischen Azidose bestimmen.

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Begleiterscheinungen durch Hydrogenkarbonatsubstitution entgegenwirken

Bei chronischer metabolischer Azidose kann es zu schwerwiegenden Begleiterscheinungen kommen. Eine Hyperkaliämie kann eine Bradykardie verursachen, außerdem kann die metabolische Azidose eine Demineralisierung des Knochens und einen gesteigerten Eiweißkatabolismus mit Muskelverlust und Adynamie auslösen. Auch eine notwendige Erhöhung der EPO-Dosis kann eine der Folgen der metabolischen Azidose sein.

Um diesen Auswirkungen entgegenzusteuern, wird zur Behandlung der metabolischen Azidose die orale Substitution von Natriumhydrogenkarbonat empfohlen. Dabei sollte die Abgabe des Wirkstoffes gleichmäßig, langsam und vollständig erst im Dünndarm erfolgen. Eine Freisetzung im Magen ist nicht erwünscht, da diese zu Gasbildung mit Blähungen und abdominellen Schmerzen führen würde.

Deshalb werden magensaftresistente Präparate bevorzugt. Das Natriumhydrogenkarbonat Nephrotrans® in den Dosierungen 500 und 840 mg erfüllt die Magensaftresistenz durch eine dreifache Schutzfunktion. Im Einzelnen handelt es sich um einen magensaftresistenten Überzug, eine Weichgelatinekapsel und eine lipophile Matrix. Durch die Einbettung des Wirkstoffes in die lipophile Matrix wird eine gleichmäßige Freisetzung des Wirkstoffs über den Dünndarm gewährleistet.

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Weichgelatinekapsel Tablettenformulierung überlegen

Bezüglich der Substanzfreisetzung im Magen erwies sich die Weichgelatinekapsel gegenüber der Tablettenformulierung in einer In-vitro-Studie als überlegen (Abb. [1]; [1]). Bei pH 4,5, dem In-vitro-Modell für einen Magen nach Nahrungsaufnahme oder einen Patienten unter Protonenpumpeninhibitor-Therapie, zeigten sich signifikante Unterschiede in der Wirkstofffreisetzung: Die Weichgelatinekapsel gab durchschnittlich lediglich 0,6 % des Natriumhydrogenkarbonatgehalts innerhalb von vier Stunden ab. Die Freisetzung aus der Tablette überstieg dagegen bereits 50 % vor Ablauf einer Stunde und war nach 90 Minuten nahezu abgeschlossen.

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Abb. 1 Magensituation bei pH 4,5 nach [1]

Bei pH 6,8 - wie normalerweise im Dünndarm üblich - gab die Weichgelatinekapsel während fünf Stunden kontinuierlich Wirkstoff ab (Abb. [2]; [1]). Hingegen wurde aus der Tablette innerhalb von weniger als einer Stunde der Wirkstoff komplett freigesetzt.

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Abb. 2 Darmsituation bei pH 6,8 nach [1]

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Hohe Stabilität sorgt für bessere Verträglichkeit

Für Breitkreutz und Mitarbeiter sind die drei Schutzmechanismen der Weichgelatinekapsel für die höhere Stabilität verantwortlich [1]. Die hohe Protonenkonzentration stabilisiert den Überzug der Kapsel im sauren Milieu (pH 1,0) - was die Freisetzung des Wirkstoffs verhindert. Die Weichgelatine und die triglyzeridbasierte Matrix behindern unter basischen Bedingungen im Kapselinnern die Diffusion von Protonen oder Wassermolekülen und den Kontakt mit den Natriumhydrogenkarbonatmolekülen.

Den Autoren zufolge erklären die erhobenen Befunde die bessere Verträglichkeit der Kapselformulierung gegenüber der Tablette. Um die ungünstigen Auswirkungen einer chronischen metabolischen Azidose bei niereninsuffizienten Patienten zu vermeiden, empfiehlt sich daher die Korrektur mit einer magensaftresistenten Weichgelatinekapsel.

Dr. Oliver Heine, Frankfurt/M.

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Medice Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn

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Literatur

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Literatur

 
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Abb. 1 Magensituation bei pH 4,5 nach [1]

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Abb. 2 Darmsituation bei pH 6,8 nach [1]