Einführung
Einführung
In den letzten Jahrzehnten hat die Technisierung der Umwelt und die zunehmende Nutzung
neuer Medien auch bei Kindern zu einem veränderten Freizeitverhalten geführt, das
mit deutlichen Einschränkungen ihrer Bewegungserfahrungen im Alltag verbunden ist.
Folgen dieses Bewegungsmangels zeigen sich in der Zunahme von Haltungs- und Koordinationsstörungen
und einer abnehmenden Ausdauer [Brandt et al. 1997 ]
[Kleine 1997 ]
[Weineck et al. 1997 ]
[Dordel 1998 ]
[Klaes et al. 2001 ]. Durch die fehlende Konsistenz der Daten aus den vorhandenen Einzelstudien ist eine
bevölkerungsbezogene Aussage zur altersgemäßen motorischen Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen nur eingeschränkt möglich [Gaschler 2001 ].
Die Aufnahme des Untersuchungsteils Motorik in den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
[Kurth et al. 2002 ] unterstreicht den Stellenwert der körperlichen Aktivität als Einflussfaktor auf
das Entwicklungsgeschehen und auf den Gesundheitszustand im Kindesalter. Auch im Hinblick
auf mögliche Krankheitsfolgen im Erwachsenenalter ist das Wissen um das Ausmaß der
körperlichen Inaktivität im Kindes- und Jugendalter von großer Bedeutung [Daugs et al. 1996 ]
[Sönnichsen et al. 1997 ]
[Zieske et al. 2002 ].
Der Pretest, in dem 1630 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren untersucht
wurden, sollte die Eignung und Durchführbarkeit ausgewählter Methoden unter den Bedingungen
eines Surveys prüfen [Kamtsiuris et al. 2002 ]. Das umfasste die Einschätzung der Testdurchführung unter methodischen Aspekten
der Standardisierung ebenso wie die Einschätzung der räumlichen, zeitlichen und personellen
Voraussetzungen im Survey und die Erklärungen zur Akzeptanz der Untersuchung bei Kindern
und Eltern. Die ausgewählten Einzeltests sollten Aussagen in Bezug auf den Altersgang
und die Geschlechtsspezifik ermöglichen.
Bedingungen für die Testauswahl
Bedingungen für die Testauswahl
Die spezifischen Rahmenbedingungen des Surveys, wie die zeitliche Vorgabe von ca.
15 Minuten für den Motorikteil und die Situation mit einem oft beengten Untersuchungsraum,
schränkten die Auswahl der motorischen Übungen von vornherein auf Tests ein, die wenig
Zeit in Anspruch nehmen und keinen großen Aktionsradius erfordern wie Sprung-, Wurf-
oder Lauftests. Verletzungsgefahren mussten ausgeschaltet werden. Von Bedeutung war
ebenfalls, dass die Tests, nach entsprechender Schulung, von einer Kinderkrankenschwester
abgenommen werden können.
Das methodische Grundproblem bestand darin, motorische Prüfbereiche zu definieren,
die wesentliche koordinative und konditionelle Fähigkeitsbereiche mit hoher gesundheitlicher
Relevanz erfassen. Konkrete Schwierigkeiten gab es, aus dem verfügbaren Untersuchungsinventar
im Motorik-Sportbereich solche motorischen Einzelübungen zu finden, die auch nach
Herauslösung aus validierten Testbatterien die ausgewählten Prüfbereiche kindlicher
Motorik ausreichend erfassen und die alters- und geschlechtsspezifische Entwicklung
widerspiegeln. Die Festlegung der Testaufgaben erfolgte in Abstimmung mit externen
Experten.
Neben den methodischen Aspekten muss bei der Auswahl der Tests auch der Gerätebedarf
Berücksichtigung finden. Leichter Transport und hohe Stabilität der Geräte spielen
bei häufigem Wechsel der Untersuchungsorte durchaus eine Rolle.
Testspektrum
Testspektrum
Bei der Auswahl von Tests zur Bestimmung von vorwiegend koordinativen Fähigkeiten
waren der für das Vorschulalter entwickelte Test MOT 4 - 6 [Zimmer, Volkamer 1984 ] und der Körperkoordinationstest für Kinder (KTK) [Kiphard, Schilling 1974 ] für die Altersgruppe 5 bis 14 Jahre als vollständige Verfahren aufgrund der Testkonstruktion,
der jeweiligen Zielstellung, der Zeitdauer und der Anforderungen an die Durchführung
für den Survey nicht praktikabel. Als konditionelle Übungen, die unter Surveybedingungen
machbar erschienen, wurden Tests für die Überprüfung der Kraftausdauer von Schulter-/Arm-,
Rücken- und Bauchmuskulatur ausgewählt. Ein Test zur Haltungsbeurteilung und zur Beweglichkeit
vervollständigten das Testspektrum [Beck, Bös 1995 ]. Im Pretest wurden damit aus vier motorischen Prüfbereichen Tests erprobt:
Koordination: Vorwärts- und Rückwärtsbalancieren, monopedales Hüpfen, Tennisring fangen,
mit den Zehen greifen, seitliches Hin- und Herhüpfen, Einbeinstand
Haltung: Matthiass-Test
Beweglichkeit: Rumpfvorbeuge
Kraftausdauer: Sit up und Liegestütz.
Für den Motorikteil wurden eine Sportmatte, ein Balken für den Einbeinstand, eine
Sportbank, ein Messstab zur Quantifizierung der Rumpfvorbeuge und eine Stoppuhr benötigt.
Tab. 1 Untersuchungsspektrum der Motorik im Pretest
Altersgruppe 4-5 Jahre
Altersgruppe 6-10 Jahre
Altersgruppe 11-17 Jahre
Pretest 1. Hälfte
Pretest 2. Hälfte
Pretest 1. Hälfte
Pretest 2. Hälfte
Pretest 1. Hälfte
Pretest 2. Hälfte
balancieren (vorwärts, rückwärts))
Matthiass-Test
gestrichen
Matthiass-Test
gestrichen
monopedales Hüpfen
mit den Zehen greifen
mit den Zehen greifen
gestrichen
Tennisring fangen
seitlich Hin- und Herspringen
Rumpfvorbeuge
Rumpfvorbeuge
Einbeinstand
Einbeinstand/T-Schiene
Sit up
Sit up
Liegestütz
Liegestütz
In einer Zwischenbilanz nach der ersten Pretestphase wurden Fragen der Durchführbarkeit,
der Bewertung und der Aussagefähigkeit der Testaufgaben diskutiert und für einzelne
Altersgruppen Umstellungen im Methodenspektrum (Tab. [1 ]) vorgenommen, die sowohl Streichungen als auch Erweiterungen von Testaufgaben beinhalteten.
Methodische Erprobung
Methodische Erprobung
Altersgruppe 4 und 5 Jahre
Für die 4- bis 5-Jährigen haben sich die schon in der Literatur beschriebenen Schwierigkeiten
der Testdurchführung bestätigt. Die fremde Umgebung und die Stimmungslage entscheiden
häufig über die Bereitschaft der Kinder, die demonstrierten Untersuchungen selbst
durchzuführen. Die Probanden dieser Altersgruppe brauchten oft viel Zuspruch, um ihre
Hemmungen zu überwinden. Eine einmalige Erklärung und Vorgabe der Übung reichte oft
nicht aus und die standardisierte Durchführung wurde schwierig, weil ein sehr individuelles
Eingehen auf die kleinen Probanden nötig war. Die Stichprobe umfasste 27 Kinder in
der Altersgruppe 4 Jahre und 35 Kinder in der Altersgruppe 5 Jahre und erlaubt trotz
der genannten Probleme sowohl eine Einschätzung zur Durchführbarkeit als auch zur
Aussagefähigkeit der erprobten Testaufgaben.
Balancieren vorwärts und rückwärts (aus MOT 4 - 6): Bei dieser Übung wird die Anzahl der Abweichungen von einer markierten, 2 m langen
Linie bei selbst bestimmter Schrittlänge erfasst. Den Kindern fällt es generell leichter,
vorwärts als rückwärts zu balancieren, wobei dem Rückwärtsbalancieren die größere
Aussagekraft für den Prüfbereich Koordination mit Präzision zuzumessen ist. Bei den
4-jährigen Probanden differenziert dieser Test ausreichend, bei den 5-jährigen nimmt
die Anzahl der Abweichungen beim Rückwärtsbalancieren deutlich ab. Mädchen in diesem
Alter zeigen eine bessere Koordination als Jungen. Der Test Rückwärtsbalancieren zeigt
einen Entwicklungszuwachs an und kann Aussagen zum Stand der motorischen Entwicklung
im Bereich Koordination liefern. Als alleinige Testaussage für die Erfassung der koordinativen
Fähigkeiten in dieser Altersgruppe ist er nicht ausreichend.
Monopedales Hüpfen: Die Mehrzahl der Kinder bewältigte das Hüpfen auf einem Bein (5-mal) auf dem selbst
gewählten Sprungbein ohne Schwierigkeiten. In aller Regel wird das rechte Bein als
Sprungbein vorgezogen. Das Erkennen koordinativer Auffälligkeiten hat sich mit diesem
Einzeltest nicht bewährt. Er wurde nach Ablauf der ersten Pretestphase nicht mehr
durchgeführt.
Tennisring fangen (aus MOT 4 - 6): Diese in der zweiten Pretestphase neu aufgenommene Übung zur Prüfung der Auge-Hand-Koordination
und Reaktionsschnelligkeit hat sich ebenfalls nicht bewährt. Die Räumlichkeiten schränkten
die Testdurchführung mit der vorgeschriebenen Fangstrecke von 4 m ein.
Mit den Zehen greifen (aus MOT 4 - 6): Diese Probe wurde erst in der zweiten Pretesthälfte für die 4- bis 5-Jährigen übernommen,
da er von 6- bis 10-jährigen Kindern in der Mehrzahl geschafft wurde. Als Test zur
Überprüfung des Standgleichgewichtes und der Auge-Fuß-Koordination ist er für diese
Altersgruppe aussagefähig.
Im Pretest hat sich bestätigt, dass es schwierig ist, aus dem vorhandenen Methodeninventar
für das Vorschulalter (z. B. MOT 4 - 6) geeignete, aussagefähige Einzeltests für den
Einsatz in Surveys zu finden. Ein aussagefähiges Screening-Instrument zur Erfassung
motorischer Auffälligkeiten in diesem Altersbereich zu entwickeln bleibt weiterhin
eine Herausforderung für die sportwissenschaftliche Forschung.
Altersgruppe 6 bis 10 Jahre
Die Durchführung der Testaufgaben bereitete in dieser Altersgruppe keine Schwierigkeiten.
Bereitschaft, Verständnis und Leistungsmotivation waren bei allen Kindern gegeben,
die ein großes Interesse hatten, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu zeigen.
Seitliches Hin- und Herspringen (aus KTK): Das Überspringen einer Trennlinie mit beiden Beinen und das gleichzeitige laute Zählen
der geschafften Sprünge bereitete allen Kindern Freude. Die Ergebnisse zeigen für
Jungen und Mädchen einen altersgemäßen Entwicklungszuwachs in der Leistung, d. h.,
mit zunehmendem Alter steigt auch die Anzahl der Sprünge. Dabei gibt es kaum Unterschiede
zwischen den Mittelwerten bei Jungen und Mädchen. Diese geringe Geschlechtsspezifik
zeigte sich bereits für das seitliche Hin- und Herspringen in der Normierungsstichprobe
des Körperkoordinationstests [Kiphard, Schilling 1974 ]. Für die Prüfbereiche Koordination unter Zeitdruck sowie Kraftausdauer der Beinmuskulatur
dokumentiert dieser Test deutlich den altersspezifischen Entwicklungszuwachs für 6-
bis 10-Jährige. Er ist für den Surveyeinsatz gut geeignet.
Abb. 1 Seitliches Hin- und Herspringen nach Alter und Geschlecht (Mittelwerte).
Einbeinstand: Das Stehen auf einem Bein (nach Wahl) über 15 Sekunden wurde in den Altersgruppen
6 bis 10 Jahre differenziert erhoben. Mit zunehmendem Alter steigt diese Fähigkeit,
wobei ca. 20 % der 7-jährigen Mädchen und Jungen die Leistung von 15 Sekunden nicht
erreichten. Zwischen den 7-Jährigen und 8-Jährigen kommt es allerdings zu einem Leistungsabfall,
der darauf zurückzuführen ist, dass die Kinder der Altersgruppe ab 8 Jahre die Augen
beim Einbeinstand geschlossen halten mussten. Um die unterschiedlichen Leistungsanforderungen
bei dieser Übung zu umgehen, soll der Einbeinstand im Hauptsurvey auch bei den jüngeren
Altersgruppen einheitlich auf dem Balken durchgeführt werden [Bös et al. 2001 ].
Liegestütz: Die Aufnahme des Tests Liegestütz in diese Altersgruppe ist damit begründet, dass
der Sit up als alleiniger Test für die Kraftausdauer die muskuläre Leistungsfähigkeit
(vorwiegend Bauchmuskulatur) zu einseitig abbildet. Mit dem Liegestütz wird auch der
Teilbereich obere Extremitäten (schulterblattfixierende Muskulatur) erfasst, wobei
Hinweise auf Haltungsinsuffizienzen aufgrund muskulärer Schwächen erkannt werden.
Matthiass-Test: Im Pretest bestätigte sich, dass die Beurteilung der Halteleistung, des Haltungsgefühls
und der Haltungskoordination durch den Matthiass-Test mit einer hohen Subjektivität
verbunden ist. Der Test setzt die Begutachtung durch einen versierten Untersucher
voraus, der zwischen tiefer Ruhehaltung und habitueller Haltung sowie der vollen Aufrichtung
differenzieren und somit eine normale Haltungsschwäche Grad I und II unterscheiden
kann. Eine Alternative zu der stark subjektiv geprägten Begutachtung der Haltung und
der Rückenformen durch den Matthiass-Test bietet unter Umständen das sog. Orthotronic-Triflexometer.
Das elektromechanische Messgerät erfasst nicht-invasiv die äußere Wirbelsäulenkontur
in unbeeinflusster Haltung und im aufrechten Stand.
Altersgruppe 6 bis 17 Jahre
Die Durchführung der drei Testaufgaben Sit up, Einbeinstand und Rumpfvorbeuge über
den gesamten Altersbereich und über beide Pretestphasen hat viele Hinweise zur Optimierung
der Testdurchführung geliefert und durch die größere Stichprobe die Aussagen zum Altersgang
und zur Geschlechtsdifferenzierung verdeutlicht. Das gilt ebenso für den Liegestütz,
der ab der zweiten Pretesthälfte auch für die 6- bis 10-jährigen Kinder in das Testprogramm
aufgenommen wurde.
Sit up: Im Ergebnis dieser Übung zur Beurteilung der Bauchmuskelkraft bestätigten sich Unterschiede
zwischen den Geschlechtern und den Altersgruppen. Vom sechsten bis zehnten Lebensjahr
ist der Entwicklungszuwachs sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen ausgeprägt. Ab
dem zehnten Lebensjahr nehmen durch die Stagnation der Leistungen bei den Mädchen
die Geschlechtsdifferenzen noch zu (Abb. [2 ]).
Abb. 2 Sit ups nach Alter und Geschlecht (Mittelwerte).
Einbeinstand: Bei diesem Koordinationstest mussten die Kinder ab 11 Jahre mit einem Bein auf einer
T-Schiene stehen und das Gleichgewicht halten, wobei die Anzahl der Bodenberührungen
des Spielbeines während einer Minute erfasst wurde. Insgesamt schien die Aufgabe für
alle Altersgruppen nicht einfach zu sein, zumal in der ersten Pretesthälfte dieser
Test barfuß bzw. auf Strümpfen durchgeführt wurde. Zum Teil benötigten die Kinder
und Jugendlichen mehr als zehn Versuche in allen Altersgruppen. Es gibt nur geringe
Geschlechtsunterschiede. Im Vergleich zur Normstichprobe von [Beck und Bös 1995 ] ist zu sehen, dass prinzipiell das Leistungsspektrum von weit unterdurchschnittlich
bis weit überdurchschnittlich innerhalb der Altersgruppen vertreten ist. Das spricht
für eine gute Differenzierungsfähigkeit des Tests. Aufgrund von Beschwerden der Kinder
über Schmerzen an den Fußsohlen beim Balancieren wurde in der zweiten Pretesthälfte
der Einbeinstand mit Schuhen erlaubt. Da unterschiedliches Schuhwerk aber durchaus
Einfluss auf das Testergebnis haben kann, soll im Hauptsurvey vorgegeben werden, Sportschuhe
mitzubringen.
Die weiteren Tests Rumpfvorbeuge und Liegestütz zeigen ebenfalls durchschnittliche Zunahmen im Altersgang für beide Geschlechter.
Mädchen zeigen dabei eine größere Beweglichkeit bei der Rumpfvorbeuge, Jungen eine
höhere Kraftausdauer beim Liegestütz.
Optimierung der Testdurchführung
Optimierung der Testdurchführung
Die Qualitätskontrollen vor Ort und die Erfahrungen der Untersucherin haben in Abstimmung
mit den Kooperationspartnern neben Veränderungen im Methodenspektrum auch eine Reihe
von Hinweisen zur besseren Standardisierung der Testdurchführung und der Gestaltung
von Untersuchungsbedingungen ergeben. Sie umfasst:
die Gestaltung der Übungsabfolge derart, dass eine geringe Vordehnung der Muskulatur
für nachfolgende Übungen erreicht wird. Dazu sind die Übungen mit koordinativen Schwerpunkten
an den Anfang gesetzt. Zwischen Sit up und Liegestütz soll den Teilnehmern eine Pause
von längstens einer Minute zur Erholung gewährt werden;
die Veranschaulichung der Bewegungsabläufe für die Kinder bei den Übungen Sit up und
Liegestütz in Form von Fotos mit einzelnen charakteristischen Körperstellungen;
die Präzisierung der Testinstruktionen;
das Minimieren der Untersuchervariabilität durch den Einsatz möglichst motometrischer
Methoden;
die Erinnerung an das Mitbringen einer sportgeeigneten Kleidung bei der Terminvergabe
zur Untersuchung (eng anliegende Kleidung schränkt den Bewegungsradius ein, weite
Kleidungsstücke erlauben hingegen keine genaue Bewertung der Bewegungsausführung).
Akzeptanz durch Kinder und Eltern
Akzeptanz durch Kinder und Eltern
Grundsätzlich wurden die Motoriktests von allen Probanden angenommen. Es gab während
des gesamten Pretests drei Probanden, die eine Motorikübung ablehnten. Die Motivation,
eine höchstmögliche Leistung im sportlichen Teil der Studie anzustreben, war je nach
Untersuchungsort sehr unterschiedlich: Probanden, die in der Schule befragt wurden,
waren oft durch Mitschüler genau über den Übungsablauf informiert und die Ergebnisse
der Tests wurden ausgetauscht, was zu einer Wettbewerbssituation führte. Die Motivation,
Leistung zu bringen, war hier sehr hoch. Bei den Prüfungen in einem Untersuchungszentrum
erfordert die Durchführung der motorischen Übungen besonders bei den 4- bis 5-jährigen
Kindern ein individuelles Eingehen. In der Altersgruppe 6 bis 10 Jahre gab es die
größte Teilnahmebereitschaft, während jugendliche Probanden, die nur auf Drängen der
Eltern mit zur Untersuchung gekommen waren, zwar bereit waren, den Motorikteil zu
absolvieren, aber trotz Aufforderung keine große Leistungsmotivation aufbrachten.
Für Eltern, die an Hintergrundinformationen zu den Tests interessiert sind, sollten
dem Untersucher Argumentationshilfen zur Hand gegeben werden.
Schlussfolgerungen
Schlussfolgerungen
Im Pretest hat sich gezeigt, dass die Mehrzahl der ausgewählten motorischen Einzeltests
für die Altersgruppen ab 6 Jahre unter den Bedingungen des Surveys einsetzbar ist.
Die Ergebnisse der Tests differenzieren nach Alter und Geschlecht und können bei entsprechender
Stichprobengröße, anhand der Mittelwerte bzw. von Verteilungen, das motorische Entwicklungsniveau
bzw. die muskuläre Leistungsfähigkeit ausgewählter Muskelbereiche für die entsprechenden
Altersgruppen beschreiben. Um die Vergleichbarkeit und Verallgemeinerungsfähigkeit
der Testergebnisse zu gewährleisten, müssen diese unter den festgelegten Standards
durchgeführt werden. Räumliche, zeitliche und personelle Voraussetzungen müssen einem
Mindeststandard genügen. Da auch die Motivation der Teilnehmer einen großen Einfluss
auf das Leistungsergebnis nimmt, sollten gleiche äußere Untersuchungsbedingungen gewährleistet
sein.
Durch die Möglichkeit, in einem dem Survey angegliederten Modul das Methodenspektrum
komplementär zu untersuchen, wurde für die Hauptphase des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys
festgelegt, sich im Kernsurvey nur auf zwei relevante motorische Prüfbereiche zu konzentrieren:
In der Altersgruppe 4 bis 10 Jahre soll die Koordination umfassender untersucht werden
und in der Altersgruppe 11 bis 17 Jahre die Ausdauerleistungsfähigkeit [Bös et al. 2002 ].