Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2005; 31(6): B 257
DOI: 10.1055/s-2005-872016
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prophylaxe und Therapie der Osteoporose - Alfacalcidol ist nativem Vitamin D signifikant überlegen

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Publication Date:
05 August 2005 (online)

 
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Zwischen D-Hormon und nativem Vitamin D besteht ein fundamentaler Unterschied, den es bei der Prophylaxe und Therapie der Osteoporose zu beachten gilt, erklärte Prof. Dr. med. Johann Diederich Ringe aus Leverkusen ([1]). Die Gabe von Alfacalcidol als D-Hormon-Prodrug ist eine pharmakologische Osteoporosetherapie, die unabhängig vom Vitamin-D-Status wirksam ist und einem Knochenmasseverlust vorbeugt. Das belegte Ringe mit den Ergebnissen verschiedener Studien, darunter einer eigenen klinisch kontrollierten Vergleichsstudie an über 200 Patienten mit manifester Glukokortikoid-induzierter Osteoporose. Die Studienteilnehmer erhielten über drei Jahre täglich entweder 1 Mikrogramm Alfacalcidol oder 1000 IE natives Vitamin D; zusätzlich bekamen alle Patienten 500 mg Kalzium. Alfacalcidol war nativem Vitamin D signifikant überlegen hinsichtlich der Zunahme der Knochenmineraldichte und der Abnahme der Frakturinzidenz. Auch Rückenschmerzen wurden unter Alfacalcidol deutlich stärker gebessert.

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Natives Vitamin D nur zur Nahrungsergänzung

Im Unterschied dazu ist die Gabe von nativem Vitamin D für Ringe lediglich eine Nahrungsergänzung, um bei Nierengesunden einen Vitamin D-Mangel auszugleichen. Zur Behandlung der manifesten Osteoporose ist natives Vitamin D jedoch unwirksam - das belegen erneut zwei prospektive, klinisch kontrollierte Studien mit 5292 beziehungsweise 3314 Studienteilnehmern, deren Ergebnisse jüngst in den Fachjournalen "The Lancet" ([2]) beziehungsweise "British Medical Journal" ([3]) veröffentlicht wurden. "Wir fanden keine Evidenz, dass eine Supplementation mit Vitamin D plus Kalzium das Risiko für klinische Frakturen senkt", schreiben die Autoren im British Medical Journal. Auch ein schneller Knochenmasseverlust, wie er regelmäßig unter der Behandlung mit Glukokortikoiden auftritt, lässt sich durch natives Vitamin D nicht stoppen.

In diesem Zusammenhang wies Ringe darauf hin, dass natives Vitamin D im Gegensatz zu Alfacalcidol in der Niere aktiviert werden muss, damit es seine Wirkungen entfalten kann. Diese Aktivierung ist streng reguliert, sodass bei einer Therapie mit nativem Vitamin D nur physiologische D-Hormonspiegel erreicht werden können. Zudem ist eine ausreichende Aktivierung von Vitamin D nur möglich, solange keine Einschränkung der Nierenfunktion vorliegt. Insofern lassen sich mit der Gabe von nativem Vitamin D unter keinen Umständen pharmakologisch wirksame D-Hormon-Serumspiegel erzeugen. Diese sind jedoch erforderlich, wenn man einem schnellen Knochenmasseverlust vorbeugen oder eine manifeste Osteoporose therapieren will, erinnerte Ringe. Immer dann hält er die Gabe von Alfacalcidol[1] für indiziert. Alfacalcidol ist unabhängig vom Vitamin D-Status wirksam und sowohl bei der Postmenopausalen als auch bei der Glukokortikoid-induzierten Osteoporose uneingeschränkt erstattungsfähig.

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Sturzrisiko sinkt unter Therapie mit Alfacalcidol

Dr. med. Laurent Dukas aus Basel ([1]) konnte darüber hinaus im Rahmen einer doppelblinden Interventionsstudie mit 378 älteren gesunden Personen nachweisen, dass bei einer Kreatinin-Clearance unter 65 ml/min als Zeichen einer verminderten Nierenfunktion das Sturzrisiko signifikant um den Faktor 4 erhöht ist. Das erhöhte Sturzrisiko derjenigen Personen mit einer Kreatinin-Clearance unter 65 ml/min, die Alfacalcidol als D-Hormon-Therapie erhielten, sank signifikant ab auf das Niveau von Personen mit normaler Nierenfunktion. Vergleichbare Ergebnisse lieferte eine Beobachtungsstudie mit über 5300 Personen mit nachgewiesener Osteoporose: Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance unter 65 ml/min zeigte sich neben einem erhöhten Sturzrisiko zugleich eine signifikant höhere Rate sturzbedingter Frakturen als bei Patienten mit normaler Nierenfunktion. Das galt auch bei den Personen, die eine Langzeittherapie mit nativem Vitamin D plus Kalzium erhielten, da es als Folge der verminderten Nierenfunktion nicht mehr in ausreichenden Mengen zum D-Hormon aktiviert werden konnte. Dukas schloss daraus, dass das erhöhte Sturzrisiko bei Personen mit verminderter Nierenfunktion auf einem D-Hormon-Mangel beruht, der sich durch die Gabe von Alfacalcidol beseitigen lässt.

Sturzgefährdete Patienten können durch das "Esslinger Sturzrisikoassessment" identifiziert werden, welches mit der Einführung des EBM 2000 Plus seit 01.04.2005 unter der Ziffer 03341 "Hausärztlich-Geriatrisches Basisassessment" für Hausärzte abrechenbar ist.

Quelle: Gry-Pharma GmbH, Kichzarten

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Literatur

1 Bondiol®, DOSS®; Gry-Pharma GmbH

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