Zusammenfassung
Diese vorliegende Studie beschäftigt sich erstmals mit dem DDR-Sportmediziner und
Nervenarzt Bernhard Schwarz. Es werden die von Schwarz zwischen 1953 und 1966 vorgelegten
Arbeiten über den Boxsport und dessen gesundheitliche Folgen, insbesondere das Schädel-Hirn-Trauma,
vorgestellt, analysiert und in den Kontext der heute hoch aktuellen Diskussion gestellt.
Dabei zeigt sich, dass Schwarz, Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik für Psychiatrie
an der Universität Leipzig sowie Arzt der DDR-Boxnationalmannschaft, früh aufgrund
eigener systematischer klinischer Reihenuntersuchungen auf die gesundheitlichen Gefahren
dieses Sports hinwies. Durch eine engmaschige und geschulte Begleitung des Sportlers
sowohl durch den Trainer als auch durch den Arzt, sowie durch Änderungen der Wettkampfbedingungen
meinte er die Gefahren für den Sportler deutlich minimieren zu können und trat somit
gegen ein Verbot des Boxens ein. Insbesondere griff Schwarz Vorschläge zur Prävention
auf und erweiterte sie durch eigene Forderungen. Diese stimmen bemerkenswert in Vielem
mit den heute gültigen Regularien zur Risikominimierung überein. Zu diesen Vorschlägen
gehörte beispielsweise, dass der Ringarzt eine qualifizierte Ausbildung erhalten müsse,
um Zustände einer Gefährdung zu erkennen. Eine auch in diesem Sinne zu erwerbende
Lizenz ist heute Voraussetzung für den Arzt, um die Sportler betreuen zu dürfen. Des
Weiteren verfolgte Schwarz das Konzept einer ganzheitlichen Medizin. Er forderte,
dass die Boxer vielseitig zu trainieren hätten und bei Verletzungen umfassend zu behandeln
seien. Dabei spielte für den Nervenarzt die Psychotherapie eine große Rolle. Der Rehabilitation
maß er eine Schlüsselfunktion bei, deren therapeutisches Ziel erst erreicht sei, wenn
die soziale und berufliche Wiedereingliederung des Patienten gelinge.
Abstract
This study is the first to provide research on the East-German (GDR) sports physician
and neurologist Bernhard Schwarz. It summarises Schwarz’s publications from 1953 to
1966 regarding the impact of boxing on health, particularly craniocerebral injury.
Also, the study analyses his work in the context of current discussions. It shows
that Schwarz, who was a tenured professor and director of the Department of Psychiatry
at the University Hospital of Leipzig and the physician of the GDR national boxing
team, conducted systematic clinical surveys and pointed to the health impacts of boxing
at an early point in time. He believed that risk exposure for athletes could be minimised
through intensive and trained supervision by the coach and the physician as well as
through changes to the conditions of boxing matches. Schwarz opposed a ban on boxing.
Instead, he picked up suggestions concerning the prevention of adverse health impacts
and added his own recommendations, which are remarkably similar to current practices
aimed at minimising risk. For instance, he advised that ring-side physicians be trained
to recognise dangerous conditions. Today, physicians must obtain a license to be allowed
to care for a boxer. In addition, Schwarz pursued the concept of integral medicine.
He called for a diversified training of boxers and argued that injured athletes should
be treated holistically. Being a neurologist, he emphasised the important role of
psychotherapy in this context. He identified the key role of rehabilitation, and suggested
that rehabilitation is complete only with the patient’s successful social and professional
reintegration.
Schlüsselwörter
Sportmedizin - Boxen - DDR - 20. Jahrhundert - Prävention
Key words
sports medicine - boxing - east Germany (GDR) - 20th century - prevention