Zusammenfassung
In jüngerer Zeit wurde das Gratifikationskrisenmodell von Siegrist (ERI) auf die Haus-
und Familienarbeit übertragen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Ungleichgewicht zwischen
hoher Verausgabung und geringer Anerkennung in der Haus- und Familienarbeit analog
zur Erwerbsarbeit mit erhöhten Gesundheitsrisiken assoziiert ist. Bislang ist der
Fragebogen ERI-HF jedoch nur bei Frauen in Erziehungsverantwortung zur Anwendung gekommen.
Der vorliegende Beitrag untersucht die teststatistische Güte des Fragebogens für Väter
mit minderjährigen Kindern. Die teststatistische Prüfung erfolgte anhand einer klinischen
Stichprobe von Vätern, die 2014 eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme für Mütter/Väter
und Kinder in Anspruch genommen haben (N=415). Analog zur Originalversion umfasst
ERI-HF 2 Modellkomponenten: zum einen die spezifischen Arbeitsplatzbedingungen in
Form von Verausgabung und Belohnung (Effort-Reward Imbalance), zum anderen die intrapsychische
Dimension der Verausgabungsneigung (Overcommitment). Die konfirmatorische Faktorenanalyse
zeugt von einer guten Anpassung der Daten an das theoretische Modell und auch der
Kurzfragebogen zum Overcommitment wies eine zufriedenstellende Testgüte auf. In der
vorliegenden Stichprobe wiesen 13,4% der Väter eine Gratifikationskrise in der Haus-
und Familienarbeit auf, wobei starke Belastungen aufgrund hoher ‚Verausgabung‘ im
Vergleich zu Belastungen aufgrund geringer ‚Belohnung‘ deutlich häufiger zutrafen.
Eine hohe Verausgabungsneigung im persönlichen Umgang mit der Haus- und Familienarbeit
gaben auf Itemebene zwischen 24,3 und 59,6% der Väter an. Analysen zur Konstruktvalidität
ergaben signifikante Zusammenhänge zwischen den ERI-Skalen und soziodemografischen
Faktoren (Anzahl Kinder, Erwerbsstatus, Alleinerziehen-Status, Beruf-Familie-Konflikt)
sowie der subjektiven Gesundheit. Insgesamt sprechen die Befunde für einen erweiterten
Einsatz des Fragebogens auch für Väter in Erziehungsverantwortung.
Abstract
Recently, the concept of effort-reward imbalance (ERI) developed by Siegrist had been
applied to unpaid household and family work (ERI-HF). Evidence suggests that the imbalance
between effort spent and reward received in family and domestic labor is associated
with poor mental and physical health. However, so far, the adopted questionnaire ERI-HF
was exclusively used among women in childcare responsibility. This paper reports on
the application of the model to men in childcare responsibility using data from a
clinical sample of fathers in rehabilitation clinics (N=415). Analogous to the original
version, ERI-HF is divided into 2 components: (i) dysbalance of effort and reward,
and (ii) overcommitment. For both components, confirmatory factor analyses revealed
good to satisfactory properties. Overall, 13.4% of men in childcare responsibility
showed a dysbalance between high effort and low reward of household and family work.
High levels of effort were more frequently reported than high levels of low reward.
With percentages ranging between 24.3 and 59.6%, a significant proportion of fathers
reported difficulties to withdraw from household and family work obligations. Analyses
of construct validity revealed significant associations between ERI and socio-demographic
factors (number of children, employment status, single fatherhood, work-family-conflict)
as well as subjective health. Taken together, our findings suggest that the instrument
is applicable to men in childcare responsibility.
Schlüsselwörter
ERI-HF - Väter - Haus- und Familienarbeit - Stress - Gesundheit
Keywords
ERI-HF - fathers - household and family work - stress - health