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DOI: 10.1055/s-0044-1785789
Effekt einer standardisierten individuellen Ernährungstherapie auf die geriatrietypische Komorbidität von pflegebedürftigen Senior*innen einer vollstationären Pflegeeinrichtung – die GERIKOM-Studie.
Hintergrund: Ernährungstherapie bei Mangelernährung führt zu besseren Outcomes im stationären Krankenhaussetting. Das Ziel der GERIKOM-Studie war es, zu untersuchen, ob standardisierte individuelle Ernährungstherapie auch im Pflegeheim das Neuauftreten unerwünschter klinischer Ereignisse (UKE) vermindern kann.
Methoden: Diese cluster-randomisierte, kontrollierte Ernährungsinterventionsstudie untersuchte bei n=31 Senior*innen einer stationären Pflegeeinrichtung den kombinierten Endpunkt des Neuauftretens mindestens eines UKE (Neuauftreten/Vergrößerung Dekubiti, je 10%ige Verschlechterung Barthel-Index, Neuauftreten Stürze, Hospitalisierungen oder Tod) während zehnwöchiger Ernährungsintervention nach DGEM-Stufenschema. Zudem wurde die Veränderung des Ernährungszustands (BIA-Messung, MNA-sf, SARC-F, Serumalbumin und Handkraft) sowie des Pflegeaufwands bestimmt.
Ergebnisse: Die Ernährungsinterventionsgruppe (n=15) wies nach 10 Wochen n=11 einzelne UKE auf, die Kontrollgruppe mit n=16 Senior*innen n=25 einzelne UKE (Mehrfachereignisse). Am häufigsten traten Verminderungen des Barthel-Index (Intervention: n=2; Kontrolle: n=15) sowie Stürze (Intervention: n=6; Kontrolle: n=4) auf. Das Risiko für das Neuauftreten mindestens eines UKE in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe betrug im rohen Modell OR=0,67 (95%KI: 0,16 – 2,77 ) sowie im alters- und geschlechtsadjustierten Modell OR=0,61 (95%KI: 0,14 – 2,71). Weitere Endpunkte des Ernährungszustands oder Pflegeaufwands zeigten keine relevanten Veränderungen. Ein mittelstarker inverser Zusammenhang zwischen Ernährungszustand laut MNA-sf zur Basisuntersuchung und dem Neuauftreten von UKE wurde beobachtet (r=0,41, p=0,022).
Schlussfolgerung: In dieser Studie konnte kein Zusammenhang zwischen zehnwöchiger Ernährungstherapie und dem Neuauftreten unerwünschter klinischer Ereignisse im stationären Pflegeheim nachgewiesen werden. Dennoch wurde der inverse Zusammenhang zwischen Ernährungszustand und dem Neuauftreten von UKE beobachtet. Weitere Studien sollten mit größerer Fallzahl und längerer Dauer durchgeführt werden, um den Effekt der Ernährungstherapie auf UKE besser zu beurteilen; und dabei insbesondere das Ernährungsmanagement besser in den Pflegeprozess integrieren.
Schlüsselwörter: Mangelernährung, Pflegeheim, Ernährungsmanagement, Ernährungstherapie, unerwünschte klinische Ereignisse, Stürze, Dekubiti, Hospitalisierungen, Geriatrie
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
22. Mai 2024
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