Flug u Reisemed 2010; 17(3): 111
DOI: 10.1055/s-0030-1255402
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Aus aller Welt – Aktuelles kurz notiert

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Publication Date:
15 June 2010 (online)

 
Table of Contents #

Banna-Virus-Erkrankung in Asien

Ausbrüche von Enzephalitis-Erkrankungen sind in Asien häufig und werden zumeist auf das Japan-B-Enzephalitis-Virus zurückgeführt. Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten nun jedoch darauf hin, dass die Bedeutung eines weiteren Virus dabei oft unterschätzt werden könnte: So wurde bisher das ebenfalls Enzephalitis auslösende Banna-Virus nur relativ selten in Betracht gezogen, obwohl die klinischen Symptome ähnlich sind.

Die Untersuchungen von Liu et al. belegen nun, dass das Verbreitungsgebiet des zur Familie Reoviridae (Gattung Seadornavirus) gehörenden Banna-Virus nicht nur auf ein relativ kleines tropisches Areal Südostasiens beschränkt ist, wie bisher angenommen. Dagegen erstreckt es sich bis in die temperaten Gebiete Nordchinas. Wie außerdem berichtet wird, reagierten bis zu 14 % der Patienten, bei denen klinisch eine Japanische-Enzephalitis-Infektion diagnostiziert wurde, IgM-positiv auf das Banna-Virus. Daher sind in der Vergangenheit wohl viele Fälle von Banna-Virus-Erkrankungen fälschlicherweise als Japanische Enzephalitis diagnostiziert worden.

Quellen: promed; Liu H et al. Emerg Infect Dis 2010; 16: 514-517

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Poliomyelitis in Tadschikistan

Ein Polio-Ausbruch, der im Dezember 2009 begann, forderte im Südwesten Tadschikistans bisher mindestens 10 Todesopfer. Bis Ende April 2010 waren außerdem etwa 110 weitere Kinder erkrankt. Dies sind mehr Fälle, als derzeit in allen anderen Staaten zusammen gemeldet werden (Ende April betrug die Zahl der im Jahre 2010 weltweit ohne Tadschikistan registrierten Poliofälle 71). Dies ist ein herber Rückschlag für das Land, in dem seit 13 Jahren keine Poliofälle mehr aufgetreten waren. Und es ist davon auszugehen, dass sich die Situation in nächster Zeit noch dramatisch verschlechtern wird, da die Mehrzahl der Fälle erst innerhalb der letzten beiden Aprilwochen aufgetreten war.

Quelle: promed

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Hanta-Virus-Infektion in Chile

Seit Beginn des Jahres erkrankten in Chile bereits mehr als 30 Menschen an einer Hanta-Virus-Infektion, mindestens 14 der Betroffenen verstarben an den Folgen. Die meisten Fälle ereigneten sich im Süden des Landes von den Regionen VII bis XI (Maule, Bío-Bío, Araucanía, Los Lagos und Aisén).

In Chile kommt es immer wieder zu Infektionen mit dieser durch den Kot, Urin oder Speichel infizierter Nagetiere übertragenen Krankheit. In der Regel beschränken sich Infektionen dabei auf Waldarbeiter oder Camper (häufig Pfadfinder). Dieses Jahr jedoch sind die Fallzahlen besonders hoch. So wurden im Vergleichszeitraum des Vorjahres nur etwa halb so viele Fälle gemeldet. Dies ist wahrscheinlich eine der Folgen des verheerenden Erdbebens, das Ende Februar einen 800 km langen Küstenstreifen des Landes erschütterte, da viele Menschen seither unter mangelhaften hygienischen Bedingungen leben.

Quelle: promed

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Anthrax in Großbritannien

Seit Mitte Dezember 2009 sind in Schottland 40 Heroinabhängige an Milzbrand erkrankt, 13 der Betroffenen verstarben an den Folgen der Infektion. Drei weitere Infektionen, darunter ein Todesfall, wurden aus England gemeldet. Und auch in Deutschland war im Dezember 2009 ein Drogenabhängiger an den Folgen einer Anthrax-Infektion verstorben. Derzeit geht man davon aus, dass eine oder mehrere Chargen Heroin mit den Milzbranderregern Bacillus anthracis kontaminiert waren. Ob die Verunreinigung bereits im Ursprungland erfolgte, beim Transport (etwa beim Verstecken in Tierhäuten) oder erst beim Verteilen im Zielland, ist derzeit nicht bekannt. Eine Gefahr für die übrige Bevölkerung besteht nicht.

Quelle: promed

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Masern in Afrika

Trotz eines von der WHO ("World Health Organization") finanzierten Impfprogramms ist es im September 2009 in Simbabwe zu einem verheerenden Masernausbruch gekommen, der immer noch andauert. Seither wurden landesweit 3285 Verdachtsfälle gemeldet, mehr als 200 Menschen verstarben an den Folgen der Infektion. Betroffen sind momentan 48 der 62 Bezirke des Landes, die meisten Fälle werden aus der Hauptstadt Harare sowie der Provinz Midlands gemeldet. Bei vielen Betroffenen soll es sich um Angehörige einer christlich-apokalyptischen Sekte handeln, die aus religiösen Gründen eine Impfung ablehnen. Die schiere Größe des Ausbruchs und die hohe Mortalitätsrate deuten jedoch darauf hin, dass dies nicht die einzige Ursache ist, zumal sich das Gesundheitssystem des Landes in einem desolaten Zustand befindet.

Doch auch andere Regionen des südlichen, westlichen und zentralen Afrikas sind derzeit von großen Masernepidemien betroffen. Bereits im Sommer 2009 begann ein Masernausbruch in Südafrika, bei dem mehr als 6500 Menschen erkrankten. Die Mortalitätsrate ist hier aber deutlich niedriger: Bisher wurden lediglich 13 Todesopfer gemeldet. Im Tschad erkrankten seit Beginn des Jahres mehr als 5800 Menschen an den Masern, 79 verstarben an den Folgen der Infektion. Auch aus Burkina Faso, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Guinea, Malawi, Nigeria und Kamerun wurden seit Januar jeweils mehr als 1000 Fälle mit insgesamt 99 Todesopfern gemeldet.

Quelle: promed

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Dengue-Fieber auf Mayotte

Erstmals seit mehr als 65 Jahren wird von der zwischen Madagaskar und Mosambik liegenden Insel Mayotte ein Ausbruch des Dengue-Fiebers gemeldet. Dieser ist wahrscheinlich auf von den Komoren importierte Fälle zurückzuführen. Insgesamt wurden bisher 27 Erkrankungen gemeldet.

Quelle: promed

Dr. Raymund Lösch und Dipl. Biol. Unn Klare, Bad Doberan