Notfall & Hausarztmedizin (Hausarztmedizin) 2004; 30(7/08): B 346
DOI: 10.1055/s-2004-834398
Blickpunkt

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chronische Wunden - In feuchter warmer Umgebung heilt's besser

Further Information

Publication History

Publication Date:
04 October 2004 (online)

 
Table of Contents

Was Patienten heute wissen müssen" - unter diesem Motto führte die Aktion Meditech ein Seminar zu Innovationen der Medizintechnologie durch. Ein Bereich, in dem die Entwicklung in den letzten Jahren rasant vor sich ging, ist das Gebiet der Wundversorgung. Feuchte Wundbehandlungen bieten den Vorteil einer beschleunigten, verbesserten Heilung.

In der Aktion Meditech engagieren sich Ärzte, Patienten, Ökonomen, andere Experten und Unternehmen der Medizintechnologie für ein modernes, effizientes Gesundheitssystem. Sie unterstützen eine Gesundheitspolitik, die den Zugang von Patienten zu innovativen Medizintechnologien verbessert. Und das ist auch nötig, denn längst nicht mehr alle Verfahren stehen den Patienten aus Budgetgründen zur Verfügung. "Patienten fordern aber immer mehr ihre Rechte ein und zeigen ein großes Interesse", so Professor Hans-Joachim Trappe, Bochum.

#

Behandlung chronischer Wunden als therapeutische Herausforderung

Gerade im Bereich chronischer Wunden zeigt sich das Dilemma deutlich. Immerhin 4 bis 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter diabetischem Fuß, offenen Beinen oder Druckgeschwüren. Die Behandlung solcher Wunden ist eine therapeutische Herausforderung und zudem wirtschaftlich unattraktiv und wird daher oft vernachlässigt. Trotzdem verschlingt die Behandlung chronischer Wunden allein in Deutschland rund 4 Milliarden Euro pro Jahr, ohne dass die indirekten Kosten wie Krankheitstage eingerechnet sind. Lösungswege aus dieser Situation zeigte PD Dr. Eike Debus, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie am AK Harburg, auf: "Zwei Faktoren sind ausschlaggebend, damit sich hier etwas ändert: Die Bildung von spezialisierten Wundzentren und der fachgerechte Einsatz feuchter Wundversorgung." Im Gegensatz zum klassischen Trockenverband begünstigen hydroaktive, also feuchte Auflagen und Verbände die körpereigenen Heilungsmechanismen. Die feuchte Wundversorgung hat durch Fortschritte in der Materialforschung in den letzten Jahren einen qualitativen Entwicklungssprung erfahren, erläutert Debus. Ein breites Spektrum an Wundversorgungsprodukten für die Behandlung akuter und chronischer Wunden steht zur Verfügung (Alginate, Hydrokolloide, Hydrogele, Schäume, silberhaltige Wundauflagen, biologisch-aktive Wundverbände, Tissue Engineering).

#

Feuchte Wundversorgung für mehr Behandlungsqualität

Die Wirksamkeit dieser Produkte besteht aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Verbandsschichten. Die Kontaktschicht verwandelt sich in ein Gel, das die Wundflüssigkeit in die darüber liegende Schicht leitet. Zugleich verhindert das Gel den Eintritt von Bakterien, das heißt das Infektionsrisiko wird reduziert. Die hydroaktiven Verbände können schmerzfrei und gewebeschonend gelöst werden, weil sie nicht mit dem Wundgrund verkleben. Ihre Oberfläche ist keim- und wasserdicht, und sie können bis zu zehn Tage auf der Wunde bleiben. Neben der Austrocknung wird auch eine Auskühlung der Wunde verhindert und es herrscht quasi Körpertemperatur unter dem Verband. "In richtig tropischer Umgebung heilt die Wunde schneller und den Patienten bleibt so mancher Leidensweg erspart," sagte Debus.

Zoom Image

Abb. 1 Der feuchte Wundverband bildet bei Kontakt mit Wundflüssigkeit eine Gelplatte. Die Wundheilung wird dadurch begünstigt.

#

Einsparpotenzial durch kürzere Behandlungszeiten

Aber nicht nur die Behandlungsqualität nimmt zu, sondern auch die Kosten sinken. Zwar sind die Stückpreise für die innovativen Produkte zunächst höher als für herkömmliche Verbandmittel. Doch das Einsparpotenzial durch kürzere Liege- und Behandlungszeiten, weniger Personal und Materialeinsatz ist enorm. In der eigenen Einrichtung konnte durch den Einsatz innovativer Methoden und der Schaffung eines Zentrums die Amputationsrate um immerhin 57% gesenkt werden und die Anzahl an Wundheilungen steigt. Debus abschließend: "Die Patienten danken es uns. Wir haben jetzt 300% mehr Patientenkontakte."

Bettina Reich, Hamburg

Quelle: Medien-Seminar "Innovative Medizintechnologien für Volkskrankheiten: Herz - Augen - Haut", Juni 2004 in Hamburg, Veranstalter: Aktion Meditech.

 
Zoom Image

Abb. 1 Der feuchte Wundverband bildet bei Kontakt mit Wundflüssigkeit eine Gelplatte. Die Wundheilung wird dadurch begünstigt.