Längst werden im Randbereich der Medizin Mitarbeiter gebraucht, die anders und umfassender
ausgebildet werden müssen als der "klassische Arzt". Vorgestellt wird hier ein neuer
Studiengang, der unter dem Begriff "Life Science" angeboten wird.
Zusammenwirken der Fachbereiche Chemie und Biologie
Der Begriff Life Science kommt aus der Medizin-, Bio- und Pharmabranche. Im Jahr der
Lebenswissenschaften wurde er 2000 in den naturwissenschaftlichen Sprachgebrauch etabliert
und in den folgenden Jahren in den Lehrplan mehrerer Universitäten Deutschlands aufgenommen.
Das Studium beginnt jeweils im Wintersemester und ist auf 25 bis 40 Plätze beschränkt.
Die Auswahl der Studenten erfolgt nach der Abiturnote sowie nach Auslandserfahrung
oder freiwilligen Industriepraktika. Die Lehre erfolgt zumeist auf Deutsch, im Master
partiell auf Englisch.
Zum Wintersemester 2001/02 kamen die ersten Studenten in Hannover aus den Diplomstudiengängen
Biologie und Chemie in den Bachelorstudiengang. Seit dem Wintersemester 2003/04 wird
Life Science als Bachelor- und Masterstudiengang angeboten. Wie alle Bachelorstudiengänge
erfolgt die Bewertung der Studienleistungen nach dem ECTS-System (European Credit
Transfer System). Damit kann ein Student Teile des Studiums an einer anderen Universität
im In- und Ausland ableisten, die jeweiligen Punkte werden seinem Studienkonto gutgeschrieben.
Schwerpunkte der Universitäten unterscheiden sich
Derzeit gibt es zwei Universitäten in Deutschland, die Leibniz Universität Hannover
und die Universität zu Konstanz, die einen Studiengang namens Life Science anbieten.
An der Universität Hannover trägt der Studiengang den Untertitel "Cells and Molecules".
Die Themenschwerpunkte liegen bei Bioprozesstechnik/Biotechnologie, Bioinformatik,
Molekularbiologie, Biologie und Chemie von Naturstoffen. Dagegen beinhaltet der Pflichtbereich
in Konstanz mehr biologische Fächer, wie molekulare Medizin, Zoologie, Immunologie
oder Pharmakologie. Der Wahlpflichtkatalog umfasst unter anderem Fächer wie Ethik
für Naturwissenschaftler, Pflanzenbiotechnologie, Lebensmittelchemie, Biochemie oder
Toxikologie. Zahlreiche universitäre Praktika vermitteln den Studierenden gute praktische
Kenntnisse und machen sie mit dem Laboralltag weitgehend vertraut. In medizinischer
Richtung werden unter anderem Naturstoffe, die als Antibiotika oder Immunsuppressiva
von Bedeutung sind, behandelt. Im Masterstudiengang kommen weitere Aspekte wie beispielsweise
das Tissue Engineering hinzu. Der Studierende soll die Fähigkeit erlangen, direkt
in die Nische zwischen Molekularbiologie und Chemie in der Industrie einzusteigen.
Dabei wird man in Hannover eher zum Bioingenieur ausgebildet, in Konstanz erlangt
man die gleichwertige Kompetenz eines Bachelors in Chemie und in molekularer Biologie.
In das Studium in Konstanz ist ein zweimonatiges Pflichtpraktikum in der Industrie,
zumeist in der pharmazeutischen Industrie, integriert. Dagegen ist in Hannover kein
industrielles Pflichtpraktikum vorgesehen, wodurch Studierende ihr Potential in der
Industrie schwerer abschätzen können [2].
An beiden Universitäten endet das Studium mit einer Bachelorarbeit, die in Deutsch
oder Englisch verfasst werden kann. Studierende in Hannover haben für diese Arbeit
sechs Wochen Zeit, in Konstanz drei Monate. Mit dem Abschluss Bachelor of Science
(BSc.) erlangt man die Befähigung, direkt den Masterstudiengang Life Science (MSc.)
oder einen anderen naturwissenschaftlichen Masterstudiengang zu beginnen.
Auch an anderen Universitäten werden verwandte Studiengänge angeboten [1]. Die Universität Lübeck bietet "Computational Life Science" an, mit den Schwerpunkten
Naturwissenschaft und Informatik. An der Universität Lübeck gibt es den Studiengang
"Molecular Life Science", der mit dem Abschluss Bachelor endet, an der TU in Kaiserslautern
den Diplomstudiengang "Life Science in Chemistry". Die Fachhochschule in Esslingen,
Baden Württemberg, bietet einen Studiengang Biotechnologie/Life Science an [1] und die Fachhochschule Kaiserslautern führt im Wintersemester 2006/2007 ebenfalls
einen Studiengang "Life Science" ein.
Breite Bandbreite der Berufsbilder
Die Bandbreite der Berufsbilder reicht von der Pharmazie und der Medizin bis zur Lebensmittel-
und Agrarindustrie. Der Life-Science-Absolvent ist vor allem im Pharmabereich in der
Herstellung und Aufreinigung von Produkten einsetzbar, aber auch in jedem bio-naturwissenschaftlichen
Labor, wie beispielsweise Analytikbereich der Wirkstoffchemie, oder in einer Abteilung
für Zell- und Molekularpathologie. Obwohl diese Studiengänge hauptsächlich auf die
Industrie ausgerichtet sind, haben die großen Konzerne das Potential dieser Absolventen
noch nicht erkannt. Die genauen Chancen und Perspektiven werden sich wohl erst in
den nächsten Jahren zeigen, wenn die Anzahl der Absolventen auf dem Bewerbungsmarkt
zahlreicher in Erscheinung tritt.