Zeitschrift für Palliativmedizin 2011; 12(05): 205
DOI: 10.1055/s-0031-1287725
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Onkologie – Maßnahmen zur Kostensenkung

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Publication Date:
20 September 2011 (online)

 

In der Reihe "sounding board" ("wohlmeinende Kritiker") berichten Smith und Hillner in The New England Journal of Medicine (NEJM) darüber, dass die Kosten für krankheitsmodifizierende Maßnahmen im Bereich Onkologie in den letzten Jahren dramatisch gestiegen sind und weiter deutlich steigen werden. Und das obwohl das Kosten-Nutzen-Verhältnis der eingesetzten Therapien häufig inakzeptabel ist.
N Engl J Med 2011; 364: 2060 – 2065

Auf Basis anderer Untersuchungen, sowie der ASCO- und NCCN-Richtlinien erörtern sie einige der dringlichsten Punkte, um dieser Entwicklung zu begegnen:

  • Labortests und Bildgebung sind nur durchzuführen, wenn sich daraus ein klarer Vorteil (Überleben oder Symptomkontrolle) für den Patienten ergibt.

  • Abzulehnen ist die routinemäßige Erfassung von so genannten "Tumormarkern", sowie eine routinemäßig durchgeführte (terminierte) Bildgebung beim ansonsten symptomfreien Patienten. Als Ausnahme wird hier explizit das Kolonkarzinom genannt.

  • Bei den meisten metastasierten soliden Tumoren sollte sich die 2.- und 3.-Linien-Therapie auf sequentielle Monotherapien beschränken.

  • Die Gabe von systemischen Chemotherapien ist auf Patienten mit gutem Performance-Status (ECOG 0-2) zu beschränken ("Can you walk into my office?"). Davon ausgenommen sind Patienten, deren Mobilität durch eine andere, nicht lebensgefährliche Erkrankung eingeschränkt ist, oder die unter einem sehr gut behandelbaren Tumor leiden (z. B. HER2-positivem Brustkrebs) und noch keine Erstlinien-Therapie erhalten haben.

  • Statt des routinemäßigen Einsatzes von Leukozyten-stimulierenden Faktoren sollte bei metastasierten soliden Tumoren die Dosis der Chemotherapie reduziert werden.

  • Patienten, die nicht auf 3 unterschiedliche Schemata angesprochen haben, sollten weitere Chemotherapien nur im Rahmen klinischer Studien erhalten.

  • Ärzte sollten lernen, die klinische Situation realistisch einzuschätzen, diese mit Patienten und Angehörigen zu kommunizieren, und sich der Folgen ihrer Entscheidungen für Patienten und die Gesellschaft bewusster machen.

  • Die Einbindung zusätzlicher palliativmedizinischer Angebote ("concurrent care") und ein frühzeitiger Übergang zu einer rein Symptom-orientierten Therapie wird empfohlen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine Anwendung kombinierter Maßnahmen wie

  • strikterer Umsetzung existierender Richtlinien,

  • deutlicher Identifikation und Kommunikation erreichbarer Therapieziele sowie

  • Integration zusätzlicher unabhängiger Palliativ-medizinischer Angebote

der Kostenexplosion im Gesundheitswesen entgegengewirkt und eine patientengerechtere Therapie möglich macht.

Dr. Jan Gärtner
Zentrum für Palliativmedizin Universitätsklinikum Köln