Flug u Reisemed 2010; 17(3): 110
DOI: 10.1055/s-0030-1255401
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Demokratische Republik Kongo – Konzo durch Zyanat

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Publication Date:
15 June 2010 (online)

 
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Abb. 3 Wurzelknollen der Maniokpflanze (Manihot esculenta) nach der Ernte. Quelle: David Monniaux, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz Attribution ShareAlike 3.0

Im Jahre 2009 litten in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 15 000 Menschen an endemischer spastischer Paraparese. Ein Jahr zuvor wurden lediglich 11 000 Fälle registriert. Diese auch unter dem Namen "Konzo" bekannte Erkrankung ist die Folge einer Zyanidvergiftung, die bei mangelhafter Zubereitung von Maniok auftritt.

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Unzureichende Zubereitung von Maniok

Maniok (auch Kassave oder Yuca genannt) stammt ursprünglich aus Südamerika, wurde aber auch nach Afrika, Südostasien und Indonesien eingeführt. Heutzutage ist es das Hauptnahrungsmittel für mehr als 500 Millionen Menschen. Zwar sind auch die Blätter der Pflanze essbar, die wichtigste Energiequelle sind jedoch die stärkereichen Wurzelknollen. Allerdings enthalten sie auch das Toxin Linamarin, das im menschlichen Verdauungssystem in Zyanid umgewandelt wird. Schon 2 Maniokknollen könne eine letale Dosis enthalten, wobei der Giftgehalt jedoch stark sortenabhängig ist.

Daher ist die richtige Zubereitung essenziell. Nur wenn die zermahlenen Knollen mehrere Tage im Wasserbad liegen, wird das Linamarin von einem pflanzeneigenen Enzym in Zucker und flüchtiges Zyanidgas aufgespalten. Sollte das Linamarin aufgrund mangelhafter Zubereitung nur unvollständig abgebaut werden, ist der menschliche Körper in der Regel in der Lage, das entstehende Zyanid in den weniger giftigen Stoff Thiozyanat umzubauen. Bei Unterernährung funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht. Stattdessen wird das Toxin Zyanat gebildet, welches neurodegenerative Krankheiten verursacht.

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Krämpfe und Lähmungen

Die Folge sind meist abrupt (innerhalb von 24 Stunden) auftretende Symptome wie Krämpfe und Schwächegefühle in den Beinen. Schließlich treten isolierte Lähmungen in den Beinen auf, die in der Regel irreversibel sind.

Größere Ausbrüche der endemischen spastischen Paraparese, wie derzeit in der Demokratischen Republik Kongo beschrieben, sind meist nicht die Folge von Unwissenheit. Vielmehr sind sie ein Zeichen für große Armut unter der Bevölkerung, da sowohl Wassermangel (der zur ungenügenden Zubereitung führt) als auch Unterernährung die Hauptfaktoren für die Entstehung dieser Ausbrüche sind.

Dr. Raymund Lösch und Dipl. Biol. Unn Klare, Bad Doberan

Quelle: promed

 
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Abb. 3 Wurzelknollen der Maniokpflanze (Manihot esculenta) nach der Ernte. Quelle: David Monniaux, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz Attribution ShareAlike 3.0