Zentralbl Chir 2021; 146(S 01): S57
DOI: 10.1055/s-0041-1733377
Abstracts

V-135 Präoperative Quantifizierung der Sarkopenie und Relevanz für den postoperativen Verlauf nach anatomischer Resektion eines Lungenkarzinoms

S Kaltenhauser
1   Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
,
T Robold
1   Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
,
C Großer
2   Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Klinik für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
,
T Markowiak
1   Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
,
C Nießen
3   Caritas-Krankenhaus St. Josef, Abteilung für Radiologie, Regensburg, Deutschland
,
H-S Hofmann
1   Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
2   Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Klinik für Thoraxchirurgie, Regensburg, Deutschland
› Author Affiliations
 
 

Hintergrund

Die CT-basierte Quantifizierung der Skelettmuskulatur auf Höhe der Lendenwirbelsäule ist eine etablierte Methode zur Diagnose der Sarkopenie. Lungenkrebs-Patienten mit operativ-kurativer Therapieintention erhalten präoperativ ein CT Thorax, das sich jedoch häufig nicht zur lumbalen Quantifizierung eignet. Untersucht wurde die Durchführbarkeit der Sarkopenie-Bestimmung auf Basis der präoperativen thorakalen Standardbildgebung sowie deren prognostische Relevanz für das klinische Outcome nach anatomischer Resektion eines Lungenkarzinoms.


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Material und Methode

Die Muskelfläche auf Höhe von Brust- und Lendenwirbelsäule im präoperativen CT Thorax, CT Abdomen und gegebenenfalls PET-CT wurde retrospektiv für alle anatomischen Resektionen eines Lungenkarzinoms evaluiert (Erhebungszeitraum 2015–2018). Geschlechtsspezifische Cut-offs für den BWK-10-Skelettmuskelindex (SMI) unterteilten die Patienten in eine sarkopene und nicht-sarkopene Gruppe. Überlebenskurven wurden mit der Kaplan-Meier-Methode verglichen. Die Sarkopenie wurde im multivariaten Regressionsmodell untersucht.


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Ergebnis

Von 359 untersuchten Patienten waren 135 (37,6%) sarkopen. Der BWK-10-SMI korrelierte stark mit dem SMI von BWK 5, BWK 8 und LWK 3 (Pearson’s r>0,78; P<0,001). Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 21,9 Monaten (Interquartilbereich 10,3–32,5) starben 43 (31,9%) der sarkopenen und 39 (17,4%) der nicht-sarkopenen Patienten. Die Odds Ratio der sarkopenen Gruppe für ausgewählte postoperative Komplikationen betrug 2,46 (P=0,013). In der Kaplan-Meier-Analyse überlebten nicht-sarkopene Patienten länger (Log-Rank-P<0,020). Im multivariaten Cox-Regressionsmodell war die Prävalenz der Sarkopenie ein unabhängiger Prädiktor für ein schlechteres Gesamt- (Hazard Ratio 2,16; 95-%-Konfidenzintervall 1,33–3,49; P=0,002) und karzinomspezifisches Überleben (Hazard Ratio 2,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,13–3,63; P=0,017). 62 von 209 übergewichtigen Patienten waren sarkopen (29,7%). Sarkopenisches Übergewicht war mit einem schlechteren Gesamt- und karzinomspezifischen Überleben assoziiert im Vergleich zu Übergewicht ohne Sarkopenie (Log-Rank-P<0,023).


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Schlussfolgerung

Die Skelettmuskel-Quantifizierung im CT Thorax eignet sich zur Diagnose der Sarkopenie. Die Sarkopenie ist ein unabhängiger prognostischer Faktor für den postoperativen Verlauf nach anatomischer Resektion eines Lungenkarzinoms.


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Publication History

Article published online:
06 September 2021

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