Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2005; 31(4): B 184
DOI: 10.1055/s-2005-869438
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chronische Rhinosinusitis - Eingeschränkter Geruchssinn kann Nasenpolypen aufdecken

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Publication Date:
09 May 2005 (online)

 
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Nasenpolypen treten bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis in Folge einer schweren Entzündung in den Nasennebenhöhlen auf. Patienten klagen über Beschwerden wie chronisch verstopfte Nase, Sekretfluss, ein ständiges Druckgefühl im Mittelgesichtsbereich und Verlust des Riechvermögens. "Die Riech- und Schmeckstörungen sind ein Hinweis auf Poliposis nasi", sagte Prof. Dr. Ludger Klimek, Wiesbaden, auf einer Fachpressekonferenz in Neu Isenburg. Schätzungsweise komme die Poliposis nasi bei etwa 3-5% der Bevölkerung vor, bei Männern etwa doppelt so häufig wie bei Frauen. Dabei bilden sich bevorzugt in den Nasennebenhöhlen entzündliche Pseudopolypen, die in die Nasenhaupthöhle hineinragen. Dort erscheinen sie als tropfenförmig gestielte, glasige Gebilde. Die Ursache der chronischen Rhinosinusitis mit Poliposis nasi ist ungeklärt. Diskutiert werden bestehende Vorerkrankungen wie allergische Rhinitis, chronische Sinusitis, eine genetische Disposition und Umweltreize.

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Charakteristisch: hohe Dichte von Plasmazellen

Diagnostisch wegweisend ist der endoskopische beziehungsweise radiologische Nachweis von entzündlichen Schleimhautschwellungen in den Nasennebenhöhlen. Die Durchgängigkeit des Ostium maxillare ist gestört. Durch diese Ostium-Blockade werden Ventilation und Drainage gestört, was wiederum zu einer Sekretstagnation führt, erklärte Prof. Dr. Herbert Riechelmann, Ulm. Die Entzündung ist geprägt von eosinophilen Granulozyten, wesentlicher Vermittler der Entzündungsreaktion ist das Zytokin Interleukin (IL-) 5. Weitere Vermittler der eosinophilen Entzündunsreaktion sind die Chemokine Eotaxin und RANTES. Als charakteristisch beschrieb Riechelmann auch die hohe Dichte von Plasmazellen. Sie stammen von B-Lymphozyten ab, die wiederum von T-Lymphozyten zur Immunglobulin-Produktion angeregt wurden. Zudem kommt es bei Nasenpolypen zu einer überschießenden, unspezifisch-polyklonalen IgE-Bildung durch Plasmazellen. Beide pathophysiologische Mechanismen, die überschießende Produktion von IL-5 und Chemokinen sowie die überschießende IgE-Produktion durch Plasmazellen sind durch Glukokortikoide beeinflussbar.

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Mometason-Spray verkleinert Nasenpolypen

Im Vordergrund der Therapie steht daher die antientzündliche Wirkung von topischen Glukokortikosteroiden. Seine antiinflammatorische Wirkung hat nasales Mometason[1] bereits bei der allergischen Rhinitis gezeigt. In Studien konnte belegt werden, dass unter einer nasalenMometason-Therapie typische Entzündungszellen wie eosinophile Granulozyten, T-Lymphozyten, Adhäsionsmoleküle sowie die Entzündungsmediatoren Interleukin 4, 5 und 13 signifikant reduziert werden. In einem Pilotprojekt bei Prof. Claus Bachert, Gent, konnte gezeigt werden, dass eine sechsmonatige Mometason-Behandlung bei zwei Patienten, die bereits für eine Nasennebenhöhlen-Operation vorgesehen waren, zu einer kompletten Remission führte. In neun Fallsammlungen mit 75 Patienten mit teilweise operationspflichtiger Polyposis nasi wurde ebenfalls deutlich, dass Mometason präoperativ zu einer Rückbildung der Polypen führt und postoperativ zu einer Rezidivprophylaxe beiträgt.

In zwei doppelblinden, randomisierten Studien an über 650 Patienten mit Poliposis nasi wurde die nasale Mometason-Gabe geprüft. Alle Patienten litten an beidseitiger Poliposis nasi und an verstopfter Nase. Dabei wurden zwei Dosierungen gegen Plazebo getestet: 200 µg einmal täglich und 2 x 200 µg zweimal täglich. Nach vier Monaten reduzierte sich die Polypengröße in beiden Mometason-Gruppen signifikant, "wobei die höhere Dosierung stärker wirkte als die schwächere", so Bachert. Auch die verstopfte Nase besserte sich unter Mometason. Die Unterschiede waren jeweils signifikant gegenüber Plazebo. Bemerkenswert war auch die Wirkung auf das Riechvermögen, das üblicherweise nicht auf topische Glukokortikosteroide reagiert, sagte Bachert. Der verbesserte Geruchssinn und der endoskopisch und messtechnisch (PNIF, peak nasal inspiratory flow) objektivierte Rückgang der Polypengröße bescheinige eine weit überdurchschnittliche Wirksamkeit des Präparates.

Die Nebenwirkungen lagen in beiden Studien auf Plazeboniveau. Bachert führt dies auf die hohe lokale Wirksamkeit bei geringer systemischer Verfügbarkeit zurück. Auf dieser Basis ist das bisher bei allergischer Rhinitis angewandte Nasenspray jetzt auch zur Behandlung der Polyposis nasi für Patienten ab 18 Jahren zugelassen.

ts

Quelle: Fachpressekonferenz "Mometason als Therapie-Option bei Polyposis nasi", März 2005 in Neu Isenburg. Veranstalter: essex pharma GmbH, München.

04 Nasonex®, essex pharma GmbH

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