Lege artis - Das Magazin zur ärztlichen Weiterbildung 2015; 5(2): 118-122
DOI: 10.1055/s-0040-100311
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Der pädiatrische Fieberkrampf – Differenzialdiagnosen und Therapie

Davide Neri
,
Nadja Kaiser
,
Sabine Zundel
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Publication Date:
08 May 2015 (online)

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Abstract

Pädiatrische Fieberkrämpfe treten bei fiebernden Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auf. Der einfache Fieberkrampf ist generalisiert, dauert < 15 min und tritt höchstens einmal innerhalb von 24h auf. Ein Fieberkrampf wird als komplex bezeichnet, wenn er > 15 min andauert, fokal beginnt, mit postiktalen Paresen einhergeht oder mehrmals innerhalb von 24h auftritt.Eine Lumbalpunktion oder zerebrale Bildgebung ist primär nicht indiziert, ist jedoch bei komplizierten Fieberkrämpfen oder febrilem Status epilepticus immer in Erwägung zu ziehen. Bei Meningismus-Zeichen ist eine Lumbalpunktion zum Ausschluss einer Meningitis als wichtigster Differenzialdiagnose obligat. Eine Anfallsdauer von > 3–5 min ist eine Indikation zur medikamentösen Unterbrechung mit Benzodiazepinen als Mittel der ersten Wahl. Ein febriler Status epilepticus ist nach dem gleichen therapeutischen Stufenplan wie ein afebriler konvulsiver Status epilepticus zu behandeln.Eine antikonvulsive Prophylaxe ist bei einfachen Fieberkrämpfen nicht nötig, bei komplexen rekurrierenden Fieberkrämpfen jedoch zu erwägen. Nach aktueller Datenlage senkt eine frühe antipyretische Therapie das Rezidivrisiko für weitere Fieberkrämpfe nicht.

Kernaussagen

  • Pädiatrische Fieberkrämpfe treten bei fiebernden Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auf. Der einfache Fieberkrampf ist generalisiert, dauert < 15 min und tritt höchstens einmal innerhalb von 24 h auf. Ein Fieberkrampf wird als komplex bezeichnet, wenn er > 15 min andauert, fokal beginnt, mit postiktalen Paresen einhergeht oder mehrmals innerhalb von 24 h auftritt.

  • Eine Lumbalpunktion oder zerebrale Bildgebung ist primär nicht angezeigt, ist jedoch bei komplizierten Fieberkrämpfen oder febrilem Status epilepticus immer in Erwägung zu ziehen. Bei Meningismus-Zeichen ist eine Lumbalpunktion obligat, um eine Meningitis als wichtigste Differenzialdiagnose auszuschließen. Bei Säuglingen im 1. Lebensjahr, bei fehlendem Impfschutz und bei Kindern unter antibiotischer Therapie ist die Indikation im Einzelfall großzügig zu stellen.

  • Eine Anfallsdauer von > 3–5 min ist eine Indikation zur medikamentösen Unterbrechung mit Benzodiazepinen als Mittel der ersten Wahl. Ein febriler Status epilepticus ist nach dem gleichen therapeutischen Stufenplan wie ein afebriler konvulsiver Status epilepticus zu behandeln.

  • Eine antikonvulsive Prophylaxe ist bei einfachen Fieberkrämpfen nicht nötig, bei komplexen rekurrierenden Fieberkrämpfen jedoch zu erwägen. Nach aktueller Datenlage senkt eine frühe antipyretische Therapie das Rezidivrisiko für weitere Anfälle nicht.

Ergänzendes Material