Der Nuklearmediziner 2012; 35(01): 1
DOI: 10.1055/s-0031-1301348
Nachruf
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Nachruf auf Professor Dr. med. Wilhelm Börner

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Publication Date:
15 March 2012 (online)

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Prof. Dr. Wilhelm Börner

Am 14. November 2011 starb nach längerer Krankheit Prof. Dr. Wilhelm Börner, Würzburg, im Alter von 84 Jahren. Mit seinem Tod verlieren seine Patienten einen von ihnen hoch geschätzten Arzt, die deutsche und europäische Nuklearmedizin einen „Mann der ersten Stunde“ und die medizinische Fakultät der Universität Würzburg einen engagierten Wissenschaftler und Hochschullehrer. Seine Schüler und Mitarbeiter trauern um einen väterlichen Chef und Mentor.

Nach dem Studium der Medizin in Erlangen promovierte Wilhelm Börner 1953 auf dem Gebiete der Strahlenbiologie. 1955 trat der junge Dr. Börner seinen Dienst an der Universitätsklinik Würzburg an, der sich insgesamt über 39 Jahre erstrecken sollte. Zunächst arbeitete er im Rahmen der Weiterbildung in Innerer Medizin an der Medizinischen Universitäts-Poliklinik unter Prof. Dr. H. Franke. Diese Weiterbildung schloss er 1961 mit dem Facharzt für Innere Medizin ab. Unmittelbar nach der Facharztanerkennung 1961 habilitierte er sich für Innere Medizin, speziell Nuklearmedizin. 1966 wurde Priv.-Doz. Dr. W. Börner zum Abteilungsvorsteher der neu gegründeten Isotopenabteilung der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Würzburg ernannt. 1968 folgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor und 1976 zum Leiter der selbständigen Abteilung für Nuklearmedizin der Universität Würzburg. 1987 nahm Prof. Börner den Ruf auf den neu errichteten Lehrstuhl für Nuklearmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg an und wurde zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin ernannt. Bis 1994 vertrat W. Börner das Fach an der Universität in Krankenversorgung, Forschung und Lehre.

Prof. Börner zählte zu den Gründungsmitgliedern der Bayerischen, Deutschen und Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin, der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte, der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der Arbeitsgemeinschaft Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Von 1974 bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1994 war er korrespondierendes Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. In der Zeit von 1982 bis 1989 gehörte Prof. Börner zu den Mitgliedern des Ausschusses „Medizin und Strahlenschutz“ der Strahlenschutzkommission des Bundesministers für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Von 1981 bis 1989 war Prof. Börner Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte und damit Mitherausgeber der Buchserie „Strahlenschutz in Forschung und Praxis“. Prof. Börner war auch Ko-Editor der Zeitschrift „Nuklearmedizin“ sowie Mitbegründer und langjähriger Herausgeber dieses Zeitschrift.

Zum wissenschaftlichen Werk von Prof. Börner zählen insgesamt über 400 Veröffentlichungen, die sich schwerpunktmäßig mit klinisch relevanten Verfahren der Organdiagnostik und -therapie befassen. Im Vordergrund standen dabei Arbeiten zu Schilddrüsenerkrankungen, für die W. Börner auch große internationale Anerkennung gefunden hat. Besonders hervorzuheben ist, dass Prof. Börner die Anwendung radioaktiver Stoffe in der Diagnostik und Therapie – nicht zuletzt unter ethischen Aspekten – auch immer unter dem Aspekt des Strahlenschutzes sah.

Unter diesen Arbeiten der Würzburger Nuklearmedizin zum Thema Schilddrüse sind hervorzuheben die Einführung eines 123Iod-Kurztests (1961), die Einführung des T3-uptake-Tests (1964), die Evaluierung der Schilddrüsenszintigrafie mit 99mTc (1965), die Etablierung des TG-RIA in der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms (1980), die Evaluierung der Bestimmung freier Schilddrüsenhormone im Serum (1983) und die Bestimmung von Iodid im Urin und Plasma mit der Hochdruckflüssigkeitschromatografie (1994).

Geehrt wurde Prof. Börner 1969 mit dem Paul-Martini-Preis und 1984 mit der Ehrenmitgliedschaft des Verbandes für Medizinischen Strahlenschutz in Österreich. 1986 erhielt Prof. Börner den angesehen Bayerischen Verdienstorden. Seit 1992 war er Ehrenmitglied der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte. 2002 wurde ihm für sein Lebenswerk die erste Georg-von-Hevesy-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin verliehen. Die Bayerische Gesellschaft für Nuklearmedizin ehrte ihn 2010 mit der Ehrenmitgliedschaft.

Mit dem Ableben von Prof. Wilhelm Börner verlieren die Kolleginnen und Kollegen, die sich ärztlich und wissenschaftlich der Schilddrüse verschrieben haben, einen „Mann der ersten Stunde“, einen engagierten klinischen Ratgeber und wissenschaftlichen Diskussionspartner. Der Name Wilhelm Börner wird mit der Schilddrüsenforschung in Deutschland immer eng verbunden bleiben.