Psychother Psych Med 2001; 51(2): 68-75
DOI: 10.1055/s-2001-10757
ORIGINALARBEIT
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Sexuelle Zufriedenheit von Frauen - Entwicklung und Ergebnisse eines Fragebogens

Sabine Büsing, Claudia Hoppe, Reinhard Liedtke
  • Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Bonn (Direktor: Prof. Dr. med. Reinhard Liedtke)
Further Information

Dipl.-Psych. Sabine Büsing

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Bonn

Sigmund-Freud-Straße 25

53105 Bonn

Publication History

Publication Date:
31 December 2001 (online)

Table of Contents #

Zusammenfassung

In der Sexualforschung erfassen die vorhandenen Fragebogen die Erlebnisebene der Sexualität und den Grad der sexuellen Zufriedenheit nicht hinreichend differenziert. In einem eigenen Projekt wurde daher ein Fragebogen entwickelt, der als Basisdaten die Häufigkeit und Dauer der sexuellen Handlungen, ferner die Zufriedenheit mit Häufigkeit und Dauer dieser Handlungen sowie das erwünschte Sexualverhalten berücksichtigt. Eine erste Untersuchung mit dem Fragebogen an 112 Frauen mit heterosexuellem Sexualverhalten im Alter von 20 - 48 Jahren wurde durchgeführt. Die hohe Wunschrate bezüglich des koitalen Orgasmus unterstreicht die Wichtigkeit des Orgasmuserlebens. Andererseits nennt die Hälfte der befragten Frauen den Orgasmus nicht als ihre favorisierte Empfindung beim Geschlechtsverkehr. 37 % der Frauen geben explizit an, dass die emotionale und körperliche Nähe zu ihrem Partner wichtiger als das Erleben des Orgasmus ist. Gemäß dem Extremgruppenvergleich korreliert sexuelle Zufriedenheit vor allem mit der in der Partnerschaft realisierten Selbstbestimmtheit, der Befriedigung der Kommunikationswünsche innerhalb der Partnerschaft und des Zärtlichkeitsbedürfnisses.

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Sexual Satisfaction of Women - Development and Results of a Questionnaire

In sexology the existing questionnaires do not sufficiently consider the experiencing of sexuality and the extent of sexual satisfaction. That is why a questionnaire was developed which includes, besides the frequency and duration of sexual activities, the satisfaction with frequency and duration of these activities and the desired sexual behaviour. A first study with this questionnaire was carried out on 112 women with heterosexual behaviour, aged 20 to 48 years. The frequent desire with regard to coital orgasm as one result of our investigation confirms the centering of orgasm in other studies. But half of the women do not describe orgasm as the favoured feeling during sexual intercourse. For 37 % of the women the emotional and physical closeness to the partner is explicitly more important than experiencing an orgasm. According to the comparison of extreme groups sexual satisfaction particularly correlates with self-determination realized in partnership and with satisfaction of communicational desires and need for tenderness within the partnership.

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Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes zur „sexuellen Zufriedenheit von Frauen und Männern” der sexualmedizinischen Ambulanz der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Bonn. Hauptgegenstand dieses Projektes ist die inhaltliche Erfassung des Begriffes „sexuelle Zufriedenheit”, ihrer Kennzeichnung und ihrer Bedeutung. Von primärem Interesse sind dabei nicht die quantitativen Aspekte des Sexualverhaltens im Sinne von Häufigkeit und Variationen, sondern das Erleben der Sexualität und die daraus resultierende Zufriedenheit.

Zur Erfassung der sexuellen Zufriedenheit existiert in der Sexualforschung eine Reihe von Fragebogen, in denen jedoch die Erlebnisebene der Sexualität und der Grad der sexuellen Zufriedenheit nicht hinreichend differenziert erfasst wird [1]. Meist findet die sexuelle Zufriedenheit nur auf Subskalen Beachtung, wie beispielsweise in der deutschen Übersetzung des Marital Satisfaction Inventory von Schröder et al. [2]. Die Mehrzahl der Instrumente zielt darauf ab, Aussagen über das durchschnittliche Sexualverhalten oder das Bestehen sexueller Schwierigkeiten zu ermöglichen [3].

Thema dieser Arbeit ist die Konzeptualisierung, Erstellung und Erprobung eines Fragebogens zur Erfassung der sexuellen Zufriedenheit von Frauen. Der Fragebogen soll nicht in der Tradition der Sexualreporte Daten über das Sexualverhalten liefern. Dennoch soll der quantitative Aspekt des Sexualverhaltens erfasst werden. Die Häufigkeitsdaten sexueller Aktivitäten dienen als Weg, sich den Zufriedenheitsdaten zu nähern, sie zu interpretieren und relativieren zu können.

Für die sexuelle Zufriedenheit als ein überdauerndes Gefühl muss eine Abgrenzung von der aktuellen sexuellen Befriedigung erfolgen. Empirische Arbeiten zur sexuellen Befriedigung erfassen diese als kurzfristigen emotionalen Impuls, der auf situationsspezifischen Bedürfnisbefriedigungen beruht. Sexuelle Zufriedenheit als überdauerndes Gefühl dagegen erwächst nach Levine [4] aus der Balance der partnerschaftlichen Sexualität, aus der Fähigkeit, das Sexualleben mit nicht sexuellen Aspekten der Beziehung zu integrieren sowie aus den persönlichen Erwartungen an das Sexualleben. Dies bedeutet, dass sexuelle Zufriedenheit trotz sexueller Dysfunktionen entstehen kann, das Fehlen solcher Dysfunktionen jedoch kein Garant für sexuelle Zufriedenheit sein muss.

Die bekannten Sexualreporte der Vergangenheit mit Angaben zu Häufigkeiten und Vorlieben bezüglich des Sexualverhaltens lassen größtenteils die Fragen nach dem Erleben von Sexualität und speziell von sexueller Zufriedenheit offen. Unter den Arbeiten zur weiblichen Sexualität ist der Hite-Report hervorzuheben. Shere Hite [5] [6] legte eine differenzierte Studie vor, die sich mit weiblichem sexuellen Erleben beschäftigt, ohne männliches Erleben definitorisch und normativ zugrunde zu legen.

Die von von Sydow [7] befragten Frauen berichteten von zu wenig Zärtlichkeit und zu häufigen Koituswünschen ihrer Partner. Der seltenere Wunsch der Frau nach Koitus [8] lässt jedoch nur dann auf eine geringere weibliche Libido schließen, wenn Libido als Lust nach Verkehr und Orgasmus definiert wird. Betrachtet man die Häufigkeiten der Wünsche nach Zärtlichkeit, zeigen die Frauen in allen Altersgruppen ein stärkeres Verlangen als die Männer. So schätzen Frauen auch die partnerschaftliche Übereinstimmung sexueller Wünsche als geringer ein als Männer. Männer bestimmen heute noch meist das „Wann und Wie” des Koitus und schließen nicht selten aus dem Mitmachen der Frau, dass sie es auch wünscht und zufrieden ist [8].

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Methodik

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Fragebogenkonstruktion

Der Fragebogen[1] sollte möglichst viele Facetten der Sexualität erfassen. Die resultierende heterogene Struktur spiegelt die unterschiedlichen Aspekte der Thematik wider und ermöglicht in den sensiblen Bereichen die Bereitstellung von Kontrollvariablen, wie beispielsweise Angaben zu negativen sexuellen Erlebnissen. Als Basisdaten und zur Einschätzung des Aktivitäts-Status-quo werden Häufigkeit und Dauer der sexuellen Handlungen, Zufriedenheit mit Häufigkeit und Dauer dieser Handlungen sowie erwünschtes Sexualverhalten in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Art und Weise erhoben.

Die Auswahl und Zuordnung der Items zu übergeordneten Kategorien erfolgte auf der Grundlage theoretischer Überlegungen und klinischer Beobachtungen. In den Prozess der Fragebogenentwicklung gingen Expertenratings zur Frage der adäquaten Abbildung der Zielinhalte in den einzelnen Items und den verschiedenen Bereichen ein. Die Gruppe der Experten setzte sich aus acht psychotherapeutisch erfahrenen ärztlichen und psychologischen MitarbeiterInnen der psychosomatischen Klinik sowie sechs AbsolventInnen der Ausbildung „Sexualtherapie für Paare” zusammen. Die letztlich 173 Items wurden den folgenden neun Bereichen zugeordnet, die auch die in die Endfassung des Fragebogens aufgenommene Gliederung darstellen.

1. Häufigkeiten und Erleben sexueller Aktivitäten, 2. Orgasmushäufigkeiten und Orgasmuserleben, 3. Aktivität und Passivität in der partnerschaftlichen Sexualität, 4. sexuelle Selbstbestimmtheit, 5. Erregbarkeit und Erleben von Sexualität, 6. Kommunikation in der Partnerschaft, 7. störende Einflüsse auf sexuelle Aktivitäten, 8. körperliche Veränderungen (Schwangerschaft, Stillzeit, Menstruation) und sexuelles Erleben, 9. Gesamteinschätzung der Sexualität.

Die Skalen umfassen meist sechs Antwortmöglichkeiten. Die Mehrfachantworten enthalten alle eine zusätzliche offene Kategorie. Mit Zusatzfragen wird kontrolliert, ob die letzten drei Monate typisch oder untypisch für das Sexualleben der jeweiligen Frau sind. Weitere Kontrollfragen betreffen den Einfluss eventueller Krankheiten auf die Sexualität.

Ausgehend von den Fragen zur Häufigkeit und Dauer verschiedener sexueller Handlungen ergeben die Daten zu „wie oft?” und „wie lange?” quantitative Werte in Bezug auf einen festgelegten Zeitraum (in der Regel die letzten drei Monate). Aus diesen Status-quo-Daten und den gewünschten Häufigkeiten dieser sexuellen Handlungen kann eine Ist-Soll-Differenz errechnet und mit den Daten zur Zufriedenheit mit der Sexualität im Allgemeinen und mit den verschiedenen sexuellen Handlungen im Besonderen in Bezug gesetzt werden. Dabei geht es um die Frage, ob das Ausmaß der Ist-Soll-Differenz mit dem der Zufriedenheit in einem Zusammenhang steht, d. h. beispielsweise, ob hohe Quantität auf hohe Zufriedenheit schließen lässt.

Mit der Erfassung eines „Hauptziels” sexueller Aktivitäten von Frauen soll die Orgasmusorientierung sexueller Handlungen überprüft werden. Eine Grundannahme ist, dass nicht alle Frauen orgasmusorientiert sind, d. h., dass ihre sexuelle Zufriedenheit nicht in erster Linie vom regelmäßigen Erleben des Orgasmus abhängt.

Der Vergleich der Subgruppen sexuell zufriedener und nicht zufriedener Frauen soll über die verschiedenen für die Sexualität relevanten Bereiche geführt werden. Die hieraus gewonnenen Daten sollen im Weiteren der empirischen Abstützung der theoretischen Implikationen der Fragebogenkonstruktion dienen.

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Stichprobe

Die Stichprobe besteht aus technischen und Verwaltungsmitarbeiterinnen der Universitätskliniken Bonn, aus Besucherinnen von Kommunikations- und Weiterbildungszentren sowie aus Studentinnen der Psychologie und der Medizin in Bonn.

Der Fragebogen wurde im Zeitraum Mai - Juni 1997 an 250 Frauen mit primär heterosexuellem Sexualverhalten im Alter von 20 - 48 Jahren verteilt, die seit mindestens drei Monaten in einer Partnerschaft leben und nicht einer religiösen oder ethnischen Gruppe zugehören, welche vom mitteleuropäischen Moralkodex stark abweichende Normvorstellungen aufweist.

Angestrebt wurde eine Stichprobengröße von > 100. Die anonym ausgefüllten Bogen wurden von den Frauen in frankierten Rückumschlägen zurückgesendet. Die untersuchte Stichprobe umfasst 112 Probandinnen. Eine Rücklaufquote von 46 % ist als hoch zu betrachten, lag aber unterhalb unseres Erwartungsspektrums, weil die Fragebogen im Verlauf eines Gespräches nur an interessierte Frauen übergeben wurden.

Die Stichprobe umfasst die Altersspanne von 20 - 48 Jahren. Das Durchschnittsalter beträgt 31,4 ± 5,4 Jahre. Für die statistische Auswertung wurde die Stichprobe in fünf Altersgruppen unterteilt (Tab. [1 a]).

Schulbildung: 3,6 % (4) haben die Hauptschule besucht, über 90 % haben mindestens einen Realschulabschluss, 75,9 % (85) haben Abitur. Der hohe Bildungsstand ist bei der Interpreta-tion der Daten zu berücksichtigen.

Die verschiedenen Berufe sind in Tab. [1 b] zusammengefasst.

Wohnsituation: 67 % (75) wohnen mit dem Partner zusammen und 33 % (37) wohnen in getrennten Wohnungen. Als ein Ergebnis der Fragebogenuntersuchung sei vorweggenommen, dass 57,1 % der Frauen sich in ihrer jetzigen Partnerschaft als absolut oder sehr glücklich ansehen; 67 % haben selten oder nie Trennungsgedanken, knapp 26 % gelegentlich.

Über die Kinderzahl gibt Tab. [1 c] Auskunft. Mit durchschnittlich 0,56 Kinder pro Frau liegt die Stichprobe unter dem Bundesdurchschnitt mit 1,2 Kindern für Frauen zwischen 15 und 49 Jahren [9].

Partnerschaftsdauer: Die Angaben zur Dauer der jetzigen Partnerschaft variieren zwischen drei Monaten und 25 Jahren. Der Mittelwert beträgt 6,3 und der Median 4,5 Jahre bei einer Standardabweichung von 5,7. Für die statistische Auswertung werden die Angaben zu fünf Gruppen zusammengefasst (Tab. [1 d]).

Tab. 1 aAlter
20 - 25Jahre26 - 30 Jahre31 - 35 Jahre36 - 40 Jahre41 - 48 Jahre
n134630158
%11,641,126,813,47,1
Tab. 1 bBeruf
Berufn%
Angestellte4540,2
Studentinnen3632,1
Beamtinnen/Akademikerinnen2118,9
Hausfrauen43,6
Arbeiterinnen32,7
Selbständige21,8
keine Angabe10,9
Tab. 1 cKinderzahl
keine Kinderein Kindzwei Kinderdrei Kindervier Kinder
n72211621
%64,318,814,31,80,9
Tab. 1 dPartnerschaftsdauer
< 1 Jahr1 - 5 Jahre6 - 10 Jahre11 - 15 Jahre> 15 Jahre
n1250281210
%10,744,62510,78,9
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Auswertung

Der Fragebogen wurde mit dem Statistikprogramm SPSS for Windows, Version 6.1.3 [10], ausgewertet. Das Datenmaterial wurde nach offenen und geschlossenen Fragen sortiert, ebenso nach der Art der Antwortskala. Für die Daten wurde eine Datenreduktion durch Klassenbildung oder Dichotomisierung vorgenommen. Die Rangkorrelation nach Spearman diente der Überprüfung theoretisch bedeutsamer Zusammenhänge der Variablen. Der Mann-Whitney-U-Test wurde angewendet, um zu überprüfen, in welchen Bereichen und Fragen sich die Gruppe der sexuell zufriedenen Frauen von der Gruppe der sexuell nicht zufriedenen Frauen unterscheidet.

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Ergebnisse der Untersuchung

Zunächst werden in Anlehnung an die thematische Gliederung des Fragebogens die wichtigsten Ergebnisse der quantitativen Erfassung des Sexuallebens dargestellt (weitere Einzelheiten s. [11]). Eine korrelationsstatistische Analyse schließt sich an, darauf folgen die Ergebnisse des Gruppenvergleichs zwischen sexuell zufriedenen und sexuell nicht zufriedenen Frauen.

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Erfassung der Datenbasis zum Sexualleben

Die Ergebnisse der quantitativen Erfassung des Sexuallebens werden überwiegend tabellarisch dargestellt. Tab. [2] greift verschiedene Aspekte sexueller Aktivitäten in der Partnerschaft auf.

Im Hinblick auf die Fähigkeit, eigene sexuelle Vorstellungen und Wünsche in der Sexualität umzusetzen, geben 45 % der Frauen an, dazu meistens oder immer in der Lage zu sein; sehr oder absolut zufrieden mit der Realisation eigener sexueller Wünsche sind 51,4 %. Als Kontrollfrage wurde die Häufigkeit erhoben, mit der Frauen in der Lage sind, im Alltag ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen. Hier liegen die Häufigkeits- und Zufriedenheitsrate im gleichen Bereich. Die Frauen können somit in der Sexualität in gleichem Ausmaß wie in Alltagsbelangen ihre eigenen Vorstellungen umsetzen.

Die Angaben zur Masturbation (Tab. [3]) lassen insgesamt darauf schließen, dass die Frauen die Selbstbefriedigung überwiegend konfliktfrei gestalten können. Dafür spricht auch, dass bei den Zufriedenheitsitems die Kategorien „kaum/gar nicht zufrieden” nicht besetzt sind. Verglichen mit den sexuellen Aktivitäten mit dem Partner lässt die Selbstbefriedigung 61,6 % der Frauen (etwas, viel oder extrem) weniger zufrieden sein. Die Diskrepanz zwischen gewünschter und realer Orgasmusrate bei der Masturbation ist geringer als bei den partnerschaftlichen sexuellen Aktivitäten.

Mögliche Beeinträchtigungen des sexuellen Erlebens sind in Tab. [4] zusammengestellt. Leistungsdruck als Beeinträchtigung der Genussfähigkeit beim Geschlechtsverkehr wird seltener beklagt als Selbstbeobachtung oder Nachdenken. Durch das Leben mit Kindern unter drei Jahren ändern sich die sexuellen Bedürfnisse der Frauen sehr stark. Hier geben über 80 % der Antwortenden an, dass ihre Bedürfnisse gesunken seien.

Auf die Frage, ob es auf sie zutrifft, dass das Ziel sexueller Aktivitäten der Orgasmus ist oder ob es ein Gefühl/einen Zustand gibt, das/den zu erreichen ihnen wichtiger ist, ergeben sich die in Tab. [5] dargestellten Ergebnisse.

In der Globaleinschätzung bezeichnen sich knapp 45 % der Antwortenden als absolut oder sehr zufrieden mit ihrem Sexualleben. Mit 16,8 %, die sich noch als ziemlich zufrieden bezeichnen, liegen über 61 % der Antworten im oberen Bereich der Antwortskala (absolut, sehr und ziemlich zufrieden).

Tab. 2Sexuelle Aktivitäten mit Partner (n = 112).
n%
Zärtlichkeiten
mit Partner täglich/mehrmals täglich zärtlich sind8575,9
Zärtlichkeitsaustausch täglich/mehrmals täglich wünschen sich9282,1
mit Zärtlichkeitshäufigkeit absolut/sehr zufrieden sind7970,5
mit Art und Weise der partnerschaftlichen Zärtlichkeit absolut/sehr zufrieden sind6860,7
sexuelle Aktivitäten ohne Penetration
täglich/mehrmals wöchentlich sexuell aktiv ohne Penetration sind5347,3
Streicheln oder Petting täglich/mehrmals wöchentlich wünschen sich6154,5
mit Häufigkeit von Streicheln/Petting absolut/sehr zufrieden sind6558,5
mit Art und Weise dieser sexuellen Aktivität absolut/sehr zufrieden sind5549,2
Initiative
sexuelle Initiative geht deutlich häufiger vom Partner aus7567,0
gewünschte sexuelle Aktivität meistens/immer aktiv herbeiführen können3834,2
Ergreifen der Initiative fällt sehr leicht/extrem leicht6558,1
ihre Rolle bei sexuellen Handlungen als aktiv bezeichnen9383,0
Koitus
mehrmals wöchentlich als Koitushäufigkeit nennen4943,8
wöchentlich/mehrmals monatlich als Koitushäufigkeit nennen4237,5
monatlich oder seltener als Koitushäufigkeit nennen1816,1
mit Koitushäufigkeit absolut/sehr zufrieden sind6053,6
mit Koitushäufigkeit etwas/kaum/gar nicht zufrieden sind2522,3
Koitus mehrmals wöchentlich wünschen sich6154,5
Koitus wöchentlich/mehrmals monatlich wünschen sich3430,4
mit Art und Weise des Koitus absolut/sehr zufrieden sind5750,9
Orgasmus
einen Orgasmus beim Koitus erleben meistens/immer5044,6
einen Orgasmus beim Koitus wünschen sich meistens/immer6860,7
mit Orgasmushäufigkeit beim Koitus absolut/sehr zufrieden sind5549,1
mit Erleben des Orgasmus beim Koitus ziemlich zufrieden sind1715,9
mit Erleben des Orgasmus beim Koitus absolut/sehr zufrieden sind7264,3
Unterschied zwischen vaginalen und klitoralen Orgasmen empfinden8172,3
klitoralen Orgasmus bevorzugen3833,9
multiple Orgasmen bei partnerschaftlicher Sexualität erleben nie/selten7062,5
multiple Orgasmen bei partnerschaftlicher Sexualität erleben gelegentlich3228,6
Kommunikation über sexuelles Erleben/sexuelle Wünsche
über Sexualität kommunizieren in Partnerschaft nie/selten/gelegentlich7567,0
mit Häufigkeit sehr zufrieden sind5145,5
über Sexualität sprechen mit Dritten nie/selten7062,5
mit Häufigkeit des Austausches absolut/sehr zufrieden sind6860,7
Tab. 3Masturbation (n = 112).
n%
nie zu masturbieren geben an2825,0
monatlich/mehrmals monatlich masturbieren5145,6
wöchentlich bis täglich masturbieren3228,6
mit Masturbationshäufigkeit absolut/sehr zufrieden sind8172,4
meistens/immer einen Orgasmus bei Masturbation erleben6961,6
meistens/immer einen Orgasmus bei Masturbation wünschen sich6356,3
multiple Orgasmen bei Masturbation erleben selten/nie6860,7
Tab. 4Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens (n = 112).
n%
durch Selbstbeobachtung absolut/sehr beeinträchtigt fühlen sich3127,7
sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung verarbeiten mussten1513,4
physische oder psychische Gewalt durch einen Partner erlebten87,1
andere Erlebnisse wie beispielsweise Krankheiten erleben als belastend108,9
ungewollte Schwangerschaft erlebten als belastend87,1
keine solchen negativen Erfahrungen in Lebensge-schichte hatten7062,5
während Menstruation ebenso häufig sexuellen Kontakt wie sonst3228,6
während Menstruation keinen sexuellen Kontakt1816,1
während Menstruation seltener sexuellen Kontakt als sonst5044,6
während Menstruation häufiger sexuellen Kontaktals sonst108,9
Tab. 5Erleben von Sexualität/sexuelle Selbstbestimmtheit (n = 112).
n%
Orgasmus als Ziel sexueller Aktivitäten4943,8
Orgasmus spielt untergeordnete Rolle5650,0
Erleben von Geborgenheit/Nähe/Zärtlichkeit/Liebe als übergeordnete Rolle bei sexuellen Aktivitäten4136,6
nach Geschlechtsverkehr meist entspannt und müde fühlen sich9181,3
beglückt und erfüllt nennen sich8575,8
als aktiv und tatkräftig bezeichnen sich3329,5
bei seltener Nennung negativer Empfindungen fühlen sich jedoch durch die erlebte Sexualität vom Partner benutzt119,8
absolut/sehr selbstbestimmt in ihrem Sexualleben fühlen sich5448,2
ziemlich selbstbestimmt in ihrem Sexualleben fühlen sich3934,8
mit Ausmaß an sexueller Selbstbestimmtheit absolut/sehr zufrieden6053,6
mit Ausmaß an sexueller Selbstbestimmtheit ziemlich zufrieden2724,1
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Korrelationsstatistische Analyse

Die Zusammenhänge einzelner Items mit dem Globalrating der sexuellen Zufriedenheit dienen der Überprüfung der gemeinsamen Varianz dieser aus Theoriebildung und klinischen Beobachtungen abgeleiteten Aspekte der sexuellen Gesamtbefindlichkeit. Die sexuelle Zufriedenheit korreliert zwar eindeutig mit den Items der sexuellen Aktivität (Koitus etc.), unerwartet hoch sind jedoch die Korrelationen mit den nicht so sehr die sexuelle Aktivität, sondern mehr die Partnerschaft charakterisierenden Variablen „Glücklichsein in der Beziehung” und „Übereinstimmung der sexuellen Wünsche” (Tab. [6]). Die gemeinsame Varianz mit diesen Variablen beträgt 41 bzw. 33 %. Ähnlich hohe Korrelationskoeffizienten errechnen sich zur Häufigkeit des Entstehens „großer Lust auf Sexualität” in der Partnerschaft (r = .55). Dieses Ergebnis wird durch die hohe negative Korrelation zu der Inzidenz des Libidoverlustes während der sexuellen Aktivität (r = - .56) bestätigt. Die aus den Sexualanamnesen und der Literatur bekannte hohe Bedeutung von kognitiven Störeinflüssen für sexuelle Aktivität und Zufriedenheit kann in der untersuchten, nicht klinischen Stichprobe durch die hohe negative Korrelation zwischen sexueller Zufriedenheit und Selbstbeobachtung bzw. Leistungsdruck (r = - .47) ebenfalls nachgewiesen werden. Die nur geringen Korrelationen (r = .27, r = .16) zwischen der sexuellen Zufriedenheit und der Orgasmushäufigkeit bestätigen die der Fragebogenkonstruktion zugrunde liegende Hypothese, welche die Orgasmusorientierung der Frau infrage stellt.

Tab. 6Korrelationen mit „sexueller Zufriedenheit”; Spearman-Rangkorrelation, 2-seitige Irrtumswahrscheinlichkeit.
Itemrp
8. Häufigkeit sexueller Aktivität ohne Penetration.34.000
15. Koitushäufigkeit.50.000
73. Häufigkeit des Empfindens „großer Lust”.55.000
29. Orgasmushäufigkeit bei sexuellen Aktivitäten ohne Penetration.27.004
33. Orgasmushäufigkeit bei Koitus.16.098
48. Fähigkeit, sexuelle Wünsche und Vorstellungen umzusetzen.45.000
59. Übereinstimmung mit sexuellen Wünschen des Partners.58.000
A. Glücklichsein in der Beziehung.64.000
91. Häufigkeit von Selbstbeobachtung bei sexuellen Aktivitäten- .47.000
93. Häufigkeit von Leistungsdruck bei sexuellen Aktivitäten- .47.000
95. Häufigkeit von Nachdenken während sexueller Aktivitäten- .22.000
125. Häufigkeit schwindender/nachlassender Lust bei sexuellen Aktivitäten- .56.000
71. sexuelle Selbstbestimmtheit.50.000
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Gruppenvergleich: Sexuell zufriedene vs. sexuell nicht zufriedene Frauen

Anhand eines Extremgruppenvergleiches wird mit dem Mann-Whitney-U-Test überprüft, ob der Fragebogen zwischen sexuell zufriedenen und sexuell nicht zufriedenen Frauen diskriminieren kann. Die Gruppe der zufriedenen Frauen bilden diejenigen, die sich als absolut oder sehr zufrieden mit ihrem Sexualleben bezeichnen (n = 59), die Gruppe der nicht zufriedenen diejenigen, die sich mit ihrem Sexualleben als etwas, kaum oder gar nicht zufrieden bezeichnen (n = 23, s. a. Tab. [7]). Hinsichtlich des Alters, der Partnerschaftsdauer und der Kinderzahl unterscheiden sich die beiden Gruppen statistisch nicht voneinander. 75 % der Items diskriminieren zwischen diesen beiden Gruppen.

Häufigkeit sexueller Aktivitäten und Orgasmushäufigkeit: Zufriedene Frauen geben für den Koitus, die sexuellen Aktivitäten mit dem Partner ohne Penetration und für den Zärtlichkeitsaustausch signifikant höhere Häufigkeitswerte an als nicht zufriedene Frauen (Tab. [8]). Das gilt ebenfalls für die Häufigkeit und die Zufriedenheit mit dem Orgasmuserleben bei partnerschaftlicher Sexualität. Für die Dauer der unterschiedlichen sexuellen Aktivitäten ergeben sich keine signifikanten Unterschiede. Auch die Daten zur Masturbation liefern bezüglich Häufigkeit und Dauer keine signifikanten Gruppenunterschiede zwischen sexuell zufriedenen Frauen und nicht zufriedenen Frauen.

Aktivität und Passivität in der Partnerschaft: Weiter beschreiben sich die zufriedenen Frauen als signifikant aktiver und initiativer in ihrer sexuellen Rolle.

Erleben von Sexualität; Störungen und Beeinträchtigungen: Sexuell zufriedene Frauen verspüren signifikant häufiger als nicht zufriedene Frauen das „Gefühl großer Lust auf Sexualität” mit ihrem Partner und sind signifikant schneller erregt. Hinsichtlich der Häufigkeit des Erlebens multipler Orgasmen unterscheiden sich die Gruppen nicht. Bezüglich negativer Erlebnisqualitäten während sexueller Kontakte mit dem Partner fallen die Vergleiche signifikant aus: Durch Leistungsdruck, Selbstbeobachtung und Nachdenken über die eigene Attraktivität und das Lustempfinden des Partners fühlen sich sexuell nicht zufriedene Frauen häufiger und stärker beeinträchtigt als zufriedene Frauen. Das Nachlassen oder Verschwinden der Lust beim Geschlechtsverkehr betrifft die Zufriedenen signifikant seltener als die nicht Zufriedenen. Hinsichtlich der Beeinträchtigung durch negative sexuelle Erlebnisse in ihrer Lebensgeschichte unterscheiden sich die Gruppen nicht.

Kommunikation in der Partnerschaft: Verglichen mit den sexuell nicht zufriedenen Frauen geben die zufriedenen Frauen an, mehr sowohl über ihre eigene als auch über die Sexualität ihres Partners zu wissen (Tab. [9]). Außerdem kommunizieren zufriedene Frauen signifikant häufiger mit ihren Partnern „außerhalb des Bettes”. Kein Unterschied ergibt sich jedoch beim Kommunikationsverhalten während sexueller Aktivitäten, wobei die Zufriedenheit mit dem Kommunikationsverhalten die Gruppen signifikant trennt.

Gesamteinschätzung der Sexualität: Erwartungsgemäß unterscheiden sich die zufriedenen von den nicht zufriedenen Frauen der Stichprobe signifikant durch eine glücklichere Beziehung und seltenere Gedanken an Trennung.

Tab. 7Daten für die Überprüfung der Vergleichbarkeit der Extremgruppen.
sexuell zufriedene Frauen (n = 59)sexuell nicht zufriedene Frauen (n = 23)
MSDMSD
Alter (Jahre)30,95,830,63,2
Dauer der Partnerschaft (Jahre)6,05,56,14,3
Kinderzahl0,50,80,70,9
Tab. 8Signifikanz der Gruppenunterschiede bezüglich sexueller Aktivitäten.
ItemSignifikanz-niveau
1. Häufigkeit des Zärtlichkeitsaustausches* (.0130)
2. Zufriedenheit mit Zärtlichkeitshäufigkeit*** (.0001)
4. Dauer des Zärtlichkeitsaustauschesn. s.
5. Zufriedenheit mit Dauer des Zärtlichkeitsaus-tausches*** (.0003)
7. Zufriedenheit mit Art und Weise des Zärtlich-keitsaustausches*** (.0001)
8. Häufigkeit sexueller Aktivitäten ohne Penetration** (.004)
9. Zufriedenheit mit Häufigkeit sexueller Aktivitäten ohne Penetration*** (.0000)
11. Dauer sexueller Aktivitäten ohne Penetrationn. s.
12. Zufriedenheit mit Dauer sexueller Aktivitäten ohne Penetration*** (.0000)
14. Zufriedenheit mit Art und Weise sexueller Aktivitäten ohne Penetration*** (.0000)
15. Koitushäufigkeit*** (.0000)
16. Zufriedenheit mit Koitushäufigkeit*** (.0000)
18. Koitusdauern. s.
19. Zufriedenheit mit Koitusdauer*** (.0000)
21. Zufriedenheit mit Art und Weise des Koitus*** (.0000)
22. Masturbationshäufigkeitn. s.
23. Zufriedenheit mit Masturbationshäufigkeitn. s.
25. Masturbationsdauern. s.
26. Zufriedenheit mit Masturbationsdauern. s.
28. Zufriedenheit mit Art und Weise der Masturbation* (.0261)
Tab. 9Signifikanz der Gruppenunterschiede bezüglich Kommunika-tion.
ItemSignifikanzniveau
102. Wissen über eigene Sexualität* (.0111)
103. Zufriedenheit mit Wissen über eigene Sexualität*** (.0000)
104. Wissen über Sexualität des Partners* (.0148)
105. Zufriedenheit mit Wissen über Sexualität des Partners*** (.0001)
106. tägliche Gesprächszeit mit Partner** (.0029)
107. Zufriedenheit mit täglicher Gesprächszeit mit Partner*** (.0000)
108. Häufigkeit von Reden mit Partner über sexuelle Ideen, Wünsche, Erleben*** (.0007)
109. Zufriedenheit mit Häufigkeit von Reden über sexuelle Ideen/Wünsche/Erleben*** (.0000)
110. Wichtigkeit von nonverbaler Verständigung während sexueller Aktivitätenn. s.
111. Zufriedenheit mit nonverbaler Verständigung mit Partner während sexueller Aktivitäten*** (.0002)
112. Häufigkeit von Reden über sexuelle Vor-stellungen/Wünsche während sexueller Aktivitätenn. s.
113. Zufriedenheit mit Redehäufigkeit über sexuelle Vorstellungen/Wünsche während sexueller Aktivitäten** (.0024)
114. Häufigkeit von Reden über Empfindungen und Gefühle während sexueller Aktivitätenn. s.
115. Zufriedenheit mit Redehäufigkeit über Empfin-dungen und Gefühle während sexueller Aktivitäten*** (.0009)
116. Häufigkeit von Austausch mit Dritten über Sexualitätn. s.
117. Zufriedenheit mit Häufigkeit von Austausch mit Dritten über Sexualität** (.0062)
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Diskussion

Die Bereitschaft, über die eigene Sexualität Auskunft zu geben, unterscheidet Menschen auch heute noch stark voneinander. Ob und in welcher Hinsicht sich TeilnehmerInnen an einer Befragung zur eigenen Sexualität von NichteilnehmerInnen unterscheiden, ist bisher nicht bekannt. Die Frauen unserer Untersuchung weisen einen hohen Bildungsstand auf; möglicherweise unterscheiden sie sich von der Normalpopulation auch durch eine größere Zufriedenheit mit ihrem Sexualleben, was die Auskunftsbereitschaft weiter erhöht haben könnte. Auf jeden Fall handelt es sich um eine Stichprobe von Frauen, die zu fast zwei Drittel keine Kinder haben, was neben dem hohen Bildungsstand bei der Interpretation der Daten zu bedenken ist.

Die Konstruktion des Fragebogens bedingt, dass sich die Aussagen auf die aktuelle Partnerschaft beziehen. Es ist aber nicht sicher ablesbar, ob die Auskunft der Frauen wesentlich durch die aktuelle gelebte Partnerschaft bestimmt wird oder mehr eine zeitstabile und persönlichkeitsspezifische Einschätzung beinhaltet.

Die überprüften korrelativen Zusammenhänge mit der Globaleinschätzung der sexuellen Zufriedenheit konnte die Auswahl der betreffenden Items überwiegend bestätigen. Anhand einer deutlich größeren Stichprobe ist in nächster Zeit die Item- und Faktorenanalyse des Gesamtfragebogens geplant.

Die im Rahmen dieser Untersuchung erhobenen Daten zum Sexualverhalten stimmen trotz der geringen Stichprobengröße gut mit den Ergebnissen vergleichbarer Untersuchungen (Eichner u. Habermehl [12], Kolb [13]) überein und geben damit Hinweise auf eine hinreichende externe Validität des Fragebogens.

Die in unserer Studie ermittelte hohe Wunschrate bezüglich des koitalen Orgasmus scheint die Orgasmusorientierung anderer Untersuchungen zu bestätigen. Andererseits nennen über die Hälfte der von uns erfassten Frauen den Orgasmus nicht als ihr Ziel oder ihre favorisierte Empfindung beim Geschlechtsverkehr. Für etwa 37 % der Frauen ist die emotionale und körperliche Nähe zu ihrem Partner wichtiger als das Erleben des Orgasmus. Dies bedeutet, dass der Orgasmus beim Geschlechtsverkehr zwar meist gewünscht, aber nicht als übergeordnetes Ziel betrachtet wird.

Bezüglich der Kommunikation in der Partnerschaft wurden die impliziten Annahmen des Fragebogens bestätigt. Zufriedene Frauen kommunizieren mehr mit ihren Partnern als nicht zufriedene Frauen. Für die Verständigung während sexueller Aktivitäten ergeben sich keine Unterschiede. Während sexueller Aktivitäten verläuft die Verständigung häufiger nonverbal; Probleme oder auch Wünsche werden offenbar nicht versprachlicht, möglicherweise um zu verhindern, dass mit der sprachlichen Formulierung das Erleben auf die kognitive Ebene verschoben wird.

Deutliche negative Auswirkungen auf die sexuelle Zufriedenheit haben Schwangerschaft, Stillzeit und das Leben mit Kleinkindern. Dieser Befund bestätigt die Ergebnisse anderer Autorenzitate; die meisten empirischen Untersuchungen zu den Einflüssen der Elternschaft auf die Paarbeziehung zeigen eine Verschlechterung wesentlicher Paar-Beziehungsaspekte durch die Geburt eines Kindes an (Engfer et al. [14], Meyer [15]). In Sexualanamnesen sollten daher Schwangerschaft, Stillzeit und die Versorgung von kleinen Kindern sowie eventuelle Bewältigungsstrategien von Frauen und Paaren stärkere Beachtung finden.

Sexuelle Aktivitäten während der Menstruation werden von 73,1 % der Frauen als unangenehmer als sonst erlebt. Dennoch haben 37 % der Frauen während der Menstruation ebenso häufig oder sogar häufiger als sonst sexuelle Kontakte. Hier ergeben sich möglicherweise Überschneidungen mit den Frauen, die nur schwer die Wünsche des Partners ablehnen können.

Über 12 % der Frauen der vorliegenden Stichprobe mussten einen sexuellen Missbrauch oder eine Vergewaltigung verarbeiten. Der Befund, dass sich die sexuell nicht zufriedenen Frauen von den sexuell zufriedenen Frauen nicht hinsichtlich der Beeinträchtigung durch negative sexuelle Erlebnisse in der Lebensgeschichte unterscheiden, überrascht daher zunächst. Sexuelle Störungen zählen neben Ängsten und Depressionen nach Beitchman et al. [16] zu den möglichen langfristigen Auswirkungen eines sexuellen Missbrauchs. Studien zu protektiven Entwicklungsfaktoren in Kindheit und Jugend zeigen jedoch, dass biografische Belastungen durch spätere positive Erfahrungen vermutlich ausgeglichen bzw. korrigiert werden können. Zu den Schutzfaktoren im Hinblick auf die Entstehung psychischer und psychosomatischer Krankheiten sind nach Egle et al. [17] neben einem robusten, aktiven und kontaktfreudigen Temperament u. a. eine verlässlich unterstützende Bezugsperson im Erwachsenenalter und eine überdurchschnittliche Intelligenz zu rechnen (Bender u. Lösel [18]). Der vergleichsweise hohe Bildungsstand unserer Stichprobe lässt eine überdurchschnittliche Intelligenz annehmen. Die befragten Frauen leben alle in einer Partnerschaft, über die Hälfte von ihnen sieht sich in ihrer jetzigen Partnerschaft als absolut oder sehr glücklich an und wohnt mit dem Partner zusammen, was auf eine verlässlich unterstützende Bezugsperson schließen lässt. Auch andere Sozialdaten wie die mehrjährige mittlere Partnerschaftsdauer sprechen dafür, dass ein eventuelles negatives Erlebnis in der Lebensgeschichte potenziell durch spätere positive Erfahrungen ausgeglichen oder gemildert werden konnte.

Aus dem Extremgruppenvergleich lässt sich folgende sexualtherapeutische Konsequenz ableiten. Sexuelle Zufriedenheit korreliert mit der in der Partnerschaft realisierten Selbstbestimmtheit, der Befriedigung der Kommunikationswünsche innerhalb der Partnerschaft und des Zärtlichkeitsbedürfnisses. Für die Sexualtherapie bedeutet dies, dass die Fokussierung auf konkretes Sexualverhalten mit einer gleichrangigen Beachtung dieser Voraussetzungen für das Erleben individueller sexueller Zufriedenheit zu verbinden ist.

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Literatur

  • 1 Davis C M, Yarber W L, Bauserman R, Schreer G, Davis S L. (eds) .Handbook of Sexuality-Related Measures. Thousand Oaks, CA; Sage 1998
  • 2 Schröder B, Hahlweg K, Hank G, Klann N. Sexuelle Unzufriedenheit und Qualität der Partnerschaft (befriedigende Sexualität gleich gute Partnerschaft?).  Z Klin Psychol. 1994;  23 178-187
  • 3 Strauß B, Heim D. Standardisierte Verfahren in der empirischen Sexualforschung. Eine tabellarische Übersicht.  Z Sexualforsch. 1999;  12 187-236
  • 4 Levine S B. Sexual Life: A Clinicians's Guide. New York; Plenum Press 1992
  • 5 Hite S. Weibliche Sexualität. München; Goldmann 1978
  • 6 Hite S. Der neue Hite-Report. Frauen und Liebe. München; Bertelsmann 1987
  • 7 von Sydow K. Psychosexuelle Entwicklung im Lebenslauf: Eine biographische Studie bei Frauen der Geburtsjahrgänge 1895 bis 1936. Regensburg; Roderer 1991
  • 8 Schnabl S. Des einen Lust, des anderen Last.  Sexualmedizin. 1995;  3 82-86
  • 9  Statistisches Bundesamt. Statistisches Jahrbuch 1991 für das vereinte Deutschland. Wiesbaden; Statistisches Bundesamt 1995
  • 10 Brosius G, Brosius F. SPSS Basis System and Professional Statistics. Bonn; Thomas 1995
  • 11 Hoppe C. Theoretische und praktische Erstellung eines Fragebogens zur sexuellen Zufriedenheit von Frauen. Universität Bonn; Psychologische Diplomarbeit 1997
  • 12 Eichner K, Habermehl W. Der Ralf-Report. Hamburg; Hoffman & Campe 1978
  • 13 Kolb I. Das Kreuz mit der Liebe - Der Mythos der sexuellen Befreiung. Hamburg; Gruner & Jahr 1981
  • 14 Engfer A, Gavranidou M, Heinig L. Veränderungen in Ehe und Partnerschaft nach der Geburt von Kindern; Ergebnisse einer Längsschnittstudie.  Verhaltensmodifikation Verhaltensmed. 1998;  4 297-311
  • 15 Meyer H J. Partnerschaft und emotionale Befindlichkeit von Eltern nach der Geburt ihres ersten und zweiten Kindes. In: Cierpka M, Nordmann E (Hrsg) Wie normal ist die Normalfamilie?. Berlin; Springer 1998: 43-62
  • 16 Beitchman J H, Zucker K J, Hood J E, Da Costa G A, Akman D, Cassavia E. A review of the long-term effects of child sexual abuse.  Child Abuse Neglect. 1992;  16 101-118
  • 17 Egle U T, Hoffmann S O, Steffens M. Pathogene und protektive Entwicklungsfaktoren in Kindheit und Jugend. In: Egle UT, Hoffmann SO, Joraschky P (Hrsg) Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Stuttgart; Schattauer 1997: 3-20
  • 18 Bender D, Lösel F. Risiko- und Schutzfaktoren in der Genese und der Bewältigung von Misshandlung und Vernachlässigung. In: Egle UT, Hoffmann SO, Joraschky P (Hrsg) Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Stuttgart; Schattauer 1997: 35-53

1 Auf Anfrage wird der Fragebogen zugesandt.

Dipl.-Psych. Sabine Büsing

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Bonn

Sigmund-Freud-Straße 25

53105 Bonn

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Literatur

  • 1 Davis C M, Yarber W L, Bauserman R, Schreer G, Davis S L. (eds) .Handbook of Sexuality-Related Measures. Thousand Oaks, CA; Sage 1998
  • 2 Schröder B, Hahlweg K, Hank G, Klann N. Sexuelle Unzufriedenheit und Qualität der Partnerschaft (befriedigende Sexualität gleich gute Partnerschaft?).  Z Klin Psychol. 1994;  23 178-187
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  • 4 Levine S B. Sexual Life: A Clinicians's Guide. New York; Plenum Press 1992
  • 5 Hite S. Weibliche Sexualität. München; Goldmann 1978
  • 6 Hite S. Der neue Hite-Report. Frauen und Liebe. München; Bertelsmann 1987
  • 7 von Sydow K. Psychosexuelle Entwicklung im Lebenslauf: Eine biographische Studie bei Frauen der Geburtsjahrgänge 1895 bis 1936. Regensburg; Roderer 1991
  • 8 Schnabl S. Des einen Lust, des anderen Last.  Sexualmedizin. 1995;  3 82-86
  • 9  Statistisches Bundesamt. Statistisches Jahrbuch 1991 für das vereinte Deutschland. Wiesbaden; Statistisches Bundesamt 1995
  • 10 Brosius G, Brosius F. SPSS Basis System and Professional Statistics. Bonn; Thomas 1995
  • 11 Hoppe C. Theoretische und praktische Erstellung eines Fragebogens zur sexuellen Zufriedenheit von Frauen. Universität Bonn; Psychologische Diplomarbeit 1997
  • 12 Eichner K, Habermehl W. Der Ralf-Report. Hamburg; Hoffman & Campe 1978
  • 13 Kolb I. Das Kreuz mit der Liebe - Der Mythos der sexuellen Befreiung. Hamburg; Gruner & Jahr 1981
  • 14 Engfer A, Gavranidou M, Heinig L. Veränderungen in Ehe und Partnerschaft nach der Geburt von Kindern; Ergebnisse einer Längsschnittstudie.  Verhaltensmodifikation Verhaltensmed. 1998;  4 297-311
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  • 18 Bender D, Lösel F. Risiko- und Schutzfaktoren in der Genese und der Bewältigung von Misshandlung und Vernachlässigung. In: Egle UT, Hoffmann SO, Joraschky P (Hrsg) Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Stuttgart; Schattauer 1997: 35-53

1 Auf Anfrage wird der Fragebogen zugesandt.

Dipl.-Psych. Sabine Büsing

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Bonn

Sigmund-Freud-Straße 25

53105 Bonn